Ali und das große Missverständnis

Von Mittelmäßige Fußballer der BL-Geschichte
Freitag, 24.07.2015 | 11:49 Uhr
Felix Magath holte Ali Karimi gleich zwei Mal in die Bundesliga
© getty
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Gleich zweimal holte Felix Magath Ali Karimi in die Bundesliga - obwohl dieser viel lieber am Strand zu kicken schien. Ein Rückblick auf eine Karriere, die vielleicht nie den Weg nach Europa hätte finden sollen.

9.10.2004 - Um 18 Uhr ist Anpfiff für das dritte Spiel der Deutschen Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann. Mehr als 110.000 Zuschauer befinden sich im Azadi Stadion in Teheran, um das Benefiz-Spiel zwischen Deutschland und dem Iran zu sehen.

Trotz ein paar guten Chancen für den Iran, wurde das Spiel letztendlich souverän mit 2:0 gewonnen. Wie aber so oft bei Spielen zwischen Fußballnationen und Eher-Nicht-So-Fußballnationen, beobachten auch einige Scouts das Geschehen. Oft wird gehofft, dass vielleicht ein Rohdiamant, den die anderen europäischen Klubs nicht auf dem Zettel haben, ausfindig zu machen ist.

Man of the Match gegen Deutschland

Den Akteur, um den es geht, kannte zu der Zeit jedoch bereits jeder Fußballfan in Asien. Der im gleichen Jahr noch zu Asiens Fußballer des Jahres gekrönte Ali Karimi, wusste auch in den 90 Minuten gegen Deutschland auf sich aufmerksam zu machen und wurde anschließend vom kicker zum "Man of the Match" gekürt. Mit ein paar gekonnten Dribblings und einer guten Übersicht vermittelte er sehr schnell den Eindruck, dass er auch gegen echte Fußballnationen gute Leistungen bringen kann.

Einer, der sich womöglich auch das Spiel ansah war der damalige Bayern-Trainer Felix Magath. So landete Ali Karimi auf seiner Wunschliste und schon weniger als ein Jahr später, zur Saison 2005/06, im Kader des FC Bayern München. Wo heute die Bayern für ihr Internationales Expansionsmarketing in die USA oder China reisen, waren damals scheinbar bereits erhöhte Trikotverkäufe im Iran eine äußerst lukrative Geldquelle für das berühmte Festgeldkonto. Nach dem iranischen Nationalhelden Ali Daei und dem "Hubschrauber" Vahid Hashemian, war es nun an der Zeit diese Tradition mit dem überaus veranlagten Iranischen Spielmacher Ali Karimi fortzusetzen.

Ali mag den Sonnenschein

Mit bereits 26 Jahren wechselte also der ablösefreie Karimi von Al-Ahli Dubai zum Rekordmeister aus München. Ein Spieler, der in seinem Land als größtes Talent der Fußballgeschichte galt und die vier vorherigen Jahre, anstelle diverse Angebote aus Europa anzunehmen, lieber im Wüstenstaat kickte.

Unter iranischen Fußballfans war es allerdings bereits ein offenes Geheimnis, dass der gute Ali äußerst trainingsfaul ist. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass er in der Blüte seiner Entwicklungszeit, lieber mit ausgedienten Altstars an gemütlichen Sonnenscheinkicks teilnahm.

Ihr werdet Euch spätestens jetzt vermutlich fragen, warum ausgerechnet der "Quälix" ihn unbedingt verpflichten wollte. Das haben sich damals auch ungefähr 99 Prozent aller Bayernfans gefragt. Er war wohl der Überzeugung Karimi dazu bringen zu können, sein Potenzial voll auszuschöpfen und bestand somit auf die Verpflichtung, entgegen den Empfehlungen der Bayernscouts, die Zweifel am Fitnesszustand des Spielers hatten.

Ausgerechnet der 25. Einsatz...

Trotz des, wie üblich, sehr gut besetzten Kaders schaffte es Karimi in der Hinrunde regelmäßig eingesetzt zu werden und kam in seiner ersten Bundesligasaison auf 20 Bundesliga- (2 Tore) und 3 Champions-League-(1Tor)-Einsätze. Nach dem Hinspiel gegen den AC Mailand im CL-Achtelfinale kam dann jedoch alles anders. Wie das Schicksal es leider manchmal will, riss Karimi sich ausgerechnet bei seinem 25. Pflichtspiel für die Bayern das Syndesmoseband. Mit genau diesem 25. Spiel verlängerte sich jedoch sein Vertrag automatisch um eine weitere Saison.

Natürlich hat er auch durch seine Leistungen dafür gesorgt, dass der FC Bayern weiter an ihm festhielt, wer jedoch die Entwicklungen der vergangenen Jahre, im Mittelfeld der Münchner Bayern verfolgt hat weiß, dass es für einen nicht gerade verdienten und gestandenen Spieler enorm schwer werden kann sich wieder das absolute Vertrauen des Trainers zu erspielen, nachdem man mehrere Monate ausgefallen ist. In seiner zweiten Saison kam Karimi noch zu 13 sporadischen Bundesligaeinsätzen und zwei Kurzeinsätzen in der CL, für eine Verlängerung des Kontraktes reichte es jedoch nicht mehr.

Eigentlich gar nicht so mittelmäßig

Vom Wüstenklub, zu Asiens Fußballer des Jahres, auf die Wunschliste von Felix Magath, zum FC Bayern München, um dann nach etwas mehr als einem halben Jahr Glanz und insgesamt zwei Jahren Vertrag, wieder abgegeben zu werden. So kann manch eine Karriere laufen und so absolut mittelmäßig hört sie sich bis dahin auch gar nicht an.

Aber wohin wechselt man denn nun,wenn man den Sprung nach Europa gemacht hat, gleich in der ersten Saison beim Rekordmeister das Double gewinnt und dann aufgrund unglücklicher Umstände wieder auf der Abschussliste steht? Natürlich nicht zu einem einen anderen Bundesligaklub oder einem europäischen Verein der CL oder Euro League spielt...nein, man wechselt mit 28 wieder zu einem Wüstenstaat. Dieses Mal dann Katar. Die Jahre vergingen und Ali Karimi spielte wieder in Katar und dem Iran, bis es dann zu jenem überraschenden Anruf kam.

Feix does it again!

Es war mittlerweile das Jahr 2011 und Ali Karimi war 32 Jahre alt. Beim FC Schalke 04 lief es, trotz gefühltem 55-Mann-Kader in der Bundesliga leider überhaupt nicht rund und wer war der damalige Trainer? Felix Magath! Er hatte zwar auch damals noch den Quälix-Ruf, zeichnete sich in der Zeit jedoch noch mehr durch seine Panini-Sammler-ähnliche Kaderexpansionsstrategien aus. Und so wurde kurzerhand Ali Karimi als Retter auserkoren und nach Gelsenkirchen geholt.

Für asiatische Fußballverhältnisse war seine Karriere bis dahin eigentlich mehr als zufriedenstellend. Sich beim FC Bayern nicht dauerhaft durchsetzen zu können, ist auch einigen vor ihm passiert. Aber womit sich Ali Karimi letztendlich für viele Fußballfans den absoluten Mittelmaß-Stempel abgeholt hat, war dieses viermonatige Gastspiel bei Schalke 04.

Der Verein voller Unruhe, der Kader voller (!) Magath-Sammelsurien und mittendrin Ali Karimi, der in seinem zweiten Anlauf in der Bundesliga als Pseudo-Heilsbringer verpflichtet wurde und anschließend auf genau einen Kurzeinsatz kam.

Ali fliegt zurück

Und so endet diese Geschichte leider mal nicht wie sie begonnen hat. Ali wird nicht von über 110.000 Zuschauern bejubelt, während er sich zum "Man of the Match" und in diverse Notizblöcke dribbelt. Ali wird auch nicht ein weiteres Mal zu Asiens Fußballer des Jahres gewählt. Leider wird Ali auch nicht von einem der größten Klubs Europas verpflichtet.

Ali sitzt nämlich im Flieger zurück in den Iran und wünscht sich, die gemütlichen Kicks in der Wüste doch bloß nie gegen den Versuch eingetauscht zu haben, sich in Europa durchzusetzen. So hätte er wenigstens die iranischen Legenden aufrecht erhalten, dass sich ihr Superstar - der Iranische Maradona - doch bei jedem Klub dieser Welt durchsetzen könnte. Und wäre eben nicht für die meisten Fans in Deutschland doch nur ein mittelmäßiger Fußballer der Bundesligahistorie.

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