Mittwoch, 05.03.2008

Der Grund für die Mavs-Krise

Kermit, der Kontrollfreak

München - Wenigstens kann man ihm zu Gute halten, dass er es versucht hat. "Ich kann mich doch nicht immer um alles kümmern. Die Spielzüge ansagen oder die Mannschaft motivieren. Deswegen möchte ich mich etwas zurücknehmen, damit meine Spieler mehr Verantwortung übernehmen", sagte Avery Johnson vor geraumer Zeit.

Johnson, Dallas, Mavericks, Nowitzki
© Getty

Aber schon damals ahnte er wohl, dass es nicht lange gut gehen würde mit der Selbstverleugnung. "Meine Frau ruft mich nach jeder Partie an und bettelt darum, dass ich wieder der alte Avery bin, der an der Seitenlinie rumfuchtelt, weil sie mich sonst nicht erkennt. Ich bin eben jemand, der alles im Griff haben möchte."

Das Zitat stammt aus dem November vergangenen Jahres. Und um es vorweg zu nehmen: Mit der Selbstverleugnung ging  es in der Tat nicht lange gut. Der Coach der Dallas Mavericks kehrte zurück zu seinem autokratischen Stil - und verdammte sein Team damit zur Stagnation.

Mit der jüngsten Niederlage bei den Utah Jazz haben die Mavs alle vier Spitzenspiele seit dem Trade um Jason Kidd verloren. Die Bilanz von 39 Siegen und 22 Niederlagen ist mittelmäßig, für einen Mann mit solch hohen Ansprüchen wie Johnson indiskutabel.

Wer trägt die Schuld?

Selbst die Playoff-Qualifikation, vor der Saison noch als Selbstverständlichkeit abgetan, ist mittlerweile in Gefahr. Der Rückstand des Neunten Denver auf den Siebten Dallas beträgt lediglich drei Spiele.

Aber was genau machen die Mavs falsch? Die Malaise an Dirk Nowitzki und Kidd festzumachen, wäre das Naheliegende. Schließlich sind sie die Spieler, die die Franchise tragen sollen. Doch Nowitzki präsentiert sich bei all den Pleiten in starker Verfassung, Kidd wiederum fügte sich nahtlos in das Kollektiv ein und weiß ähnliche Statistiken aufzuweisen wie in New Jersey.

Die absolute Kontrolle 

Einen Erklärungsansatz liefert Devin Harris, der als abkömmlich gebrandmarkt für Kidd zu den Nets geschickt wurde. Moderat, aber doch bestimmt spricht er davon, dass er keine Probleme mit Coach Johnson gehabt habe, es aber als Point Guard schwer gewesen sei, unter ihm zu spielen.

"Johnson hat gerne die absolute Kontrolle. Er will, dass alle nach seiner Pfeife tanzen. Wenn es geht, hat er jedes Play von uns angesagt. Wahrscheinlich, weil er früher selbst ein Spielmacher war", so Harris.

Und mit der gleichen Problematik hat offenbar auch Kidd zu kämpfen. In San Antonio wurde er in der spannenden Schlussphase von Johnson erst gar nicht aufgeboten, weil der Coach seinem neuen Spielmacher offenbar nicht zugetraut hat, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Bei den Lakers wiederum stand Kidd am Ende zwar auf dem Parkett, in dieser Phase wirkte er jedoch seltsam ferngesteuert. Als ob er Angst gehabt hätte, die Initiative zu übernehmen.

Selbst Kidd ist eingeschüchtert

"Wir schaffen es derzeit nicht, knappe Spiele für uns zu entscheiden, obwohl uns das früher gelungen ist", sagt Johnson. Der Grund dafür liegt hauptsächlich bei ihm selbst.

Bereits vor der Saison hatte er angekündigt, sich mehr zurückzunehmen und der Improvisationsgabe seiner Spieler zu vertrauen, um für mehr Überraschungsmomente zu sorgen. Eigens dafür wurde mit Paul Westphal ein neuer Assistenzcoach verpflichtet, der den Ideenfluss des Teams nur in die richtigen Bahnen lenken sollte.

Mittlerweile ist vom relaxten Mr. Johnson aber nicht mehr viel übrig. General Johnson hat wieder das Kommando übernommen und feixt, schreit und zetert, was seine Kermit-Stimme hergibt. Derart lautstark, dass selbst ein 34-jähriger Veteran wie Kidd eingeschüchtert wirkt.

Erstmals im Zentrum der Zweifel

Bis heute stand Johnson nur selten im Fokus der Kritik. Seine hervorragende Sieg-Niederlage-Statistik ist der eine Grund, dubiose Schiedsrichter-Entscheidungen zu Ungunsten der Mavs während der Final-Niederlage 2006 und Nervenbündel Nowitzki, der das Team 2007 im Alleingang in den Untergang gerissen hätte, die anderen.

Verschwörungstheorien über korrupte Schiris sind jedoch von gestern, und Nowitzki hat seine Nerven bislang gut im Griff. Konsequenterweise wird nun Johnsons Schaffen beäugt.

Seine langweilig-langsame Isolation-Set-Play-Offense, die sich die letzten Jahre kaum weiterentwickelt hat. Seine launische Art den Medien gegenüber, die schon mal ins Beleidigende abrutschen kann (Video: Johnson demütigt Journalisten).

Die Frage nach dem Sinn

Und natürlich der Kidd-Trade, der die Frage aufwirft: Warum hat Dallas einen der besten Spielmacher der NBA-Geschichte verpflichtet, wenn ihn Johnson wie einen Grünschnabel behandelt?

"Wenn das mit Kidd schief geht, werden sie ganz schnell Feuer unter unserm Hintern machen", weiß Johnson. "Und vermutlich wird es bei mir am heißesten sein."

Haruka Gruber

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