Ranking: Die Trade-Gewinner

Mut-Anfälle und ein Diebstahl

Von Florian Regelmann
Sonntag, 24.02.2008 | 13:24 Uhr
Gasol, O'Neal, NBA
© Getty
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München - Aufstehen zum Applaus: Der Orden für die mutigsten Männer der Welt geht an die General Manager der NBA.

Nach einer extrem ereignislosen Trade-Saison im vergangenen Jahr haben sich die Klubs dieses Mal geradezu überboten in Sachen gewagte Moves.

Die Los Angeles Lakers machten mit dem Pau-Gasol-Diebstahl aus Memphis den Anfang. Die Konkurrenz war gezwungen zu reagieren.

Seit Saisonbeginn gab es 14 Trades. Keine der Sorte "Bankdrücker für 2015-Draft-Pick", sondern eine Menge der Kategorie "Mega".

Wer sich am besten verstärkt hat, werden letztendlich die Playoffs zeigen. Oder ist es jetzt schon klar? SPOX.com hat die Trades bewertet.

 5 

Phoenix Suns (Shaquille O'Neal aus Miami für Shawn Marion und Marcus Banks)

Steve Kerr ist in seinem ersten Jahr als General Manager. Normalerweise sollte man meinen, dass man es als Novize erstmal ruhig angeht. Und nicht gleich einen Trade macht, bei dem sich viele Experten an den Kopf fassen und bei dem man bei Nichterfolg sofort seinen Job wieder los ist.

Aber Kerr war mutig und ist der Überzeugung, dass das Wagnis mit O'Neal belohnt werden wird. Sollte dieser wirklich nochmal richtig fit werden, könnte der Gamble aufgehen. Wenn nicht, steht es schlecht mit den Titelchancen der Suns. Eventuell auf Jahre, denn man hat mit Marion eine Menge abgegeben.

Lakers-Headcoach Phil Jackson meinte zu O'Neals Aufgabe bei den Suns scherzhaft: "Er wirft den Ball ein und wartet dann, bis alle wieder zurückkommen." Es bleibt die große Frage: Wie wird Shaq in die super-schnelle Suns-Offense reinpassen? Kann er die Defense wirklich verbessern?    

 4 

Dallas Mavericks (Jason Kidd, Malik Allen und Antoine Wright aus New Jersey für Devin Harris, DeSagana Diop, Keith van Horn, Maurice Ager, Trenton Hassell, Erstrunden-Picks 2008 und 2010 sowie Cash)

J-Kidd bringt den Mavs Toughness und Führungsqualitäten. Zum ersten Mal seit Steve Nash hat Dirk Nowitzki einen Point Guard, der ihm Würfe kreieren kann. Nowitzki kann sich auf das konzentrieren, was er am besten kann: Würfe nehmen und treffen.

Keine Assist-Verantwortung, keine Reden in der Kabine, das übernimmt alles Kidd. Dieser ist heiß auf den Titel und hat neue Energie nach Dallas gebracht. Dringend benötigte Energie, denn nach den Playoff-Enttäuschungen der letzten Jahre plätscherte die Saison in Dallas so dahin.

Auf der anderen Seite verlieren die Mavs Harris, einen zehn Jahre jüngeren Spielmacher, und einen der besten Verteidiger der Liga. Spurs-Star Tony Parker hat sich schon sehr erfreut gezeigt, dass Dallas Harris abgegeben hat. Die Mavs sehen das naturgemäß anders. Sie sehen einen Deal für die Gegenwart. Für den Angriff auf den Titel. Jetzt.

 3 

Cleveland Cavaliers (Ben Wallace und Joe Smith aus Chicago für Drew Gooden, Larry Hughes, Cedric Simmons und Shannon Brown; Wally Szczerbiak und Delonte West aus Seattle für Ira Newble und Donyell Marshall)

Seit Jahren fordert LeBron James Verstärkung in Cleveland. Einen Point Guard wollte er. Er hat gebettelt. Er bekam nichts. Nun hat Cavs-GM Danny Ferry einen Mut-Anfall bekommen und versucht seinen King zu befriedigen.

Nicht mit einem Spielmacher, sondern mit dem enttäuschendsten Spieler der NBA: Ben Wallace. Dieser war in Chicago nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Cavs hoffen, dass in Cleveland der alte Big Ben wieder auftaucht. Wenn nicht, haben sie ein großes Problem. Aber wenn es klappt, steht Cleveland hervorragend da.

Endlich hat James, außer Daniel Gibson, Mitspieler, die schießen können. Szczerbiak ist besser als Hughes, Smith besser als Gooden. Cleveland hat sich auf jeden Fall näher an Boston und Detroit herangebracht.

 2 

Utah Jazz (Kyle Korver aus Philadelphia für Gordan Giricek und einen Erstrunden-Pick)

Ein Trade, der auf den ersten Blick nicht "mega" wirkt. Ein Blick auf die Statistik sollte genügen, um dies zu ändern. Seit dem Korver-Deal lautet die Bilanz der Jazz: 20-4.

Deron Williams und Carlos Boozer sind die neuen John Stockton und Karl Malone. Andrei Kirilenko füllt die Boxscores, die Bank war mit Matt Harpring oder Paul Millsap schon stark.

Einzig ein echter Scharfschütze hat gefehlt. Mit Korver haben sie diesen nun gefunden. Es zahlt sich aus. Charles Barkley ist kürzlich schon soweit gegangen, auf Utah als Western-Conference-Champion zu setzen. Es hat keiner gelacht.

In die Kategorie des Utah-Deals gehört auch der völlig unflashy, aber geniale Move der San Antonio Spurs, Kurt Thomas aus Seattle geholt zu haben.

Thomas ist tough und ein guter Verteidiger. Man kann es vor seinen Augen schon sehen, wie Thomas seine Jumper rund um die Freiwurflinie herum sicher verwandelt und Tim Duncan noch mehr Platz verschafft. 

 1 

Los Angeles Lakers (Pau Gasol und ein Zweitrunden-Pick 2010 aus Memphis für Kwame Brown, Javaris Crittenton, Aaron McKie, die Rechte an Marc Gasol und Erstrunden-Picks 2008 und 2010)

Ginge es nach Gregg Popovich, hätte es diesen Trade nie gegeben. Der Headcoach der San Antonio Spurs war äußert erzürnt über Memphis-General-Manager Chris Wallace. Schenkt der einfach Gasol her! Zu einem unserer größten Konkurrenten! Der spinnt wohl! So in etwa der Gedankendang bei Popovich.

"Dieser Trade ist außerhalb jedes Verstands. Es sollte einen Trade-Ausschuss geben, der alle Deals verhindern kann, die keinen Sinn machen. Ich wähle mich hiermit in dieses Komitee", so Popovich.

Fakt ist: Der Deal ist nicht mehr rückgängig zu machen und die Lakers haben den größten Coup aller Teams gelandet. L.A. musste nichts abgeben, sie wurden ihren Buh-Mann Brown los und bekamen Gasol. So lange man auch sucht, man findet keinen negativen Aspekt des Trades.

Wenn Center Andrew Bynum zurückkommt und Kobe Bryants Fingerverletzung kein Problem wird, sind die Lakers der große Gewinner der Trade-Periode und Titelkandidat Nummer eins.

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