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Lass die Affen aus'm Zoo

Von Marc Hauser
Baba Harnik ist zurück, lass die Affen aus'm Zoo
© getty

Die 52. Spielzeit der Bundesliga ist vorbei und hatte mal wieder einiges zu bieten: Vom spannendsten Abstiegskampf aller Zeiten bis hin zur Aufnahme in die Hall of Fame der Ligen, die die Ehre hatten, einen Lord Bendtner zu beherbergen, war wirklich alles dabei. Der etwas andere Wochenrückblick hat die Saison deshalb noch einmal Revue passieren lassen und jeden Verein etwas genauer unter die Lupe genommen. Viel Spaß!

10. Die Skripniker von der Weser

Die Bremer Saison begann so, wie die letzten Jahre geendet hatten: Mit einer Mischung aus grauenhaft und extrem grauenhaft. Dass das Wort Defensivarbeit an der Weser seit jeher kleingeschrieben wird, ist ja bekannt, aber nun kam auch immer noch mehr das Problem hinzu, dass auch für die Offensive das Wort Niveau nur noch eine Handcreme war.

Doch eines verregneten Tages im Bremer Herbst saß Manager Thomas Eichin unter einem Apfelbaum und grübelte über die Zukunft seines Vereins nach, als ihn wie aus dem Nichts ein Puck am Kopf traf, da die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft im Eisstadion nebenan gerade Torschuss übte. Da hatte Eichin plötzlich einen genialen Einfall: Dutt musste weg und Thomas Schaaf wieder her. Oder zumindest ein Trainer, der so aussieht und spielen lässt wie er.

Also zauberte er Viktor Skripnik aus dem Hut, der die Mannschaft so auf- und einstellte, dass sie plötzlich wieder mehr von den Europa-League-Rängen als vom Abstiegskampf angezogen wurde. Irgendetwas muss mit dieser Mannschaft passiert sein, dass mittlerweile sogar ein Philipp Bargfrede mit der Brust eines Tim Wiese auf den Platz geht und sich Raphael Wolf zu einem bundesligatauglichen Torwart entwi... okay, zaubern kann selbst der Skripnik nicht. Aber eines steht fest: Mit den Skripnikern von der Weser ist wieder zu rechnen. Und zwar nicht nur wenn es um die Anzahl der Gegentore geht.

Wochenrückblick-Note: 2

11. 1.FSV Mainz 05

Der 1.FSV Mainz 05 hat auch in dieser Saison mal wieder recht souverän den Klassenerhalt geschafft. Und das mit einem Trainer, der schon mehr Jobs hatte als die Familie von Steve. Scheint aber niemanden so wirklich interessiert zu haben. Also machen wir es kurz: Herzlichen Glückwunsch.

Wochenrückblick-Note: 2-3

12. Die Bastion von Müngersdorf

Eine ungewohnt ruhige Saison hat der 1.FC Köln hinter sich. Ein Eklat der Kölner Ultras im Derby gegen Borussia Mönchengladbach und ein Stürmer, der erst Geißbock Hennes und anschließend den ganzen Verein mit seinem plötzlichen Wechsel zu den Skripnikern und Eishockey-Eichinauf die Hörner nimmt. Das war's.

Was vor einigen Jahren noch nicht einmal für eine Folge von Köln 50667 gereicht hätte, ist mittlerweile die Zusammenfassung einer ganzen Saison, was "Skandale" angeht. Dafür hat ein ruhiger, besonnener Trainer aus Österreich den FC zur taktisch stabilsten Truppe der ganzen Bundesliga gemacht. Und nein, das ist keine Meldung des Postillon.

Die Defensive der Kölner entwickelte sich dabei in vielen Spielen zu einer uneinnehmbaren Bastion, was jedoch zum Leidwesen der Attraktivität geschah: So hatte Köln in dieser Saison mehr Nullen vorne stehen als der Event-Manager eines "One Direction" Konzerts auf seiner Bühne. So kam es am Ende dann auch zum Rekord mit den meisten 0:0s aller Zeiten, woraufhin Giovanni Trappatoni tränengerührt vor der Kölner Geschäftsstelle auftauchte und nach einer Dauerkarte gefragt haben soll. Er wurde jedoch nicht rein gelassen.

Wochenrückblick-Note: 2

13. Der Blinddarm der Bundesliga

Hannover 96 ist wie der Blinddarm. Sie sind zwar da, aber niemand weiß so richtig wieso und wenn es sich erst mal entzündet hat, kommt am Ende ganz viel Scheiße dabei raus. Mit Fans, die in Sachen Realismus offensichtlich Nachhilfeunterricht bei den Schalke-Anhänger genommen haben und ihrer Mannschaft die Unterstützung verweigern, weil sie der Meinung sind, dass ihr Verein kein Kind(er)spielzeug ist. Dazu ein Vereinsboss, der was Bodenhaftung angeht sogar den FC Schalke übertrifft und wohl mit einem nur mit Luft gefüllten Ballon davon fliegen könnte. Und zwar nicht in die jedes Jahr anvisierte Europa League.

Als Höhepunkt der Selbstzerfleischung ging man als Nachfolgekandidaten für den geschassten Tayfun Korkut dann das ganze Spektrum an Trainerkatastrophen durch, um sich schließlich für Michael Frontzeck zu entscheiden. Nachdem der HSV, der VfB oder Paderborn in den Wochen zuvor im Kampf um den Abstieg ordentlich vorgelegt hatten, ging Martin Kind mit dieser Entscheidung All-In. Frontzeck zeigte es am Ende jedoch allen Kritikern und führte Hannover durch starke Leistungen am Saisonende nach einer völlig verkorksten Rückrunde doch noch zum Klassenerhalt. Das Saisonfazit der 96er kann deshalb trotz alledem frei nach Dieter Schatzschneider nur lauten: Hannover ist eine Piss-Mannschaft.

Wochenrückblick-Note: 4-5

14. Lass die Affen aus'm Zoo

Eine sehr ereignisreiche Spielzeit hat auch der VfB Stuttgart hinter sich. Dabei wurde einem wieder einmal gezeigt, dass das positivste daran, VfB-Fan zu sein ist, dass man niemals als Erfolgsfan beschimpft werden kann. Das Duo Veh/Bobic wurde zu Saisonbeginn recht schnell durch Stevens/Dutt ersetzt, die im weiteren Saisonverlauf absolute Hauptrollen einnehmen sollten.

Sportdirektor Dutt hat in der Winterpause gleich mal gezeigt, dass er die Vereinsphilosophie schon verinnerlicht hat und als erste Amtshandlung mit Joshua Kimmich direkt mal ein vielversprechendes Talent aus der eigenen Jugend an den FC Bayern verkauft. Mit Geoffrey Serey Die kam dafür ein Mann für das defensive Mittelfeld, der dort so erbarmungslos agiert wie sein Namensvetter aus dem Hause Lannister.

Milady Moritz Leitner hingegen stolzierte auch in dieser Saison mal wieder nur mit der Männlichkeit des neuen "AMG"-Musikvideos von Kay One über den Platz. Trainer Stevens platzte dann in der Rückrunde das ein oder andere Mal dezent der Kragen, zum Beispiel als er seine Spieler vor dem richtungsweisenden Spiel gegen den HSV als "Affen" bezeichnete. Er rechtfertigte dies später damit, dass der Begriff "Affe" in den Niederlanden bei weitem nicht so eine negative Bedeutung besitzen würde wie in Deutschland. Natürlich. Dort steht das Wort auf Platz drei der niedlichsten Kosenamen, direkt hinter "Käskopf" und "Tulpengeneral". Trotzdem hat es Huub wieder einmal geschafft, den VfB vor dem Abstieg zu retten. Getreu dem Motto: Die nächste Saison, didavi noch erstklassig bleiben!

Wochenrückblick-Note: 4

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