Montag, 24.03.2008

Dallas ohne Nowitzki ohne Playoff-Chance?

Vorbereiten auf die Kapverden

München - Es gibt genau ein Datum, das Dirk Nowitzki im Kopf haben sollte: Den 15. Juli 2008. Denn da startet die Olympia-Qualifikation in Athen und die deutsche Nationalmannschaft trifft zum Auftakt auf die Kapverden.

NBA, Dirk Nowitzki
© Getty

Bundestrainer Dirk Bauermann rechnet fest mit der Teilnahme seines Superstars Dirk Nowitzki. "Ich bin optimistisch und habe überhaupt keine Befürchtungen, dass Dirk in Athen fehlen wird", sagte der 50-Jährige.

Sollte sich das Team von Bauermann dort für Peking qualifizieren, so würde sich einer von Nowitzkis zwei großen Träumen erfüllen: die Olympia-Teilnahme.

"Ich hatte Glück"

Seinen anderen Traum, der sich um das Erringen einer Championship mit den Dallas Mavericks dreht, muss der 29-Jährige erst einmal vergessen. Obwohl der Deutsche nach der Kernspintomografie am Montag erstmal Entwarnung geben konnte. 

Nowitzkis Verletzung bei SPOX.TV

"Ich hatte Glück. Es hätte durchaus schlimmer und das Ende der Saison bedeuten sein können oder sogar meiner Karriere", erklärte Nowitzk, der sich nicht die befürchteten großen Bänderschäden an Knöchel und Knie zugezogen hat, sondern nur mit Verstauchungen davon gekommen ist.

Jedoch dürfte bei genauerer Betrachtung die aktuelle Lage nur kurzzeitig für bessere Stimmung sorgen.

Sorge 1: Der unvorhersehbare Knöchel

Nowitzki gilt zwar als "schneller Heiler", aber diesmal ist die Verstauchung an einer schwierigeren Stelle des Knöchels. "Ich habe keine Ahnung, wie lange es dauern wird. Es tut weh, jetzt nur zuschauen zu müssen. Ich hoffe natürlich, dass ich bald zurück bin, aber genau kann es keiner sagen", so Nowitzki.

Er müsste nur einmal Terrell Owens fragen. Der Star-Receiver der Dallas Cowboys zog sich vergangene Saison die gleiche Knöchelverletzung zu und war nach drei Wochen in den Playoffs wieder auf dem Feld. Aber nur, weil es die Playoffs waren. Eishockey-Superstar Sidney Crosby fehlte den Pittsburgh Penguins über sechs Wochen. Danach kam er zurück, aktuell muss er erneut pausieren. Wenn die Playoffs aber beginnen würden, wäre er auf dem Eis.

Genau so wird es wohl auch bei Nowitzki sein. Der Beginn der Postseason ist noch fast vier Wochen weg. Bis dahin sollte der letztjährige NBA-MVP zumindest soweit sein, dass ihn niemand davon abhalten kann, zu spielen. Sollten die Mavs Gefahr laufen, die Playoffs zu verpassen, müsste Nowitzki seine Rückkehr eventuell ohnehin forcieren.

Sorge 2: Der schwierige Spielplan

Die Mavs liegen in der Western Conference zwar noch auf Rang sieben, aber nur ganz knapp vor den Golden State Warriors und auch Denver lauert gefährlich nahe. Die Nuggets würden im Moment als Neunter im unbegreiflich starken Westen in die Röhre gucken. Könnte es am Ende aber Dallas sein, das der "dumme Neunte" sein wird? Nach dem Ausfall von Nowitzki ist es sehr gut möglich, ja fast schon wahrscheinlich.

Selbst wenn er nur zwei Wochen verpassen sollte, könnte das dafür sorgen, dass die Mavs entscheidend an Boden verlieren. Am Dienstag geht es im Heimspiel gegen die Los Angeles Clippers. Das sollte auch mit Brandon Bass, Malik Allen, Devean George oder Ober-Bankdrücker Juwan Howard auf der Power-Forward-Position zu machen sein.

Doch danach wird es happig. Zuerst geht es nach Denver. Sollten die Nuggets gewinnen, wären sie noch näher an den Mavs dran und hätten zudem den wichtigen Tiebreaker für sich entschieden. Danach müssen die Mavericks auch in den nächsten fünf Spielen viermal auswärts antreten - darunter in Golden State, bei den Lakers und in Phoenix. Na herzlichen Glückwunsch! In Dallas tauchten am Montag bereits die ersten Fragen auf, ob es nach der Saison einen großen Umbruch gibt, falls die Playoffs verpasst werden.

"Wir werden sehen, ob wir es in die Playoffs schaffen. Es ist alles möglich. Josh (Howard) muss mehr punkten, wir brauchen mehr Offense von Jet (Jason Terry) und Jason (Kidd) muss jetzt mehr Schüsse nehmen", machte Nowitzki klar, worauf es ohne ihn ankommen wird.

Sorge 3: Die Nerven

Irgendwie passt das Drama um Nowitzki in die Saison. Es will einfach nichts so richtig flutschen. Zuletzt gab es Schlagzeilen, weil Mavericks-Boss Mark Cuban aus dem Nichts alle Blogger aus der Umkleidekabine verbannte. Er wolle keine Ungerechtigkeiten, es sei zu wenig Platz da, obwohl die Auswärtskabine im American Airlines Center kleiner ist und dort Blogger erlaubt sind. Die Begründungen waren nicht wirklich überzeugend. Ausgerechnet der Chef-Blogger sperrt die Blogger aus? Im Endeffekt ging es wohl um einen einzigen, nämlich den der "Dallas Morning News", der kritisch über Headcoach Avery Johnson geschrieben hatte und fortan Cuban ein Dorn im Auge war.

Sicher nur eine kleine Randgeschichte, aber es zeigt, dass die Nerven teilweise blank liegen. Nur so ist auch das heftige Wortgefecht zu erklären, dass Cuban und Johnson vergangene Woche nach der Pleite gegen die Lakers hatten.

Null Prozent Chance ohne Dirk 

Dabei hatten sich die Verantwortlichen das nach dem Kidd-Trade so schön vorgestellt. Gebracht hat er bislang nichts. Man hat seine Zukunft (Devin Harris, Draftpicks) geopfert und steht nun mit leeren Händen da. 9-8 lautet die Bilanz seit dem Wechsel, 0-8 gegen Teams mit einer positiven Bilanz. Ernüchternd und desillusionierend zugleich. Und das obwohl Nowitzki seit Januar wieder in absoluter MVP-Form gespielt hat.

Die Mavs-Spieler haben nach dem Nowitzki-Schock die richtigen Worte gefunden. Sie wollen die Herausforderung, eine Zeit lang ohne ihren großen Blonden spielen zu müssen, annehmen.

Natürlich werden sie nicht die weiße Flagge hissen, aber die bittere Wahrheit heißt wohl eher, dass die Chancen auf den Titel selbst mit Nowitzki minimal gewesen sind und aktuell auf genau - 0 - Prozent gesunken sind.

Die Zeit, die Saison abzuhaken, könnte nicht mehr fern sein. Abhaken und sich ein neues Ziel setzen: die Kapverden am 15. Juli.

Florian Regelmann

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