Mittwoch, 31.10.2007

Yankees im Umbruch

Mit Girardi zurück zu altem Glanz

München - Die New York Yankees hätten es sich so leicht machen können. Sie hätten Coach-Legende Joe Torre nur mit einer weiteren Legende ersetzen müssen: Don Mattingly.

Joe Girardi, New York Yankees
© Getty

Doch anstatt auf einen der beliebtesten Yankees aller Zeiten und jahrelangen Bestandteil des Coaching-Teams zu setzen, schenkte die Führung Joe Girardi das Vertrauen.

Der 43-Jährige ist ein streitbarer Charakter. Jung, impulsiv, entschlossen. Ein großer Motivator und völliger "no-nonsense"-Typ, der bei seiner letzten Trainer-Station in Florida gleich mal ein Bart-Verbot einführte. Yankee-Style eben. Girardi wird einen völlig neuen Wind ins Klubhaus bringen.

Man darf gespannt sein, wie sein energischer Stil vor allem bei den erfahrenen Spielern ankommt. Die Chefetage der Yankees hat Girardi in einem 10-Stunden-Interview jedenfalls überzeugt.

Girardi tritt großes Erbe an   

"Joe ist der ultimative Competitor. Er liebt den Wettbewerb. Er ist mental unglaublich stark. Er ist kompromisslos. Er ist ein Stratege. Und das Team steht bei ihm immer an erster Stelle", schwärmt Yankees-General-Manager Brian Cashman.

Girardi unterschrieb einen Drei-Jahres-Vertrag über 7,8 Millionen Dollar und tritt als Nachfolger von Joe Torre ein großes Erbe an.

Allerdings nicht zum ersten Mal. 1996, im ersten Jahr von Torre als Manager, löste er Mike Stanley als Catcher ab. Keine einfache Aufgabe. Stanley war viel talentierter, konnte Homeruns schlagen.

"Schuhgröße 48" 

Girardi dagegen war ein noch unbekannter Catcher, der seine Stärken vor allem in der Defense und in Fähigkeiten hatte, die sich so gar nicht in Statistiken ausdrücken lassen. Leadership, das Handling eines Pitching-Staffs, das Game-Calling.

"Ich kann mich noch erinnern, wie ich zum ersten Mal im Trainingslager angekommen bin. Alle haben mir gesagt, in welch große Fußstapfen ich treten würde. Meine Antwort war: Ich habe Schuhgröße 48". Das ist Joe Girardi.

Girardi ließ sich nicht beirren, wurde zu einem wichtigen Bestandteil dreier Championship-Teams und wurde selbst zur Größe. Genau das plant er nun wieder.

Girardi hat bereits angedeutet, über welche Trainer-Fähigkeiten er verfügt. Vor zwei Jahren wurde er zum Manager des Jahres gekürt, als er mit den Florida Marlins trotz des billigsten Kaders der Liga fast den Playoff-Einzug geschafft hätte.

World Series als Ziel  

Nach einer mittlerweile berühmt gewordenen Szene, in der er Marlins-Besitzer Jeffrey Loria während eines Spiels zusammenfaltete, war das Verhältnis zerrüttet. Die Entlassung folgte. Vergangene Saison verbrachte Girardi als TV-Experte der Yankees.

"Ich gehe davon aus, dass wir nächsten Oktober die World Series gewinnen. Ich glaube, das ist der Vorteil, wenn man wie ich in New York gespielt hat. Ich kenne die Erwartungen und ich habe vor allem selbst die gleichen Erwartungen", so Girardi. Genau diesen Satz wollte die Steinbrenner-Familie (Besitzer der Yankees, Anm. d.Red.) hören.

Und das von einem Mann, der sich für viele Experten in eine "No-Win-Situation" begeben hat.

Loch in der Yankee-Lineup 

Als Girardi vor einer Woche mit den Yankees Gespräche führte, war Alex Rodriguez noch ein Yankee. Mittlerweile heißt der Third Baseman Wilson Betemit.

Vorübergehend ist ein Krater-artiges Loch in der Mitte der Yankee-Aufstellung entstanden. Eines, das noch größer werden könnte, wenn sich auch Jorge Posada dazu entschließt, New York zu verlassen. Zumindest den Stadtteil. Denn der All-Star-Catcher wird wie im Übrigen auch A-Rod gerüchteweise ausgerechnet mit den Mets in Verbindung gebracht.

Sicher war es keine große Überraschung, dass Rodriguez aus seinem Vertrag aussteigen würde. Dennoch: Sich zu bewerben mit A-Rod in der Lineup und dann den Job zu bekommen ohne ihn. Das ist wie, wenn man glaubt, ein Date mit Heidi Klum zu haben und dann macht Angela Merkel die Tür auf.

"Bronx-Pitchers" 

Mit oder ohne Rodriguez. Die Yankees werden wohl ihren Stil ohnehin radikal umstellen müssen. Anstatt Rodriguez, ob er nun zusammen mit Torre von der Bronx nach Hollywood zieht oder auch nicht, wird der Third Baseman nächstes Jahr vielleicht Joe Crede (Chicago White Sox) oder Mike Lowell (Bostons World Series MVP) heißen.

Wenn sie zurück an die Spitze wollen, wird es zum ersten Mal seit langer Zeit aber auf das Pitching ankommen. So wie es ja eigentlich auch sein soll im Baseball.

Mit Joba Chamberlain und Phil Hughes stehen zwei kommende Superstars bereit. Für einen echten Nummer-1-Starter (Johan Santana?) sollte genügend Geld übrig sein.

Die Yankees haben sich also für die moderne Lösung entschieden. Für die Zukunft. Für eine neue Ära. Es scheint so, als wäre Joe Girardi genau der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit.

Oliver Bendt

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