Junges Blut für die Alte Dame

Von 90PLUS
Mittwoch, 03.06.2015 | 16:24 Uhr
Paulo Dybala zeigte bereits früh sein großes Talent. Nun soll er die Alte Dame noch stärker machen
© getty
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Mit Beginn der Sommerpause fallen immer wieder die gleichen Namen und Teams, die mit wilden Wechselgerüchten in Verbindung gebracht werden: 90Plus hat sich mit einem Spieler beschäftigt, der bereits während der Saison Objekt zahlreicher Spekulationen war. Paulo Dybala kam zu einer vergleichsweise frühen Wechsel-Entscheidung und wird bald für die Alte Dame auf Torejagd gehen. Page 2 über ein Talent, das bereits bald an der Seite von Messi und Agüero stürmen will.

Wenn die Titelträger und Absteiger einer Saison ermittelt wurden, beginnt für den Fußballfan die lange, träge Zeit ohne seine Lieblingsbeschäftigung. In guten Jahrgängen wird dieses Sommerloch mit einem Großereignis aufgefangen, in der Regel herrscht jedoch auch dann eine Weile Leerlauf. Deshalb wird sich mit umso größerem Eifer auf die Spekulationen rund um den Transfermarkt gestürzt.

Durch die zahlreichen Gerüchte wird die persönliche Wissensdatenbank (kennt jemand noch Leandro Damiao?) mit den Namen vieler viel versprechender Talenten aus anderen Ligen aufgestockt, die teilweise für irrsinnige Summen in ganz Europa gehandelt werden. Ein eben solcher Spieler, der seit der Winterpause mit nahezu jedem namhaften Verein in Verbindung gebracht wurde, ist Paulo Dybala. Der junge argentinische Stürmer des US Palermo hat sich jedoch nun zu einem Wechsel zu Juventus Turin entschieden und damit vermieden, in den Transfertickern des Sommers als "Daily Dybala" bezeichnet zu werden. Doch woher resultiert das große Interesse an dem 21jährigen?

Flexibilität als Faustpfand

Zum einen besticht der Youngster durch eine große offensive Flexibilität. Er kann als reiner Mittelstürmer, als hängende Spitze oder auch als Rechtsaußen eingesetzt werden, von wo aus er gerne mit seinem starken linken Fuß den Abschluss sucht. Der 1,77m große Angreifer besticht zudem durch eine hohe Geschwindigkeit auch mit dem Ball am Fuß, wodurch er bei Kontern brandgefährlich ist (was 58% gewonnene Dribblings in der vergangenen Saison belegen).

Zudem erlaubt es ihm seine starke Technik den Ball auch in engen Situationen, oder mit dem Rücken zum Tor, zu behaupten. Trotz seiner eher geringeren Körpergröße besitzt er ein gutes Kopfballspiel und ist sich auch (bisher) nicht zu schade in Defensivaufgaben zu übernehmen. Diese Vielfalt hat auch den italienischen Rekordmeister auf den Plan gerufen, der stolze knapp 40 Millionen € für den Jungspund auf den Tisch legen wird.

Wohnen auf dem Trainingsgelände

Der Aufstieg bis hierhin ging in den letzten Jahren für den jungen Paulo geradezu kometenhaft. Der Enkel eines polnischen Einwanderers schloss sich mit zehn Jahren im Jahr 2003 Instituto Atletico Central in seinem Geburtstort Cordoba an. In dieser Zeit musste Dybala den Verlust seines Vaters verkraften, der einer seiner größten Förderer war und ihn jeden Tag auf das Gelände von Instituto zum Training fuhr. Nach dem Tod seines Vaters wohnte Dybala auf dem Trainingsgelände. Mit 17 Jahren feierte er in der Saison 2011/2012 sein Profidebüt in der zweiten argentinischen Liga.

Am Ende der Saison hatte er in 38 Spielen 17 Treffer erzielt. So viele Spiele hatte jahrzehntelang kein 17jähriger seit Mario Kempes , dem argentinischen WM-Held von 1978, absolviert. Außerdem erzielte er zwei Hattricks und traf in sechs aufeinander folgenden Spielen, was ebenfalls Rekorde darstellten. Durch diese rasche Geschichtsschreibung wurden natürlich die europäischen Scouts auf Dybala aufmerksam. Der exzentrische Präsident des US Palermo, Maurizio Zamparini, gilt als cleverer Geschäftsmann und als noch größerer Trainerverschleißer. Im Sommer 2012 ließ er erstere Qualität aufblitzen als er die europäische Konkurrenz ausgestochen hatte und stolz verkündete: "Ich habe den neuen Sergio Agüero verpflichtet!"

Palermo traut sich

Nach heutiger Auffassung stach er die Konkurrenten vor allem aus, weil er als einzig Bietender dazu bereit war für einen Teenager mit gerade einmal einer Profisaison, die von Instituto geforderte Summe von 11,2 Millionen € zu hinterlegen. In seiner ersten Saison kam Dybala über die Jokerrolle nicht hinaus (16 Einwechselungen bei 27 Einsätzen) und konnte drei Treffer erzielen. Am Ende der Spielzeit musste Palermo in die Serie B absteigen. Dybala blieb jedoch dem Verein treu und konnte bereits in der folgenden Saison der Wiederaufstieg in die Serie A feiern. Seine Zahlen konnte der junge Argentinier in der zweiten italienischen Liga mit fünf Toren und sechs Assists bei insgesamt 28 Einsätzen (davon 23 in der Startformation) leicht verbessern.

Umso überraschender kam die Leistungsexplosion, welche Dybala nach dem Wiederaufstieg in die höchste italienische Spielklasse hinlegen sollte. Nach Ablauf der vergangenen Spielzeit stand er bei 13 Treffern und zehn Vorlagen. Palermo hatte, vor allem wegen seines Wunderkindes, als Aufsteiger nichts mit dem Abstieg zu tun und liegt einen Spieltag vor Saisonende drei Punkte hinter dem ruhmreichen AC Mailand auf Rang 11. Präsident Zamparini musste, spätestens im Zeitraum zwischen dem 2. November und dem 6. Dezember, als Dyabla in fünf aufeinander folgenden Spielen traf, klar geworden sein, dass "sein Agüero" Sizilien in nicht als zu ferner Zukunft verlassen würde.

"Verkaufen und einen neuen Dybala finden"

Um potentielle Buhler abzuschrecken verkündete Zamparini im April, dass man Dybala "nur unter marktgerechten Bedingungen abgeben werde" und diese lägen "bei einer Ablöse in Höhe von 50 Millionen €." Nachdem unter anderem Arsenal und Paris St.-Germain mit Dybala in Verbindung gebracht wurden, kristallisierte sich in den letzten Wochen heraus, dass die Reise des Stürmers nach Turin gehen würde. Zamparini missfiel dies, doch gab sich gewohnt trotzig: "Ich behandelte ihn wie einen Sohn, aber wen interessiert´s. Ich werde ihn verkaufen und einen neuen Dybala finden."

Dies registrierte auch Palermo-Coach Guiseppe Iachini und setzte ihn in den letzten drei Spielen nicht mehr ein, da Dybala nicht mehr voll bei der Sache sei. Trotzdem ist er voll des Lobes für den jungen Argentinier: "Ich wusste vom ersten Moment an, dass er ein wichtiger Spieler wird. Es war wichtig ihn als Mittelstürmer einzusetzen, sodass er in die meisten Angriffe eingebunden war." Seinem bald ehemaligen Schützling traut er den Durchbruch bei der alten Dame zu, Dybala müsse "auf seine Chance warten können" und "dann auf den Punkt genau da sein".

Starke Konkurrenz bei Juve

Bei solch hochkarätiger Konkurrenz wie Carlos Tevez oder Alvaro Morata wird es schwieriger werden, auf die für seine Entwicklung notwendige Spielpraxis zu kommen. Im momentanen Rausch des möglichen Tripels werden trotz der genannten Starbesetzung noch Namen wie Radamel Falcao oder Robin Van Persie gehandelt. Dennoch besitzt Dybala eine reelle Chance sich durchzusetzen, da Juventus (momentan) keinen Offensivspieler hat, der ähnliche Anlagen derart vereint.

Möglicherweise wird ihm die Zeit bei Juventus seine so ersehnte Nominierung für die argentinische Nationalmannschaft bringen. Da er neben seinen polnischen Wurzeln auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, wollte Nationaltrainer Antonio Conte den Shootingstar bereits für die Squadra Azzurra nominieren.

Argentinien und sonst nichts

Dybala lehnte mit der Begründung ab, dass es sein Traum sei, für Argentinien zu spielen. Dies kann in Anbetracht seiner möglichen sportlichen Situation in der kommenden Saison als riskanter Schritt bezeichnet werden, auf der anderen Seite ist es gut für einen solche jungen Spieler genau zu wissen, was er will. Diese Entscheidungssicherheit hat er ebenfalls mit dem bereits sehr früh feststehenden Wechsel nach Turin gezeigt, auch wenn er nach eigener Aussage "das Meer und den Fisch Palermos" vermissen wird.

Vom Meer Palermos sind bereits andere Südamerikaner wie Edinson Cavani oder Javier Pastore zu erfolgreichen Karrieren bei großen Vereinen im europäischen Fußball aufgebrochen. Ob Dybala zu ähnlichem fähig ist, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Die Anlagen, aus dem enormen Staraufgebot bei Juventus herauszuragen, sind jedenfalls gegeben. Den Tickernden und Twitternden wird nichtsdestotrotz in den kommenden Wochen der "Daily Dybala" vergönnt sein, was für den Jungen eher gut sein sollte. Denn über viele der sogenannten "Daily"-Spieler wollte man erst nichts mehr lesen, bevor man es irgendwann dann auch nicht mehr konnte.

Paulo Dybala im Steckbrief

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