Samstag, 17.05.2008

Die besten Playoff-Clashs

"Sit your Ass down!"

München - Oha. Wäre die Super Nanny zugegen gewesen, LeBron James hätte sich wegen seines unmanierlichen Verhaltens in die Wuthöhle, zumindest aber in die stille Ecke setzen müssen.

LeBron, James
© Getty

Warum? Weil er ungezogen war. Weil er das vierte Gebot ("Du sollst deine Eltern ehren") verletzt hat. Oder einfach: Weil er seine Mutter vor einem Millionen-TV-Publikum derart beleidigt hat, dass auch mehrere Tage danach in den USA ein pädagogisch-moralischer Diskurs über LeBrons Verfehlung geführt wird.

12. Mai, LeBrons Cavaliers gegen die Celtics, Spiel 4, vier Minuten vor der Halbzeit. James läuft einen Break, zieht zum Brett, wird aber kurz vor dem Korbleger von Bostons Paul Pierce im Wrestling-Stil unsanft in die ersten Zuschauerränge gezerrt.

LeBrons Mutter Gloria James, nur wenige Schritte entfernt sitzend, erhebt sich daraufhin, schreitet wütend in das Gemenge, um ihren Sohn in Schutz zu nehmen. James jedoch, offenbar in der Männlichkeit gekränkt, sieht seine keifende Mutter, löst sich geschwind aus der Balgerei - und schreit seine Mutter an (Hier das Video!). Die Worte, auch ohne Lippenleser-Ausbildung gut zu rekonstruieren: "Sit your Ass down!" 

Autsch, was für ein Bengel. Zwar entschuldigte sich James ("Ich habe mich im Ton vergriffen. Gott sei Dank war der Muttertag bereits einen Tag zuvor"), doch eines ist klar: James vs. James, Muttersöhnchen vs. Big Momma, LeBron vs. Gloria hat das Zeug zum echten Klassiker.

Aber: In das SPOX-Ranking der besten Playoff-Clashs im diesem Jahr hat es dann doch nicht ganz gereicht. Die Top fünf:

5. Gregg Popovich vs. Shaquille O'Neal
 
Shaq, Duncan, Hack

Freilich, Spurs-Coach Popovich ist einer der Größten, aber was er in der ersten Playoff-Runde gegen Phoenix abzog, war an uninspirierter Einfallslosigkeit kaum zu überbieten.

Frei jeder Fantasie verordnete er seinem Team die allseits bewährte "Hack-a-Shaq"-Strategie. Nicht jedoch wie sonst Usus nur in der Endphase, sondern immer und andauernd. O'Neal trottet gemächlich einem Tempo-Angriff seiner Suns hinterher: Er wurde gefoult. O'Neal steht meterweit vom eigentlichen Geschehen weg: Er wurde gefoult (Hier das Video!).

Schon klar, der Erfolg (Spurs mit 4-1 weiter, Shaq trifft nur 32 seiner 64 Freiwürfe) heiligt die Mittel. Aber heiligt der Erfolg auch gähnende Langeweile?

4. George Karl vs. Betreuerstab
 
George, Karl, Denver
Um sich offenbar in eine aggressive Grundstimmung zu bringen, lieferte sich Denvers Coach Karl vor Spiel 1 der ersten Playoff-Runde bei den Los Angeles Lakers in der Kabine mit vier Mitarbeitern eine Art Massenschubserei (Hier das Video!).

Was es genau war? Keine Ahnung, es sah zumindest aus wie eine sonderbare Kreuzung aus Sumoringen, Haka-Kriegstanz, Pogo und lautem  "Uuua, ooouch, aaahhhh"-Gekreische. Nur: Genutzt hat das Gegeneinanderrempeln nicht. Die Partie ging 114:128 verloren, die Serie mit 0-4.

3. LeBron James vs. DeShawn Stevenson
 
Stevenson, LeBron
 

Prequel I: Washingtons Stevenson bezeichnet LeBron als "überschätzt".
Prequel II: LeBrons Antwort: "Warum soll ich darauf kontern?Jay-Z hat es doch auch nicht nötig, etwas zu Soulja Boy zu sagen." Zum Verständnis: Jay-Z ist ein Rap-Superstar, Soulja Boy hingegen so etwas wie Vanilla Ice. Ein wenig anerkanntes One-Hit-Wonder.
Episode I: Der "überschätzte" James erzielt im Playoff-Auftaktspiel gegen Washington 32 Punkte.
Episode II: In Spiel 3 der Serie reißt Stevenson LeBrons Stirnband von dessen Kopf und kriegt eine 25.000-Dollar-Strafe.
Episode III: LeBron-Kumpel Jay-Z nimmt vor Spiel 4 eigens einen Diss-Song gegen Stevenson auf.
Episode IV: Cavs gewinnen Spiel 6. James: "Wir haben die Serie mit 4-2 für uns entschieden. Wen interessiert es noch, was so ein Stevenson vor sich her plappert?"  

2. Super Hugo vs. David Stern
 
Hornets, Hugo

Der Lieblingsstunt von Super Hugo, von Beruf Maskottchen der Hornets mit pyrotechnischen Vorlieben: 1. Sprung vom Trampolin, 2. Sprung durch einen Feuerring, 3. Dunk.

In einer Viertelpause in Spiel 1 gegen die Spurs lief auch alles glatt, nur eines nicht: Das Löschen des Feuerrings. 19 Minuten dauerte es, bis die Partie wieder angepfiffen werden konnte - was David Stern höchst erzürnte.

"Dieser Rauch, dieses Feuer. Es ist wirklich lächerlich", so der NBA-Chef. "Wir müssen anfangen zu überlegen, ob wir das alles brauchen..."

1. Anarchie in Cleveland
 
Washington, Cleveland
  

Heftige Nachwehen des Cavs-Wizards-Clashs. Washingtons Abneigung gegen LeBron bewusst, verteilte "Papa John's", eine der größten Pizza-Ketten des Landes, während der Serie an die Wizards-Fans T-Shirts mit dem Aufdruck "Cry Baby" (Heulsuse) und der "23", LeBrons Nummer.

Ob nun wegen schlechten Gewissens oder als PR-Gag, bot "Papa John's" daraufhin als Entschuldigung den Einwohnern Clevelands an, an einem Tag Pizzen für je nur 23 Cent zu verkaufen.

Folge: Mehrere hundert Meter lange Schlangen vor den Filialen (Hier das Video!), stundenlange Wartezeiten, die Polizei im Dauereinsatz, wegen Vordrängelns kam es zu unmanierlichen Handgreiflichkeiten.

Oha, was wohl die Super Nanny dazu gesagt hätte?

Haruka Gruber

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