Freitag, 07.02.2014

Krise des deutschen Langlauf

Bundestrainer Ullrich wehrt sich

Die deutschen Skilangläufer kämpfen in Sotschi um den Anschluss an die Weltspitze - und Bundestrainer Frank Ullrich um seinen guten sportlichen Ruf: Ein erneutes Desaster wie bei der medaillenlosen WM 2013 würde den Kritikern des einstigen Biathlon-Erfolgscoaches neue Nahrung geben. Kurz vor seinen elften Olympischen Spielen wehrt sich Ullrich deshalb gegen die steten Vorbehalte aus einigen Lagern.

Frank Ullrich durchlebt als Bundestrainer aktuell keine leichten Zeiten
© getty
Frank Ullrich durchlebt als Bundestrainer aktuell keine leichten Zeiten

"Wir sind immer noch im Neuaufbau, der braucht eben Zeit. Die hat man aber offensichtlich nicht mehr in Deutschland", sagte Ullrich vor dem Auftakt mit dem Skiathlon der Frauen am Samstag und der Männer am Sonntag (Sa., 11.00 Uhr im LIVE-TICKER), "man darf bei den Erwartungen nicht vergessen: Der Skilanglauf in Deutschland ist nicht der Langlauf in Norwegen. Wir sind kein Langlauf-Land."

Nach den überaus erfolgreichen Jahren 2002 bis 2010 sind die Deutschen international zurückgefallen, mit schöner Regelmäßigkeit wird dies an Ullrich festgemacht. Vor allem Vorgänger Jochen Behle zählt den Biathlon-Olympiasieger von 1980 gerne öffentlich an.

"Er sagt seit anderthalb Jahren, dass man auf einem guten Weg ist. Aber wenn der Weg wie bei der WM läuft, dann hoffe ich, dass man das auch mal beim DSV merkt und den richtigen Weg für Frank Ullrich weiß", meinte Behle erst in der Vorwoche bei "Eurosport".

Behle hinterlässt schweres Erbe

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Der eigenwillige Willinger Behle hatte Ullrich ein schweres Erbe hinterlassen. Zum einen stand er für die Goldene Ära ab 2002 mit zwei Olympiasiegen und vier Gesamtweltcup-Erfolgen in Serie. Zum anderen hinterließ er Ullrich nach seinem Rücktritt 2012 eine heillos zersplitterte Mannschaft.

"Behle ist damals selbst zu mir gekommen, und sagte: Du, mit den älteren Athleten läuft das im Moment nicht so. Kannst Du helfen?", erzählt Ullrich, der zunächst beratend tätig wurde: "Letzten Endes habe ich dann das Amt übernommen, nachdem sich einige Athleten nicht ganz so positiv geäußert haben gegenüber Jochen. Ich habe eine Situation vorgefunden, die schon sehr different war. Wir haben dann wieder das gemeinsame Ziel ausgerufen."

Unter Ullrich, der mit seiner ruhigen und sachlichen Art das Gegenstück zu Behle mit seinem rauen und autoritären Stil ist, blieben die Erfolge allerdings aus. Dabei hat Ullrich, der die deutschen Biathlon-Männer von 2002 bis 2010 zu vier Olympiasiegen geführt hatte, seine eigene Definition von Erfolg: "Ein zehnter Platz kann mitunter zufriedenstellend sein, auch wenn das in Deutschland nicht mehr so gesehen wird. Es kommt aber auf den Menschen in seiner Gesamtentwicklung an."

"Podium möglich"

Was nicht heißt, dass die deutschen Läufer in Sotschi keine Ambitionen haben: "Wenn die Athleten die Vorgaben umsetzen, sind Plätze unter den besten 10 realistisch, Richtung Podium zu schielen ist möglich", sagt Ullrich.

Die heißesten Eisen im Feuer sind sicherlich die Sprinter Denise Herrmann und Josef Wenzl, derzeit führend im Weltcup. "Beide sind zwar nicht die Favoriten, da gibt es viele andere starke Läufer. Aber gerade Denise ist in der Situation anzugreifen", sagt Ullrich. Auch von den lange schwächelnden Routiniers Tobias Angerer und Axel Teichmann erwartet sich Ullrich einiges: "Sie sind hungrig und wollen auch mehr."

Angerer und Teichmann treten nach der Saison ab, andere sollen an ihre Erfolge anknüpfen. "Wir sollten mit Weitsicht handeln, nach Olympia schon den Blick Richtung 2018 richten", fordert Ullrich. Ob es noch bis Pyeongchang geht, lässt Ullrich offen: "Dazu will ich jetzt nichts sagen."


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