Olympia

Michael Lehner: Suspendierung russischer Athleten "juristisch ganz heikel"

SID
Russische Athleten wurden vom IOC suspendiert

Sportrechtsexperte Michael Lehner sieht juristische Probleme bei einer provisorischen Suspendierung dopingverdächtigter Athleten. "Das ist rechtliches Neuland. Aber die Zurechnung einer individuellen Schuld ohne positive Dopingprobe ist juristisch ganz heikel", sagte der Heidelberger Rechtsanwalt dem SID: "Außerdem sind lebenslange Sperren völlig überzogen. Das ist nur ein politisches Zeichen."

Am Dienstag hatte die Anti-Doping-Kommission des Bob- und Skeleton-Weltverbandes sich wegen rechtlicher Probleme gegen eine provisorische Suspendierung der lebenslang von Olympia ausgeschlossenen Sotschi-Sieger Alexander Tretjakow und Alexander Subkow ausgesprochen.

Wie die IBSF mitteilte, sieht das Gremium nach Studium der detaillierten Urteilsbegründungen der Oswald-Kommission des IOC juristische Hindernisse bei der Durchsetzung der Strafe.

Dies könne neben den Suspendierungen vom Weltcup auch die vom IOC verhängten lebenslangen Olympia-Sperren betreffen. Die betroffenen russischen Athleten gehen vor dem Internationale Sportgerichtshof CAS gegen ihre Sperren vor. Lehner empfiehlt daher, "das System Russland zu sperren", denn "der russische Verband ist überführt".

Die Vorgehensweise des Bob- und Skeleton-Weltverbandes verstoße nach Ansicht seines eigenen Anti-Doping-Panels gegen den Code der WADA und die Regelungen der IBSF. Außerdem sei dies höchstwahrscheinlich nicht vereinbar mit internationalem Recht, Schweizer Verfahrensrecht und der Europäischen Konvention für Menschenrechte.

"Können die Schlussfolgerungen des IBSF nicht akzeptieren"

Das Exekutivkomitee der IBSF hatte am Dienstagabend angekündigt, Einspruch gegen die Entscheidung des Gremiums vor dem CAS einzulegen. Insgesamt wurden bisher durch die Oswald-Kommission 32 russische Sportler lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen, 13 davon fallen in die Zuständigkeit der IBSF.

Auch das IOC reagierte mit Unverständnis und unterstützt die IBSF bei dem Gang vor den CAS. "Wir können die Schlussfolgerungen des IBSF Anti-Doping-Panels nicht nachvollziehen oder akzeptieren", sagte ein IOC-Sprecher auf SID-Anfrage. Die Ergebnisse der Oswald-Kommission stützten sich demnach "auf umfangreiche forensische Beweise".

Skeleton-Pilot Tretjakow darf nach der Entscheidung der IBSF weiter im Weltcup an den Start gehen. Bob-Pilot Subkow ist inzwischen zurückgetreten und mittlerweile Präsident des russischen Schlittenverbandes. Ihre Goldmedaillen von Sotschi wurden den beiden Athleten vom IOC aberkannt.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung