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Koan Ulle

Von Marc Hauser
Sven Ulreich soll Mario Götze endlich auf die Bank verdrängen
© getty

Die Saison ist vorbei, doch langweilig wird es in den bundesligafreien Monaten natürlich trotzdem nicht. Die U21-EM und die Frauen-WM sorgen in diesen traurigen Tagen für Abwechslung und auch auf dem Transfermarkt ist mal wieder einiges geboten. Der etwas andere Wochenrückblick enthüllt dabei unter anderem die wahren Hintergründe der Ulreich- und der Breitenreiter- Verpflichtung und hat auch noch ein kleines Quiz für Euch parat. Viel Spaß!

1. Koan Ulle: Die größte Aufregung herrschte vergangene Woche wohl über den Wechsel von Sven Ulreich zum FC Bayern. Die Empörung darüber, wie man als (noch) Stammtorhüter des VfB Stuttgart auf die Ersatzbank der Bayern wechseln kann, stieg dabei ins Unermessliche. Beim Durchlesen der Kommentare auf Ulreichs Facebook-Seite fühlte man sich wie bei einem Kennenlern-Videotext von RTL 2-Stammkunden.

Vom obligatorischen "scheiß Söldner" über "geldgeiles Arschloch" bis hin zu "hängt ihn" war da mal wieder die komplette Sprachpalette von "Berlin - Tag und Nacht" im Angebot. Man muss Ulreich aber auch ein Stück weit verstehen: Wer will schon am Wochenende arbeiten? Und bei dem Salär, das Ulreich in Zukunft beziehen wird, werden ihn die ganzen wüsten Kommentare auch eher oktaviär tangieren.

Trotzdem könnte man über die Causa Ulreich und die Diskussion über seinen Nachfolger im Stuttgarter Tor wohl einen ganzen Roman verfassen. Während man sich nämlich im Rest Deutschlands wieder einmal darüber echauffierte, dass die Bayern erneut die ganze Liga kaputt kaufen, nur um ihnen im gleichen Atemzug Wettbewerbsverzerrung vorzuwerfen, da sie durch die Ablösesumme finanziell mal wieder einem Südklub helfen, bastelt man in den geheimen Design-Kellern der Schickeria schon fleißig an "Koan Ulle"- Plakaten.

Aus Bayern-Sicht hat der Wechsel jedoch einen ganz anderen Hintergrund: Da Guardiola ja bekanntermaßen seine besten Fußballer im Mittelfeld aufbieten will und nach dem Abgang von Mitchell Weiser zur Hertha dort ein Stammplatz frei geworden ist, werden wir Manuel Neuer in den wichtigen Spieler wohl häufiger auf dieser Position finden. Alleine schon, damit Mario Götze nicht in der Startelf steht.

2. Die Schalke-Twins: Auch in Gelsenkirchen geht es in dieser Sommerpause erneut hoch her. Dort befand sich nämlich Horst Heldt mal wieder auf Trainersuche, nachdem das Projekt di Matteo so krachend gescheitert war, wie der Versuch von Rainer Calmund, auf einem Ikea-Tisch Polka zu tanzen.

Nachfolgekandidaten gab es reichlich. Am heißesten gehandelt wurden Markus Weinzierl sowie Marc Wilmots. Am Ende kam mit Andre Breitenreiter zwar eher die kleine Lösung, mit der die meisten Schalke-Anhänger jedoch dennoch zufrieden waren. So viel Bescheidenheit hätte ich den königsblauen Fans eigentlich gar nicht zugetraut, ein User auf "transfermarkt.de" stellte mein Weltbild dann aber zumindest zu einem kleinen Teil wieder her, indem er seine Enttäuschung über Breitenreiter kundtat, da er eigentlich auf Carlo Ancelotti gehofft hatte.

Eher weniger erfreut über den Ablauf der Breitenreiter-Verpflichtung war Belgiens Nationalcoach Marc Wilmots. Er wurde seiner Meinung nach bei der ganzen Diskussion in ein falsches Licht gestellt und nicht müde zu erwähnen, dass er jetzt Schalke-Trainer wäre, wenn er es denn gewollt hätte. Und Tim Wiese hätte auch zu Real Madrid wechseln können.

"Die Art und Weise, wie das ganze abgelaufen ist, ist nicht Schalke, die ist eher bedenklich", polterte Wilmots. Seit wann die Worte "Schalke" und "bedenklich" in einem konträren Verhältnis zueinander stehen, muss uns der Wilmots zwar auch erst noch erklären, aber sei's drum! Für Horst Heldt hat die Anstellung von Breitenreiter derweil noch einen weiteren Vorteil: Er sieht genau so aus wie sein neuer Trainer. Und da die Schalker Vereinsführung unberechenbarer ist als der Logarithmus von -1, könnte er sich bei seiner eigenen Entlassung einfach als Breitenreiter ausgeben. Absolut cleveres Vorgehen.

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3. Wie die Faust auf's Auge: In meinem Saisonrückblick hatte ich Hannover 96 ja noch als den "Blinddarm der Bundesliga" bezeichnet. Kaum ist die Saison vorbei, machen die Niedersachsen dieser Bezeichnung mal wieder alle Ehre. Allen voran Martin Kind bewirbt sich gerade fleißig für den Titel "Sympathischster Vereinsboss, wenn wir in einer Parallelwelt leben würden". Denn egal, welcher Spieler gerade auf dem Markt ist und egal auf welchen Spieler er angesprochen wird, Martin Kind bezeichnet ihn als "sehr interessanten Spieler" und lässt keine Gelegenheit aus zu betonen, ihn gerne in Hannover zu sehen.

So geschehen bei Sidney Sam, so geschehen bei Nicolai Müller, so geschehen bei Martin Harnik. Das wird Hannover 96 bei Ablöseverhandlungen natürlich enorme Vorteile einbringen. So viel ist klar. Das Gerücht, dass Hannover an Sam dran ist, bezeichnete die Bild-Zeitung übrigens als "Transferhammer". Ein User merkte daraufhin in den Kommentaren an, was denn bitte an einem sich anbahnenden Wechsels eines Durchschnittsspielers zu einem Durchschnittsverein ein Transferhammer sein soll. Wo er Recht hat, hat er Recht. Schließlich lassen sich Sidney Sams gute Spiele in der vergangenen Saison an Jaime Lannisters rechter Hand abzählen. Er würde also wie die sprichwörtliche Faust auf Martin Kinds Auge nach Hannover passen.

4. Es ist vollbracht! Die Fußballwelt ist endlich erlöst und Sepp Blatter ist als FIFA-Präsident zurückgetreten. Natürlich freiwillig. Ohne dazu gedrängt worden zu sein. Er will ja schließlich mit diesen korrupten Machenschaften nichts zu tun haben. Den Vogel abgeschossen hat jedoch FIFA Medienchef Walter de Gregorio mit seinem Witz: "Der Sepp Blatter, sein Kommunikationschef und der Generalsekretär sitzen im Auto. Wer fährt? Die Polizei!"

Als möglichen Nachfolger brachte Ottmar Hitzfeld dann prompt Franz Beckenbauer ins Spiel. Die Antwort des Kaisers auf diesen Vorschlag: "Ja gut äääääh (Anm. der Red.), ich dachte Ottmar wäre mein Freund." Dabei wäre der Kaiser ja eigentlich geradezu prädestiniert für diesen Job. Er ist schließlich der einzige, der in Katar noch keinen Sklaven gesehen hat.

5. Eine vehnomenale Vehrpflichtung Nicht nur der FC Schalke hat für die kommende Saison einen neuen Trainer gesucht, sondern auch Eintracht Frankfurt. Thomas Schaaf trat bei den Hessen nach nur einer Saison wieder zurück, da sein Verhältnis zur Mannschaft und dem Rest des Vereins gegen Ende eher unterkühlt gewesen sein soll. Nachfolger wird mit Armin Veh jetzt ein alter Bekannter.

Die Fans im Verein, die Veh nach seinem Abgang letztes Jahr noch mit dem Wort "Verräter" verletzten, dürften jetzt froh sein, dass er bei der Eintracht einen neuen Vertrag unterzeichnet hat und auf das Feld zurückkehrt, da er ihnen ja irgendwie doch gefehlt hat. Auch wenn Vehs Entscheidung, zur Eintracht zurückzukehren auf den ersten Blick verwundert, so macht sie auf den zweiten doch Sinn: Er wollte einfach nicht mehr so oft dem Gegner gratulieren wie noch beim VfB.

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6. Signings, not Sign Ings: Der Titel für die kreativsten Fans geht in dieser Woche an die Anhänger des FC Liverpool. Die hatten für die aktuell laufende Tranferperiode von ihrem Verein "signings", also neue Spieler gefordert. Nachdem der Klub dann Danny Ings vom FC Burnley, laut Martin Kind übrigens ein sehr interessanter Spieler, geholt hatte, waren im Internet Memes mit der Aufschrift "We said "signings", not "sign Ings"" zu sehen. Eindeutig der Spit des Jahres. Farid Bang wäre stolz auf sie.

7.

8. Für einen großen Spaß sorgte vergangene Woche die Online-Redaktion der Welt, die alle 18 Bundesligisten durch Whats-App Smileys darstellte. Der etwas andere Wochenrückblick lässt sich dabei natürlich nicht lumpen und zieht mit Fußballern nach. Wer am meisten errät, erhält eine DVD mit allen Saisontoren von Vedad Ibisevic (Danke an die Facebook-Seite "Fusifüchse"). Die Auflösung gibt es unten in den Kommentaren sowie in der nächsten Ausgabe. Viel Spaß!

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