NFL

New York entzaubert die Patriots

Von Florian Regelmann
Montag, 04.02.2008 | 04:07 Uhr
Die Freude muss raus! Eli is on fire!
© Getty
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München - 18-0 Saisonsiege bis zum Finale und dann doch die Verlierer: Die New England Patriots sind doch nicht perfekt. Tom Brady und Co. verloren einen unglaublichen Super Bowl XLII in Glendale/Arizona gegen die New York Giants mit 14:17.

Die Patriots haben damit ihre bis dahin perfekte Saison nicht vollenden können. Keine 19-0-Bilanz, stattdessen 18-1 und kein Super-Bowl-Ring. So werden sie nun doch nicht als die beste Mannschaft aller Zeiten in die Geschichte eingehen. 

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Gegen die Giants ging es schon gar nicht gut los. Der Münzwurf ging verloren und Quarterback Brady musste zehn Minuten an der Seitenlinie verfolgen, wie sein Gegenüber Eli Manning New York beeindruckend souverän immer näher an die Endzone der Patriots führte.

Aber als es für die Giants am Ende doch nur für drei Punkte durch ein 32-Yard-Field-Goal von Lawrence Tynes reichte, war es eigentlich schon wieder klar, wer der Sieger sein würde.

Patriots lange in Führung 

Wenn man New England besiegen und die Welt schocken will, dann reichen keine Field Goals, man braucht Touchdowns. Dachte man. Man dachte falsch. Denn New York hatte an diesem Abend die Magie. Nicht New England. 

Zunächst mussten die Giants aber mitansehen, wie die Patriots das taten, was sie immer tun, wenn sie zum ersten Mal den Ball bekommen: punkten. Und danach stand keine Drei, sondern eine große Sieben auf dem Scoreboard.

New England ging mit dem ersten Spielzug des zweiten Viertels durch einen 1-Yard-Touchdown-Lauf von Running Back Laurence Maroney mit 7:3 in Führung.

Die Giants-Verteidigung hatte sich zuvor eine kostspielige Strafe eingehandelt und so die Patriots zum Touchdown eingeladen.

Danach waren die Giants drauf und dran zu antworten, aber in der Hälfte von New England gab es diesmal nicht mal drei Punkte, sondern die erste Interception der Playoffs für Manning. Den Quarterback traf keine Schuld, da Receiver Steve Smith den Ball hätte fangen müssen, aber Ballverlust ist Ballverlust.

Defensivreihen dominieren 

In der Folge bestimmten die Giants statistisch gesehen die ersten 30 Minuten (20 Minuten Ballbesitz und 139-81 Yards). Es gelang ihnen, Brady enorm unter Druck zu setzen (drei Sacks), aber zur Halbzeit stand es immer noch 7:3 für New England.

Zum Anfang der zweiten Hälfte bekamen die Pats den Ball. Die Giants-Defense stoppte die Angriffsmaschinerie New Englands erneut.

Aber sie hatten die Rechnung ohne New Englands Coach Bill Belichick gemacht. Dieser wollte zwölf Giants auf dem Feld gesehen haben, einen mehr als erlaubt, und bekam von den Schiedsrichtern Recht.

Ganz ärgerlich für New York. Die Patriots behielten den Ball, wurden aber wieder von der überragenden New Yorker Verteidigung aufgehalten. Ständig hatte Brady  einen mindestens einen Giants-Verteidiger an seinem Körper kleben. 

Die Defense von New England spielte im Gegenzug ebenfalls weiter stark. Nach drei Vierteln blickten alle verwundert auf die Anzeigentafel: Fast alle Experten hatten ein Spiel mit vielen Punkten erwartet, aber nein, New England lag weiter nur mit 7:3 vorn.

Was ist hier denn los? Besonders unverständlich: die für ewig diskutiert werdende Entscheidung von Belichick im dritten Viertel, einen vierten Versuch auszuspielen, obwohl man 13 Yards zu überbrücken hatte und ein 49-Yard-Field-Goal für Kicker Stephen Gostkowski absolut machbar gewesen wäre.

Erst kommt Moss...

Die Frage, was hier denn los sei, stellte man sich umso mehr, als die Giants nach vier Minuten im Schlussviertel durch einen 5-Yard-Pass von Manning auf David Tyree auf 10:7 stellten. Unfassbar.

Aber dennoch wurde man nicht wirklich unruhig. Man weiß schließlich, wie es läuft: Kommt die entscheidende Phase, kommt Brady.

Zusammen mit Wes Welker, der mit elf gefangenen Pässen den Super-Bowl-Rekord einstellte, führte er die Pats übers Feld. Beim dritten Versuch von der 6-Yard-Linie fand Brady 2:42 Minuten vor Ende Randy Moss in der Endzone und die Patriots waren wieder vorne: 14:10.

Die ganzen Playoffs über war von Star-Receiver Moss nichts zu sehen, jetzt war er da. Die Giants würden nun sicher gestoppt werden und es würde der große Jubel der Patriots beginnen.

...und dann Burress 

Aber es folgte eine Szene, die in die Geschichtsbücher eingehen wird. Manning war beinahe schon am Boden, konnte sich aber irgendwie doch noch befreien. Wie, weiß niemand. Auf jeden Fall fand er mit einem langen Verzweiflungspass wieder Tyree, der - es müssen übermenschliche Kräfte gewesen sein - in die Luft stieg und sich den Ball zirkusreif schnappte und festhielt.

"Unglaublich. Am Feitag hat er im Training noch alles fallen gelassen", so Receiver-Kollege Amani Toomer über Tyree. 

35 Sekunden vor Schluss krönte Manning seine Leistung mit einem 13-Yard-Touchdown-Pass auf Plaxico Burress. 17:14 Giants. Um 4.05 Uhr deutscher Zeit war der Schocker perfekt: Der Super-Bowl-Champion heißt New York Giants!

MVP: Eli Manning 

"Das wird schwer zu verdauen sein in den nächsten Monaten", meinte ein geknickter Brady. Während der 30-Jährige (29/48 für 266 Yards) nicht seinen vierten Super-Bowl-Sieg in sieben Jahren feiern konnte, durfte Eli Manning (19/34 für 255 Yards, 2 Touchdowns, 1 Interception) ein Jahr nach dem Erfolg seines großen Bruders Peyton mit den Indianapolis Colts nun selbst die Vince-Lombardi-Trophy in die Höhe stemmen.

Zudem wurde er als wertvollster Spieler ausgezeichnet. Eli Manning wird Super-Bowl-MVP. Noch vor einem Monat hätte niemand diesen Satz aussprechen können, ohne großes Gelächter zu ernten.

"Dieses Team ist etwas ganz besonderes. Wir haben immer an uns geglaubt", sagte Manning. 

Der kleine Eli, der Jahre lang von den New Yorker Medien nur auf die Mütze bekommen hatte, hat es allen gezeigt, Tony Romo, Brett Favre und Brady übertrumpft und seinen großen Tag erlebt. Irgendwie die schönere Geschichte als die Perfektion des Golden Boys.

Brady hatte die Sieg-Prognose von Burress in der Woche vor dem Super Bowl noch ganz leicht abgetan. 17 Punkte hatte dieser den Patriots zugetraut. Das war falsch. So viel haben sie gar nicht geschafft.

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