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Von Dietmar Lüer
Mittwoch, 30.09.2015 | 13:53 Uhr
VW und Red Bull könnten in der Formel 1 zusammenarbeiten
© getty
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Seit Monaten, fast seit gefühlten Jahren, wird immer wieder der leicht bieder wirkende Hut des Volkswagen-Konzerns in den Formel-1-Ring geworfen. Bislang hat es nie zu mehr als ein paar Gerüchten gereicht, doch nun scheint es tatsächlich ernst zu werden in der Beziehung zwischen dem Mega-Konzern und dem Rennzirkus.

Angeblich soll bereits eine Einigung zwischen Red Bull und VW erzielt worden sein, im Jahre 2017 als Werksteam in die Königsklasse einzusteigen.

Angenommen dies entspricht der Wahrheit und die Pläne werden durch die VW-Affäre mitsamt ihrer Wechsel in der Führungsetage nicht gleich wieder verworfen, dann ist es sicher interessant zu schauen, unter welchem Label dies passieren könnte.

Dafür lohnt es sich mal einen tieferen Blick in die VW-Gruppe zu werfen. Unter ihrem Dach vereinigen sich mehrere potentielle Kandidaten mit Rennsportvergangenheit, teilweise sogar mit Formel-1 Erfahrung.

Skoda und Seat

Völlig ausgeschlossen, dies bedarf absolut keiner weiteren Worte.

Wahrscheinlichkeit: 0 %

Bugatti

Es gibt wohl wenige Automobilhersteller, die so viele Rennerfolge in so kurzer Zeit vorweisen können wie Bugatti. Der 1924 erschienene Bugatti Type 35 ist mit über 2000 Siegen der erfolgreichste Rennwagen der Motorsportgeschichte. Doch genau das ist das Problem... Geschichte. Nach dem zweiten Weltkrieg ging es immer weiter bergab, um dann 1963 letztendlich die Tür zu schließen.

1987 wurde Bugatti, zumindest namentlich, neu gegründet, um dann 1998 von VW übernommen zu werden. Ein Einstieg in die Formel 1 scheint auch angesichts des zu erwartenden Kostenaufwandes von mindestens 20 Millionen Euro jährlich unmöglich, da dies fast den gesamten Umsatz dieser Marke darstellt. Daher..

Wahrscheinlichkeit: 0-5 %

Bentley

Ähnlich wie Bugatti ist Bentley eine Marke mit Tradition, jedoch nicht annähernd so erfolgreich. Darüber hinaus erscheinen die Kosten ähnlich schwer realisierbar. Bentley, als Hoflieferant des englischen Königshauses, möchte seine Kunden zudem wohl eher nicht zu stark darauf hinweisen, dass sehr viel VW-Technik in der Nobel-Marke mitfährt. Daher ...

Wahrscheinlichkeit: 0%

Lamborghini

Die wenigsten Marken haben so markante Formen und stehen für sportliche Extravaganz wie der italienische Kampfstier. Anfang der 90er Jahre waren die Mannen aus Modena zwar schon einmal in der Formel 1 vertreten, allerdings doch mit eher mäßigem Erfolg.

Lamborghini wäre schlecht beraten sein Image mit irgendwelchen Formel-1-Abenteuern zu gefährden. Heißt es doch über den Kampfstier : "Er ist absurd, unpraktisch und hässlich - so seine Gegner. Er ist absurd, unpraktisch und unglaublich aufregend - sagen seine Fürsprecher." Daher ...

Wahrscheinlichkeit: 0-5 %

Audi

Das Ingolstädter Unternehmen mit den vier Ringen hat lange gebraucht, um sich im hochpreisigen Segment zu etablieren. Ihre sportliche Kompetenz brauchen sie nicht mehr unter Beweis stellen. Audi ist der erste Hersteller, der den Allrad-Antrieb in Rennerfolge ummünzte und in der Rallye-Welt gewann man als erster Hersteller mit einem dieselgetriebenen Fahrzeug die prestigeträchtigen 24 Stunden von Le Mans. Überhaupt stellt Audi in diesem Rennen eine der erfolgreichsten Marke überhaupt dar. Passend dazu: Der erste Sieg eines Hybridfahrzeugs in der Geschichte der 24 Stunden. Im Endeffekt heißt das: Audi könnte durch einen Einstieg in die Formel 1 praktisch nur verlieren. Daher...

Wahrscheinlichkeit: 5-10 %

Porsche

Seit 2012 ist der Zuffenhausener Sportwagenhersteller eine hundertprozentige Tochter der Wolfsburger Autobauer. Sie waren und sind in den verschiedensten Rennserien erfolgreich. In der Formel 1 waren sie dies in der Vergangenheit sowohl als Werksteam als später auch als Motorenlieferant unter dem Namen TAG. Unter anderem arbeitete man mit McLaren zusammen, wodurch Porsche auch Weltmeister wurde.

Auf den ersten Blick wäre Porsche somit sicher die beste Wahl, so VW wirklich in die Königsklasse einsteigen möchte, doch auf den zweiten Blick hat sich Porsche immer noch nicht von dem Fiasko erholt als sie versuchten, VW zu übernehmen. Den Aktionären wäre es wohl nur schwer verständlich zu machen, wenn innerhalb von nur fünf Jahren wieder so viele Gelder in einen möglichen Einstieg gesteckt würden. Daher auch hier nur...

Wahrscheinlichkeit: 10-15%

VW

Somit bleibt nur noch der Hauptkonzern Volkswagen AG mit seinem eher biederen Image. Mit dem GTI und dem Scirocco hat VW zwar seit Jahren zwei sehr sportliche Wagen in der Produktpalette, doch wenn es wirklich in das Segment der Sportwagen geht (Beispiel: G60), dann rangiert der erfolgsverwöhnte Konzern eher unter ferner liefen.

Wahrscheinlichkeit: Wenn VW in die Formel 1 einsteigen sollte, dann auch nur unter dem Logo VW.

Warum macht es gerade jetzt Sinn?

Mit Red Bull hätte man einen strategischen Partner, der für Lifestyle steht und gerade bei jungen Leuten eine Werbezielgruppe hat, in der VW gerne noch nachlegen möchte.

Wie will VW den Entwicklungsrückstand aufholen?

Sollte man sich frühzeitig mit Red Bull auf eine Übernahme einigen, so hätte man mehr als ein Jahr Zeit, um sich zu organisieren. Unter dem VW-Dach sind bei Porsche und Audi fähige und erfahrene Leute, die den Motorbau effektiv vorantreiben könnten.

Gleichzeitig hat man mit Newey einen "Design-Guru" im Red Bull-Team, sodass man sich selbst vorrangig um den Antrieb kümmern könnte.

Wie ist die Stimmung im VW-Konzern?

Nachdem die größte "F1-Bremse" Ferdinand Piech nicht mehr im Unternehmen ist, steigen die Chancen enorm, dass es sich diesmal mehr als nur um Gerüchte handelt. Das einzige Manko: Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung der neue Vostand gehen möchte. Insgesamt erscheint die Bereitschaft bei VW das Abenteuer Königsklasse richtig angehen zu wollen, allerdings hoch zu sein.

Kann ein Scheitern/Misserfolg dem Image schaden?

Hier kommt es sicher auf die Art und Weise an, doch ich bin mir persönlich relativ sicher, dass es keine große Auswirkungen hätte. Die jetzige Kundschaft legt eher auf andere Punkte wert, als auf die sportliche Außendarstellung. Die Kritiker werden sowieso sagen: "Habe ich doch Recht gehabt."

Ist Red Bull der strategisch richtige Partner?

Ja, unbedingt. Beide Seiten haben schon sehr erfolgreich und vertrauensvoll zusammengearbeitet, unter anderem bei der Rallye Paris-Dakar. Red Bull ist genauso heiß aufs Gewinnen wie VW und wird alles daran setzen, dass dieser Zusammenschluss ein Erfolg wird. Das leicht verrückte Image "Red Bull verleiht Flügel" kann nur gut für die "Jungs" aus Wolfsburg sein.

Fazit:

Für VW - unter dem eigenen Logo - gab es noch nie einen besseren Zeitpunkt, um den Formel-1-Einstieg zu verkünden bzw. diesen zu wagen. Mit prall gefüllten Kassen kann man hier aus dem Vollen schöpfen. Technisch hat man mit dem Red-Bull-Team jemanden an der Hand, der a) weiß was er tut und b) genauso wie VW immer nach ganz oben will.

Dies würde womöglich auch von den aktuellen Skandalen rund um den Konzern ablenken können. Nie waren die Chancen größer, dass VW es wirklich macht und es letztendlich nicht nur ein weiteres Gerücht aus der Formel-1-Küche ist.

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