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Emotional wie eine FCB-Meisterfeier

Von Marc Hauser
Jürgen Kramny hat wohl keine Zukunft als "Emotional Leader"
© getty

6. Gefesselt und geknäbelt Sogar noch vor dem letzten Spieltag musste beim Hamburger SV Peter Knäbel seinen Rucksack packen. Während Diddi Beiersdorfer an der Elbe ab sofort einfach alles selbst macht, bleibt Knäbel wohl nichts mehr anderes übrig als in Zukunft gemeinsam mit Jaroslav Drobny an Ostern auf Eiersuche zu gehen.

Dank der Kühne-Millionen können die Hamburger wohl auch im nächsten Jahr einen neuen Anlauf starten, endlich aus der unteren Tabellenhälfte raus zu kommen. Ein Zitat von Trainer Bruno Labbadia lässt dabei tiefer blicken als der Ausschnitt von Micaela Schäfer: "Wenn ich einen guten 8 Millionen-Mann sehe und wir uns den nicht leisten können, schreibe ich ihn mit trotzdem auf." Dieser Satz müsste eigentlich direkt in die HSV-Satzung unter der Überschrift "Transferpolitik" aufgenommen werden. Exklusiv für den etwas anderen Wochenrückblick hat dieses HSV-Aufsichtsratmitglied nun über die Arbeit von Knäbel ausgepackt.

7. The Dark Eagle Rises Zu den Gewinnern der Bundesliga-Saison 2016/17 gehört eindeutig Niko Kovac. Wer schon aussieht wie Joseph-Gordon Levitt und dann noch so eine filmreife Aufholjagd hinlegt, hat seinen Platz in der Bundesliga als Trainer wohl endgültig gefunden. Nach einer katastrophalen Saison sah es bei der Eintracht schon stark nach Abstieg aus. Leistungsträger wie Stefan Aigner fielen in ein Formtief und auch die Neuzugänge wollten nicht richtig einschlagen. So stand in der Defensive zwar häufig ein Constant Djakpa auf dem Feld, aber Kaan Ayhan.

Nach der 11880-Niederlage in Bremen (11 Frankfurter merken in der 88.Minute, dass sie mit 0 Punkten nach Hause fahren) ist es den Hessen über den Umweg Relegation dann doch noch gelungen, den Klassenerhalt perfekt zu machen. Die beiden Partien gegen die Nürnberger waren jedoch so langweilig, dass wahrscheinlich selbst ein Bilanzierungs-Prof dabei eingeschlafen wäre. Das Spiel verhielt sich zu einer Schlaftablette ungefähr so wie eine Schlaftablette zu einem 5-Liter-Fass Tantrum.

Das spannendste am Hinspiel war wohl noch der nervige Stadionsprecher der Frankfurter, der die Club-Fans davon abhalten wollte, ihre komplette Silvester-Munition zu verballern. Eintracht Frankfurt beschwert sich über Pyrotechnik im Stadion. Das ist ungefähr so, als würden sich Hoffenheim-Fans über den Wechsel von Kevin Volland zu einem Werksclub beschweren.

Die vermutlich treffendste Aussage über die diesjährige Relegation kam vermutlich von einem Fan unter einem Facebook-Post. Auf die Frage ob in der Relegation ein Klassenunterschied zwischen Frankfurt und Nürnberg deutlich wurde, antwortete er: "Es war eindeutig ein Klassenunterschied zu erkennen. Ob jetzt zwischen erster und zweiter oder zwischen zweiter und dritter Liga, sei mal dahingestellt." Passender kann man es eigentlich gar nicht formulieren. Nachdem man den Abstieg in diesem Jahr noch verpasst hat, geht die Eintracht mit der wahrscheinlichen Verpflichtung von Fredi Bobic in der kommenden Saison nun aber All In.

8. Ich würde nie zu RB Leipzig gehen Die Bundesliga darf in der kommenden Saison mal wieder einen Neuling willkommen heißen. Rasenballsport Leipzig hat im zweiten Anlauf den Aufstieg in die Bundesliga geschafft und dürfte wohl der umstrittenste Aufsteiger aller Zeiten sein. Entweder man hasst sie oder man hasst sie abgrundtief, dazwischen gibt es eigentlich nichts.
Im Ernst: Man kann vom Brause-Club halten was man will, aber sportlich werden sie die Bundesliga sicher bereichern. Und langweilig wird es einem mit den Leipzigern wohl auch nicht werden. Für einen regelrechten Eklat sorgte nun die Band "Silly" bei der RB-Aufstiegsfeier. Die Bandmitglieder trugen bei ihrem Auftritt einfach mal Shirts von Hansa Rostock, Dynamo Dresden und Union Berlin. Fehlte eigentlich nur noch, dass die Toten Hosen einen Spontanauftritt mit "Ich würde nie zu Red Bull Leipzig gehen" hingelegt hätten.

9. Wir sind eins Zumindest was das feiern angeht, ist bei den Leipzigern also noch Steigerungspotenzial vorhanden. Das gilt auch für Ralf Rangnick, der nach der obligatorischen Bierdusche nach dem Aufstieg ausrutschte und sich verletzte. Kommentar seines Spielers Nils Quaschner dazu: "Muskelbündelriss oder Muskelfaserriss, ich weiß nicht genau. Hab auf jeden Fall erstmal Bier drüber gekippt." Angeblich soll die gesamte RBL-Mannschaft im Anschluss von der Marketing-Abteilung zu einer Nachhilfestunde in Sachen Produkt-Placement verdonnert worden sein, da sie Bier zum Feiern verwendeten und nicht den Energy-Drink. Auch das Rangnick-Malheur wäre damit vermieden worden. Red Bull verleiht ja bekanntlich Flügel.

10. Die Zitate der Woche

"Ich fahre jetzt nach Hause und Haue mir die Hucke voll."
Horst Heldt. Wie kann man sich nur so hart gönnen?
"Ich kam als König und gehe als Legende."
Zlatan Ibrahimovic über seinen Abschied bei Paris Saint-Germain
"Sie wollten mich verpflichten. Aber ich habe ihnen gesagt, dass ich donnerstags nicht spiele."
Zlatan Ibrahimovic über das Interesse von Manchester United

11.

"Bisschen was dazu verdienen bei meinem Hungerslohn"

12. Die Kommentare der Woche
Ab der kommenden Ausgabe eröffnet der etwas andere Wochenrückblick eine neue Kategorie. In den "Kommentaren der Woche" findet ihr ab dann alles, was Hobby-Satiriker, aber auch Internet-Trolle und das geistige Aluhut- Proletariat im World Wide Web so von sich geben. Natürlich immer stets anonym. Für Nackenbeschwerden aufgrund von anhaltendem Kopfschütteln übernimmt der etwas andere Wochenrückblick keine Haftung. Glorreiche Fundstücke bitte an meine Facebook-Seite auf die Pinnwand oder per Direktnachricht. Danke!

Seite 1: Qual, Verderben, unendliches Leid bis Unwort des Jahres

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