Montag, 04.02.2008

"Verrückt, wahnsinnig"

Ein Spielzug für die Ewigkeit

München - Die Amerikaner sind mit Superlativen schnell bei der Hand, vor allem, wenn es um ihren heiligen Gral geht, den Super Bowl. Nicht immer sind sie berechtigt, manchmal sogar für den doch eher nüchternen Mitteleuropäer völlig überzogen.

tyree, giants
© Getty

Doch jeder, der den entscheidenden Spielzug der New York Giants beim 17:14-Sensationssieg gegen die New England Patriots gesehen hat, wird gegen die Bezeichnung "Spielzug für die Ewigkeit" wenig einzuwenden haben.

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59 Sekunden vor Schluss, 14:10 für die Patriots, dritter Versuch und 5 an der 44-Yard-Linie der Giants. Quarterback Eli Manning muss einen neuen ersten Versuch schaffen, sonst ist der Super Bowl verloren.

Snap, die Defense bricht durch, Manning ist unter Druck. Dem ersten Tackle weicht er aus, vom zweiten Verteidiger, der sein Trikot schon fest im Griff hat, reißt er sich los, einen dritten, der ihn sacken will, schüttelt er auch noch ab.

"Der Spielzug heißt Phantom"

Dann ein weiter Pass, ein Verzweiflungspass. Doch 32 Yards weiter vorne steigt Wide Receiver David Tyree hoch, fischt den Pass von Manning aus dem Himmel, presst ihn sich mit einer Hand auf den Helm und bekommt ihn im Fallen trotz immensen Drucks von Verteidiger Rodney Harrison im letzten Moment zu fassen. First Down!

Wenig später wirft Manning den Sieg-Touchdown auf Plaxico Burress und macht damit nicht nur sich, sondern auch den Pass auf Tyree inklusive dessen Catchs unsterblich.

"Der Spielzug heißt Phantom", erklärte Offensive-Coordinator Kevin Gilbride. Für Harrison, den Verteidiger, der am Ende der Dumme war, war es angesichts aller Begleitumstände einfach nur ein "verrückter, wahnsinniger Spielzug".

Strahan hat Lebensjahre verloren

Manning (l.) reißt sich von der Defense los
Manning (l.) reißt sich von der Defense los
© Getty

Nur um einmal die Wellen zu beschreiben, die dieser Pass von Manning in den USA geschlagen hat: Der Sportsender "ESPN" hat auf seiner Internetseite einen ganzen Artikel nur diesem einen Big Play gewidmet.

Darin steht von Manning zu lesen: "Ich habe einfach nur versucht, den Sack zu vermeiden. Ich habe gefühlt, wie die Jungs mich gepackt haben. Da will man sich nur so klein wie möglich machen und den Spielzug irgendwie am Leben erhalten."

Aus der Sicht der Verteidigung sah das so aus: "Ich dachte, der Pass wäre unvollständig, wir hätten Manning gesackt und er würde einen Hail-Mary-Verzweiflungspass werfen", beschrieb Harrison seine Gefühlslage.

Mannings Teamkollege und Star-Verteidiger Michael Strahan brachte es auf den Punkt: "Dieser Spielzug hat mich einige Jahre meines Lebens gekostet."

Auswärtsserie gekrönt

Strahan wäre übrigens ein würdiger MVP des Super Bowls gewesen, schließlich war die bärenstarke Giants-Defense, die gegen die Offensiv-Monster der Patriots (im Saisonschnitt mehr als 36 Punkte pro Spiel) unter seiner Führung nur 14 Punkte zuließ, Garant für den Triumph. Aber der Geniestreich kurz vor Schluss brachte Manning die Ehre des wertvollsten Spielers ein.

Sehr zur Freude seines Bruders Peyton, dem dieselbe Ehre vor genau einem Jahr zuteil wurde, als er seine Indianapolis Colts zum Titel führte. Somit bleibt die Auszeichnung in der Familie.

"Die Serie, die wir hingelegt haben, ist schwer zu begreifen", sagte Manning. "Das war ein unglaubliches Spiel und es ist ein unglaubliches Gefühl." Die Giants waren erst das fünfte Team in der NFL-Geschichte, das als Wild-Card-Team den Super Bowl gewann. Das bedeutet, die New Yorker hatten in den Playoffs ausschließlich Auswärtsspiele.

"Niemand hat einen Penny auf uns gesetzt", sagte Wide Receiver Plaxico Burress. "Heute den Titel gewonnen zu haben, ist das großartigste Gefühl, das man im Profisport haben kann."

Patriots verpassen Perfect Season

Das genaue Gegenteil erlebten die hoch favorisierten New England Patriots. Die Dominatoren der Saison hatten die einmalige Chance, sich ihrerseits unsterblich zu machen. Mit 18 Siegen und keiner Niederlage gingen sie in den Super Bowl, alle redeten nur von der Perfect Season - 19 Spiele, 19 Siege. Den aktuellen Rekord halten die Miami Dolphins von 1972 mit 17 Siegen in 17 Spielen.

Die Pats waren dran, aber sie haben im entscheidenden Moment versagt. "Wir haben die Regular Season beherrscht, wir haben die Playoffs beherrscht. Aber was ist das alles wert, wenn man den Super Bowl nicht gewinnt? Gar nichts", stellte Cornerback Asante Samuel ernüchtert fest.

Defensive End Richard Seymour bilanzierte: "Wir hatten eine Chance und haben sie aus den Fingern gleiten lassen. Wir hatten eine Chance, etwas Besonderes zu sein."

Alexander Mey

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