In Boston ist der Erfolg zu Hause

Eine Stadt voller Superhelden

Von Florian Regelmann
Donnerstag, 31.01.2008 | 15:43 Uhr
New England, Boston
© Getty
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Marlins @ Nationals
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Indians @ Yankees
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Marlins @ Nationals

München - Das Beben, das Sie neulich gehört haben, war eine seismische Verschiebung der Sport-Welt. Auf der Richterskala soll die Stärke 8 erreicht worden sein.

Das ist ungefähr so, als wenn John Daly einen Golfball schlägt oder auf eine Schlange am Buffet knallt. Gewaltig also.

Es ist nicht genau geklärt, wann es passiert ist, aber es war wohl irgendwann so zwischen der Perfect Season der Patriots und dem 33. Saisonsieg (in 39 Spielen) der Celtics.

Da wurden die Sport-Fans in Boston großspurig. Sie fühlen sich unverwundbar. Aber wer will ihnen einen Vorwurf machen?

Eine Party ohne Tee

Jahrzehnte lang waren die Fans in Boston gezwungen, vor dem Schaufenster zu stehen, die Nase ganz dicht an die Scheibe gedrückt, und auf den Erfolg in anderen Städten zu starren.

Boston ist außerdem bekannt dafür, gerne auf Untergangsstimmung zu machen. Selbst in guten Zeiten waren viele nicht zufrieden.

Es gab sicher Gefangene aus dem Todestrakt, die mehr Optimismus versprühten als manches Mal der wütend bei Talk-Shows anrufende Sportverrückte in Boston.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Der Zynismus, der einst Bostons Sport-Szene überflutete, wurde in den Hafen geworfen. Der Schwermut wurde ersetzt durch eine Aufgeregtheit und grenzenlosen Enthusiasmus. Dinge, die vorher zu Boston gehörten wie eine Palme.

So ist es eben, wenn man plötzlich zur Sporthauptstadt der USA wird. Es ist mittlerweile offiziell: Sie machen Party in Boston und niemand trinkt Tee dabei...Zum ersten Mal in der Geschichte sind die (All-)Stars in Beantown zu Hause.

Red Sox und Celtics 

Da wären zum einen die Red Sox, die vergangene Saison zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren (zum zweiten Mal per Sweep) die World Series im Baseball gewannen. Technisch gesehen zum zweiten Mal innerhalb von 89 Jahren, aber wer zählt schon mit?

Weitere Championships sollten folgen. Die Red Sox haben den besten Pitching-Staff der Liga.

Dann gibt es die Celtics, die nach 43 Saisonspielen nur acht Niederlagen auf dem Konto haben. Es sollte keine Frage mehr sein, wer der Spieler der kürzeren Vergangenheit ist, dem in der NBA eine viel größere Wertschätzung entgegen gebracht werden müsste: Kevin Garnett.

Garnett kam in der Offseason aus Minnesota nach Boston. Die Timberwolves sind ohne ihn in alle 10.000 Seen des Staates Minnesota gefallen. K.G. könnte mit den Celtics diese Saison seinen ersten Titel holen. Beim Spiel gegen Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks in der Nacht zum Freitag war Garnett wegen einer Bauchmuskelzerrung zwar nicht am Start, die Celtics gewannen dennoch mit 96:90.

Belichicks Hoodie

Früher war das Anzünden einer Zigarre von Trainer-Legende Red Auerbach in den Schlusssekunden eines Celtics-Sieges das Symbol für Erfolg in Boston.

Im 21. Jahrhundert wurde dies nun durch den Hoodie von Patriots-Coach Bill Belichick ersetzt.

Im Gegensatz zu ihren Basketball-Kollegen, die pro Monat ab und zu dann doch ein Spiel abgeben, weigern sich die Patriots komplett zu verlieren.

Nach der Perfect Season marschieren die Pats auch durch die Playoffs. Ein Super-Bowl-Triumph gegen die New York Giants - gegen New York, irgendwie passend - wäre der vierte Titel in sieben Jahren. Das nennt man dann wohl Dynastie.

Die Patriots haben den besten Coach, mit Randy Moss den besten Wide Receiver und mit Tom Brady den besten Quarterback. Einen, der als Superheld verehrt wird (im Bild). Für einige mag das alles angesichts der Spionageaffäre nichts zählen oder zumindest den Erfolg schmälern. Aber das nennt man dann wohl Neid.

Selbst im Fußball läuft es 

Bostons Erfolgsmaschinerie wird durch die Bruins vervollständigt, die auch dank eines starken Marco Sturm auf Playoff-Kurs liegen. Vergangene Saison waren die Bruins noch auf dem letzten Rang in der Northeast Division gelandet.

Außerdem gehörte selbst die Uni-Football-Mannschaft 2007 zu den besten des Landes. Gab es in dieser Form auch noch nicht. Und es hört nicht auf: Die Revolution stand in der Major League Soccer zum dritten Mal in Folge im Finale.

Aber Vorsicht: Zum dritten Mal in Folge gewannen die Revs nicht den Titel. Wie lang wird der Siegeszug durch Boston anhalten?

Die Giants könnten die Patriots im Super Bowl besiegen und für den Schocker des Jahres sorgen. Die Celtics könnten in den Playoffs gegen die Pistons eingehen. Und Yankees-Star Alex Rodriguez könnte sich doch mal entscheiden, in den Playoffs aufzutauchen und die Herrschaft der Red Sox beenden.

Aber so wollte man in Boston ja nicht mehr denken. 

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