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"Entsetzlich dümmliches Gequatsche"

Von Karrramba
Thomas Eichin wird von Arnd Zeigler in Schutz genommen
© getty

Er ist DAS Gesicht des Fußballs im WDR und einer der bekanntesten Werder-Fans in Deutschland: Arnd Zeigler. Der Bremer Stadionsprecher stellt sich Page-2-Autor Karrramba zum Interview zur Verfügung und spricht dabei über die Qualitäten Viktor Skripniks, die vielversprechendsten Werder-Talente und gibt eine Liebeserklärung an einen Manager ab.

Es war der 16. Spieltag der vergangenen Saison, Werder Bremen gastierte in Mönchengladbach. Nach bestenfalls durchwachsener Leistung hieß es am Ende 1:4, Tabellenplatz 18. Da war es gerade mal ein paar Wochen her, dass Viktor Skripnik den Trainerstuhl in Bremen übernahm. Und dieser Trainerwechsel sollte noch Früchte tragen. Nach dem Gladbach-Debakel folgte eine furiose Serie. Borussia Dortmund, Hertha BSC, Hoffenheim, Leverkusen. FC Augsburg. 5 Siege in Folge! Plötzlich Platz 8, schnuppern an den EL-Plätzen, fast aller Abstiegssorgen entledigt.

Skripnik war plötzlich so etwas wie der Trainer der Saison, zeigte er doch eindrucksvoll, was alles möglich ist, wenn man die Köpfe der Spieler einmal frei bekommt. Die Fähigkeit zu motivieren - gepaart mit dem nötigen Fußballsachverstand und einem Matchplan. Keine Frage, mit dem Engagement Skripniks hatten Eichin und Co. einen echten Volltreffer gelandet.

41 Punkte - 42 Punkte - 34 Punkte - 39 Punkte, so lasen sich die Platzierungen der Bremer am Ende der Saisons 2010/11 bis 2013/14. Bis einschließlich der ersten Hälfte der Saison 2014/15 alles andere als zufriedenstellend für diesen Verein. Meisterlich waren in all diesen Jahren allein die Fans. Auf die konnte man sich immer verlassen, auch - oder erst recht - als das Schiff zu kentern drohte. Wo bei anderen Vereinen oftmals die Geduld auf den Rängen ob durchwachsener Leistungen schnell mal am Ende war und die Fanliebe in Wut und Beschimpfungen umschlug, ließ der größte Teil des Bremer Publikums keinen Zweifel daran, dass man dem Verein auch in einer großen Krise ohne Wenn und Aber Rückhalt bieten würde.

Die vergangene Saison endete mit 43 Punkten auf Tabellenplatz 10. Die Europaleague am Ende doch noch verpasst, die Chance dafür war allerdings, zumindest theoretisch, noch bis zum letzten Spieltag vorhanden. Vielleicht wäre es aber auch des Guten zu viel gewesen, kann man doch nun die neue Saison in Ruhe angehen. Fortschritte, die unter Skripnik zweifelsohne gemacht wurden, können nun bestätigt werden.

In letzter Zeit habe ich zu verschiedensten Anlässen den SV Werder Bremen hier auf Spox begleitet: Verschiedene Spieltagblogs, ein Abstiegspanel, "Faszination Fussball" - Werder war immer mal wieder präsent.

Und das nicht ohne Grund: Werder ist in meinen Augen einer DER Traditionsklubs im heutigen Profifussball. Erinnerungen an glorreiche Zeiten gibt es unendlich viele. Das "Wunder von der Weser" ist schon fast ein Markenzeichen geworden und ließ vor Jahren Vereine wie Spartak Moskau, RSC Anderlecht oder Olympique Lyon in ein Tal der Tränen stürzen. Burdenski, Bratseth, Votava, Herzog, Klose, Bode, Eilts, ich könnte die Liste der "Werder-Legenden" noch ewig fortführen!

Irgendwann kam ich deshalb mal auf die Idee, mich an Arnd Zeigler zu wenden. Damals war Werder noch abstiegsgefährdet, die Saison 2013/14 ging in die Endphase - und natürlich war es eine Schnapsidee einen prominenten Werderfan anzuschreiben , um ihn für ein Interview zu einer Blogreihe zu gewinnen, die sich unter dem Titel "Tradition in Gefahr" mit den Sorgenkindern der Liga beschäftigen sollte.

Nun, irgendwie war es doch keine Schnapsidee, Arnd beantwortete die E-Mail und kurz darauf auch die Fragen für die SPOX User. Mehr noch - der Kontakt blieb bestehen, und auch für ein weiteres Projekt stellte sich der Macher der WDR-Reihe "Zeiglers wunderbare Welt des Fussballs" für ein Interview zur Verfügung. So bekommen die Leser jetzt die Möglichkeit, etwas über Zeiglers Gedanken zur anstehenden Saison seines SV Werder Bremen zu erfahren. Viel Spaß beim Lesen!

Karrramba Im Rahmen der damaligen Blogreihe "Tradition in Gefahr" hattest Du dich im April 2014 kritisch, aber auch optimistisch, was die Zukunft des Vereins betrifft, über die Lage beim SV Werder Bremen geäußert. Damals ging die Saison 2013/14 in die Endphase. Werder belegte gerade Platz 12, mit acht Punkten Vorsprung auf Rang 16. Man hatte sich nach einer harten Saison - Abstiegssorgen inclusive - quasi gerettet. Was folgte, war eine ebenso harte Saison 2014/15 . Auch das hattest Du damals genauso vorhergesagt. Wie sieht nun deine Prognose für die kommende Saison aus?

Arnd Zeigler: Ach, es ist immer schwierig, das eigene Wunschdenken komplett auszublenden. Ich erwarte für diese Saison keinen Griff nach den Sternen, aber eine spürbare weitere Konsolidierung der Mannschaft. Viktor Skripnik, ein wirklicher Glücksgriff auf der Trainerbank, hat erstmalig die Verantwortung für eine komplette Saison inklusive Vorbereitung. Die Transfers scheinen punktgenau zu passen. Ich vermute, wir erleben hier in Bremen eine Saison ohne Abstiegsgefahr, mit spielerisch ansehnlicherem Fußball und am Ende einem Platz zwischen 7 und 11.

Karrramba: Ein Wendepunkt in der vergangenen Saison war zweifelsohne der Wechsel auf der Trainerposition. Viktor Skripnik brachte sofort neuen Schwung in die Mannschaft. Plötzlich schien der Spaß am Fussball wieder Einzug zu halten. Skripnik tut dem Verein unheimlich gut, aber hat er in Deinen Augen das Zeug dazu, eine ähnliche Trainerkarriere wie Rehhagel und Schaaf in Bremen hinzulegen? Bringt er neben seiner Fähigkeit die Mannschaft wachzurütteln und zu begeistern, auf Dauer auch genug fachliche Kompetenz mit, um Werder wieder weiter nach oben zu führen?

Arnd Zeigler: Ich halte nicht viel von Quervergleichen zu anderen Trainern. Viktor Skripnik ist eine starke, eigene Persönlichkeit. Und er bringt in meinen Augen sehr viel mit, was einen guten Trainer von einem nicht so guten Trainer unterscheidet: Er ist menschlich integer und authentisch, hochintelligent, empathisch, verfügt über ein phantastisches Fachwissen, Enthusiasmus für ansehnlichen Fußball und besitzt erkennbar einen tollen Draht zur Mannschaft. Er ist kein Poser, er ist uneitel, aber er besitzt einen hohen Unterhaltungswert und scheint perfekt in diesen Verein zu passen.

Karrramba: Ein Wunsch von dir war im April 2014, dass Werders Nachwuchsabteilung in Zukunft wieder mehr spannende Spieler für den Profikader produzieren soll. Bremen verfügt über eine sehr ordentliche Jugendmannschaft. Mit Aycicek, Sternberg, Lorenzen und Yildirim konnten einige junge Spieler auf sich aufmerksam machen, jetzt stehen mit Eggestein und Hüsing weitere Spieler auf dem Sprung in den Kader der ersten Mannschaft. Wer könnte deiner Meinung nach in dieser Saison eine Überraschung sein und eine ähnliche Karriere wie Davie Selke einschlagen?

Arnd Zeigler: Im Augenblick habe ich den Eindruck, ganz Bremen zittert mit Melvyn Lorenzen. Das ist ein wunderbarer Stürmer mit sehr viel Potenzial, auch auf höchstem Niveau ein wertvoller Spieler werden zu können. Ihn sehe ich leicht vorne, leider ist der Junge permanent verletzt. Ich glaube aber, Eggestein, Zander und von Haacke sind dicht dran. Und Aycicek verfügt über tolle Fähigkeiten als Kreativspieler. Er wird sicher mit etwas mehr Erfahrung auch noch einen Entwicklungssprung machen können. Wenn Ihr mich nach dem einen Überraschungsspieler fragt, würde ich nach der bisherigen Vorbereitung auf Eggestein tippen. Er spielt auf einer wichtigen Position, auf der es bei Werder keine gesetzte Lösung gibt, und er tut das bisher auf eine sehr auffällige Art und Weise.

Seite 1: Arnd Zeigler über Skripniks Qualitäten und die größten Bremer Talente

Seite 2: Arnd Zeiglers Liebeserklärung an Thomas Eichin

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