Bulls feuern Coach Skiles

Hilflos, herzlos, trainerlos

Von Haruka Gruber
Dienstag, 25.12.2007 | 13:28 Uhr
Skiles, Chicago, Bulls
© Getty
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München - Luol Deng hatte es seit Wochen geahnt. Ihm war nur nicht klar gewesen, wem die Verantwortung  zugeschoben wird.

"Bei uns hat es gebrodelt. In der Chefetage wurden einige Entscheidungen getroffen, das war ganz klar. Ich wusste nur nicht, ob es uns Spieler oder den Trainer trifft."

Deng und seine 14 Teamkollegen können - zumindest vorläufig - durchatmen. Nach dem katastrophalen Saisonstart mit 16 Niederlagen aus 25 Spielen haben die Chicago Bulls die Konsequenzen gezogen und Coach Scott Skiles gefeuert - ausgerechnet am 24. Dezember.

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Harter Hund

"Ich brauche kein Mitleid. Es beschäftigt mich nicht, ob es am  Heiligabend passiert ist oder nicht", sagte Skiles (im Bild links) der "Chicago Tribune".

"Ich verlange von anderen, zu ihren Fehlern zu stehen. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich Rechenschaft ablegen muss."

Kein Wehklagen, kein Gejammer. Es hätte auch nicht zu Skiles gepasst. Das Kollektiv steht über allem, Regeln sind wichtiger als das Individuum, jeder einzelne muss seine Rolle verstehen und sich einfügen, so seine Maxime.

Risse in der Kabine

In dieser Saison nutzte sich diese Philosophie jedoch vollends ab. Eine Zeit lang ging das "Tough Coaching"-Konzept gut, zunehmend entstand aber ein Riss zwischen Trainer und Mannschaft.

Im letzten Jahr geriet der Coach mit Ben Wallace - wegen dessen Tragens von Stirnbändern - aneinander, zuletzt demütigte er öffentlich Youngster Tyrus Thomas, in dem er ihn demonstrativ auf die Bank verbannte.

Paxson in der Kritik

Skiles ist nun also der Sündenbock. Aber ist der 43-Jährige tatsächlich der Hauptverantwortliche für die Malaise der als Titelkandidaten gehandelten Bulls? Oder trägt nicht General Manager John Paxson auch einen Löwenanteil?

Immerhin war es Paxson, dem es nicht gelang, in den letzten Jahren eine kredible Offensiv-Präsenz am Brett zu verpflichten - obwohl das Fehlen einer solchen das augenscheinlich größte Manko der Bulls war.

In der vergangenen Saison wurde das Problem dank der Treffsicherheit der Guards übertüncht, mit dem Formtief von Kirk Hinrich oder Ben Gordon kann das Missmanagement jedoch nicht mehr kaschiert werden.

Bryant-Poker bringt Unruhe

Zumal Paxson unnötig Unruhe in die Mannschaft brachte, in dem er die Verträge der beiden Leistungsträger Deng und Gordon zu deren Missfallen nicht verlängert hatte, um bessere Karten im Poker um Kobe Bryant zu haben.

Bekanntlich wurde nichts aus dem Megatrade. Vielmehr steckt Paxson nun im Tabellenkeller der Eastern Conference. Zusammen mit verunsicherten Leistungsträgern - dafür aber ohne einen neuen Coach.

Offenbar von den jüngsten Ereignissen überrollt, konnten die Bulls keinen Nachfolger für Skiles präsentieren, so dass vermutlich bis zum Ende der Saison Co-Trainer Jim Boylan das Team übernimmt. 25 Spiele ist das Jahr erst alt, Chicago scheint die Saison bereits abgehakt zu haben.

"Ich bin enttäuscht. Wir spielen ohne Herz, ohne Energie. Die Erwartungen sind sehr hoch, und wir erfüllen diese nicht mal annährend", sagte Paxson. "Ich habe derzeit aber keine langfristigen Lösungen für unsere Probleme."

Eine Bankrotterklärung. Oder wie es Skiles formulieren würde: Vielleicht ist schon bald der Zeitpunkt gekommen, an dem Paxson Rechenschaft ablegen muss.

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