Nowitzki kommt mit Verstauchungen davon

Glück im Unglück

Von Florian Regelmann
Montag, 24.03.2008 | 18:15 Uhr
Dirk Nowitzki
© Getty
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München - Es war ein Moment, eine winzige Sekunde und in der lautesten Arena der NBA hätte man eine Stecknadel fallen hören.

Dirk Nowitzki, seit Monaten in überragender Form, liegt am Boden, hält sich das linke Bein und klopft vor Schmerzen mit der Hand aufs Parkett. Das Horror-Szenario schlechthin.

Nowitzkis Verletzung bei SPOX.TV

Acht Minuten und 42 Sekunden waren im dritten Viertel gespielt, als der deutsche Superstar versucht, einen Korbleger von Ime Udoka zu blocken und dabei so unglücklich aufkommt, dass allein die Bilder schon sofort eine schlimme Verletzung vermuten lassen.

Untersuchungen bringen Entwarnung

Nowitzki kann sein linkes Bein überhaupt nicht belasten und muss von seinen Teamkollegen gestützt in die Kabine gebracht werden.

So viel schien festzustehen: Diesmal ist sein Sprunggelenk schlimmer in Mitleidenschaft gezogen als bei seinen schon häufig erlittenen Verstauchungen in den Jahren zuvor. Ob sogar das Knie auch noch etwas abbekommen hat? Es war nicht auszuschließen.

Doch dann lieferten die Ergebnisse der Röntgenuntersuchung eine erste Entwarnung: Gebrochen ist nichts. Nun stand noch die Kernspintomografie aus. Konnte es wirklich sein, dass sich Nowitzki nichts gerissen hat?

Kein Zeitplan für Nowitzkis Rückkehr 

Die Antwort heißt ja! Die Kernspintomografie am Montag ergab keine der befürchteten Bänderschäden am linken Knöchel und Knie des Deutschen, sondern nur Verstauchungen.

Allerdings gibt es noch keinen genauen Zeitplan für die Rückkehr von Nowitzki. Der 29-Jährige hat nach den Untersuchungen eine Schiene am linken Fuß, bnenötigt aber keine Krücken. Am Sonntag hatte Mavericks-Boss Mark Cuban aber mit zwei ausgestreckten Fingern in Richtung der Medien die erwartete Zwangspause auf zwei Wochen geschätzt.

"Ich habe keine Ahnung, wie lange es dauern wird, aber ich versuche, es positiv zu sehen. Es hätte viel schlimmer sein können. Es hätte meine Karriere beenden können. So ist es noch das bestmögliche Szenario. Ich habe richtig Glück gehabt", meinte Nowitzki am Montag.   

Bis zur Sekunde des Schreckens hatte es am Sonntag danach ausgesehen, als ob an diesem Tag alles gut werden sollte in Dallas.

Dallas schien auf der Siegerstraße

Zuerst machte Cuban sehr anschaulich klar, dass es keinen Streit mit Coach Avery Johnson gibt und dann schien Dallas im American Airlines Center gegen San Antonio auf einem guten Weg, nach sieben Niederlagen in Serie endlich einmal wieder gegen ein Top-Team zu gewinnen.

Mitte des dritten Viertels führten die Mavs mit 54:42. Doch dann übernahmen die Spurs mit einem 19:0-Lauf die Kontrolle über die Partie. Mitten in diesen Lauf kam die Verletzung von Nowitzki.

Die Mavs verloren ihren Franchise-Player, die Nerven (technische Fouls für Jerry Stackhouse und Johnson) und das Spiel. San Antonio gewann am Ende mit 88:81. Tim Duncan, in der ersten Hälfte noch mit unterirdischer Wurfquote (1/10), kam am Ende noch auf 19 Punkte und 13 Rebounds. Bester Werfer bei den Spurs war Manu Ginobili mit 26 Punkten.

Krach zwischen Cuban und Johnson

Die besten Schützen bei Dallas hießen Stackhouse (19 Punkte) und Terry (17 Punkte). Jason Kidd setzte an seinem 35. Geburtstag seine persönliche Niederlagen-Serie gegen die Spurs fort und beendete die Partie mit 7 Punkten, 7 Rebounds und 5 Assists.

Nowitzki hatte vor seinem Ausscheiden 11 Punkte, 7 Rebounds, 4 Assists und 3 Blocks auf dem Konto.

Für Dallas war es das Ende einer Woche, die nicht hätte schlechter verlaufen können. Nach der Niederlage der Mavs gegen die Lakers am vergangenen Dienstag soll es im Büro von Johnson zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen dem Mavs-Coach und Cuban gekommen sein.

Grund für Cubans Ausbruch soll sein Unverständnis über die seiner Meinung nach zu geringe Einsatzzeit von Forward Brandon Bass gewesen sein.

Die blaue Sonne

Die Heimpleite gegen die Boston Celtics verpasste Cuban, aber gegen die Spurs war er wieder in der Arena und erschien mit einem T-Shirt, auf dem zu lesen war: "Averys Team". Dazu in der Mitte ein Herz.

Auch Johnson machte klar, dass es keine Risse in der Beziehung gibt: "Wir haben ein super Verhältnis, aber manchmal gibt es eben Meinungsverschiedenheiten. Für mich ist die Sonne blau, für ihn gelb."

Ob blau oder gelb, am Ende wird nur eines in Dallas wieder für eine positive Stimmung sorgen: Ein gesunder Dirk Nowitzki.

Jetzt im SPOX eMagazine nachlesen: Der etwas andere Dirk Nowitzki

Playoffs in Gefahr

Denn ohne ihn werden es die Mavs nun schwer haben, überhaupt in die Playoffs zu kommen. "Hoffentlich wissen alle, dass die Saison nicht vorbei ist", blickte Johnson schon mal auf die nächsten Partien ohne Nowitzki voraus.

Vorbei ist die Saison sicher nicht, aber wie es ohne ihren MVP gehen soll, weiß wohl niemand in Dallas. Dementsprechend perplex von den ganzen Geschehnissen saß dann auch Cuban auch auf seinem Platz, als das Spiel sich quälend langsam der Schlusssirene entgegenschleppte.

Sein "Dirty" verletzt, alle seine Titel-Hoffnungen dahin?

Guard Jerry Stackhouse malt jedenfalls schon mal schwarz: "Jeder weiß, dass vieles, was wir tun, um Dirk herum aufgebaut ist. Wenn er ausfallen sollte, kann man nicht einfach so tun, als ob nichts passiert wäre, und mir nichts dir nichts etwas Neues aus dem Hut zaubern. Das ist uns früher auch nicht gelungen. Daher muss Dirk schnell wieder gesund werden."

Genauso im Schock wie die Spieler, Verantwortlichen und Fans in Dallas dürfte sich auch kurzzeitig Bundestrainer Dirk Bauermann befunden haben. Denn ohne Nowitzki hätte man die Olympia-Qualifikation für Peking vergessen können. Dieser Traum ist auf jeden Fall schon mal nicht geplatzt.

Bis zur Olympia-Qualifikation im Juli ist Nowitzki wieder fit..

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