Mittwoch, 02.01.2008

Christoph Schubert exklusiv

"Jammernde Fußballer sind peinlich"

München - "Pass auf deinen Blutdruck auf, Bryan. Nicht so aufregen, Bryan", schallt es einem älteren Herrn, der in der Press-Box sitzt, entgegen. Dieser heißt Bryan Murray, seines Zeichens General Manager der Ottawa Senators.

NHL, Christoph Schubert, Ottawa Senators
© Getty

Murray muss sich so einiges anhören bei Auswärtsspielen der Sens. Murray ist zwar diese Saison nicht mehr Headcoach, aber von der Tribüne aus fiebert der 65-Jährige so mit, als ob es schon jetzt um den Stanley Cup gehen würde.

Entspannt zurücklehnen kann sich Murray aber, wenn Christoph Schubert auf dem Eis steht. Der Deutsche hat sich bei den Senators absolut etabliert und wurde dafür vor der Saison mit einem Drei-Jahres-Vertrag belohnt. Alles redet von der Top-Reihe der NHL um Dany Heatley, Daniel Alfredsson und Jason Spezza. Aber auch Schubert (4 Tore, 11 Assists) hat seinen Anteil daran, dass Ottawa in der Eastern Conference das Maß aller Dinge ist.

Als die Sens vergangene Saison im Stanley-Cup-Finale standen, war Schubert über das mangelnde Medien-Interesse aus Deutschland enttäuscht. Grund genug für SPOX.com, einmal über den Teich zu fliegen und den gebürtigen Münchner zu treffen. Im Interview spricht Schubert über den Stanley Cup, Spielpläne und seinen lustigsten Mitspieler.

SPOX: Herr Schubert, es läuft wieder richtig gut für Ottawa und für Sie persönlich. Es gibt keinen Grund zu klagen, oder?

Christoph Schubert: Wir können mit dem Verlauf der Saison bis jetzt absolut zufrieden sein. Normalerweise haben die Mannschaften, die im Jahr zuvor im Finale standen, immer einen schwierigen Start, aber bei uns läuft es ganz gut.

SPOX: Was macht Ihr Team so stark?

Schubert: Der Zusammenhalt der Mannschaft ist ein großer Faktor. Wir wissen, dass wir gut Eishockey spielen können, dass wir eines der besseren Teams sind. Das hat man schon im Trainingslager gemerkt. Wir hatten wenige Veränderungen im Kader und sind wieder mit der gleichen Einstellung in die Saison gegangen, mit der wie letztes Jahr aufgehört hatten.

SPOX: Das Ziel kann nur der Stanley Cup sein.

Schubert: Auf jeden Fall, das ist in Ottawa jedes Jahr das Ziel.

SPOX: Bringen Sie ihn dann nach München?

Schubert (lacht): Na logisch.

SPOX: Nachdem Sie zu Beginn der Saison als Stürmer eingesetzt wurden, spielen Sie im Moment wieder Verteidiger. Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Schubert: Ich versuche jedes Mal, wenn ich als Verteidiger auflaufe, gut zu spielen, um Ottawa zu zeigen, dass hinten meine Zukunft liegt. Im Moment muss ich eben mit der Situation und mit dem Wechseln zwischen Verteidigung und Angriff leben, aber nach der Saison werden wir uns nochmal zusammensetzen.

SPOX: Ottawa ist eine Eishockey verrückte Stadt. Wie kann man sich das vorstellen?

Schubert: Das ist so ähnlich wie in der Bundesliga. Wenn wir ein Heimspiel haben, sitzt jeder vor dem Fernseher, die Sportbars sind voll. Die Spiele sind alle ausverkauft. Es macht wirklich Spaß, in Ottawa zu spielen. Darauf können einige wirklich neidisch sein. Auf der Straße wird man auch erkannt, aber nicht so, dass es nervig ist.

SPOX: Der Spielplan in der  NHL ist hart. Lange Auswärtsreisen, viele Spiele. Was sagen Sie, wenn Sie das Jammern der Fußballer hören?

Schubert: Es ist peinlich, was die Fußballer ab und zu von sich geben. Ich habe selber 16 Jahre Fußball gespielt und weiß, was Sache ist. Da haben sie ein Spiel am Wochenende und dann brauchen sie schon wieder vier Tage Pause, das ist schon ein bisschen übertrieben. Wir sind alle Athleten und sollten austrainiert sein. Wir haben vier Spiele in der Woche und keiner beschwert sich. Und dann kommen ja noch die Reisestrapazen hinzu.

SPOX: Wie groß ist die Chance, dass Ottawa in diesem Jahr den Stanley Cup gewinnt und Deutschland Fußball-Europameister wird?

Schubert: Da würde ich mal sagen...80 Prozent!

SPOX: Die größere Rivalität: Mit den Buffalo Sabres oder den Toronto Maple Leafs?

Schubert: Gegen Toronto ist es lustig... gegen Buffalo macht es auch Spaß... schwierig zu sagen.

SPOX: Welcher der drei großen Sens-Stars Heatley, Alfredsson und Spezza ist der lustigste?

Schubert: Ganz klar Heatley.

SPOX: Bessere Freizeitbeschäftigung: Playstation oder Golfen?

Schubert: Jetzt werde ich schon bald ein Golfer, also in dem Fall mehr Golfen.

SPOX: Die größeren Karriere-Chancen nach der NHL: bei "American Idol" oder "Dancing with the Stars"?

Schubert: Dann doch eher "Dancing with the Stars".

Interview: Florian Regelmann

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