Sonntag, 16.02.2014

Kampf um Olympia-Start beginnt

Neureuther wieder "klar in der Birne"

Felix Neureuther ist nach seinem Autounfall mit Verspätung in Sotschi angekommen. Nun beginnt der schwierige Kampf um seinen Start bei Olympia.

Felix Neureuther hat sich bei seiner Pressekonferenz sehr gelöst präsentiert
© getty
Felix Neureuther hat sich bei seiner Pressekonferenz sehr gelöst präsentiert

Neureuther bewegte sich wie in Zeitlupe, um den Hals trug er einen dicken, dunkelblauen Schal. "Ich habe da aber keinen Riesenknutschfleck drunter", sagte er schmunzeld.

Tatsächlich verbarg sich hinter wärmender Wolle das "Schleudertrauma der Nation", wie es ein Fragesteller bei Neureuthers erstem großen Auftritt am Sonntagabend in Krasnaja Poljana in den Bergen hinter Sotschi nannte. Neureuthers Autounfall am Freitagmorgen hatte viel Wirbel verursacht - und deshalb war es dem Parkenkirchner ein Anliegen zu zeigen: Ich bin hier. Und mir geht es gut. Trotz allem.

"Nichts kann Batman zerstören!", hatte Neureuther am Freitagabend nach dem Zwischenfall auf der Autobahn zwischen Garmisch-Partenkirchen und München auf seiner Facebook-Seite geschrieben. Ein paar Kratzer aber, das wurde spätestens am Sonntag offensichtlich, hat der "Superheld" Neureuther dann doch abbekommen.

Wenn er eine Frage zu beantworten hatte, beugte er seinen Oberkörper stets sehr langsam vor zum Mikrofon. Bewegungen mit dem Kopf unterließ er nach Möglichkeit ganz. "A bissl steif, wie ein Roboter", sei er noch unterwegs, meinte er. Außerdem fühle er sich im Kopf noch "a bissl damisch". Schwindelig also. Und dieser Schwindel, betonte Neureuther, werde nun über sein olympisches Schicksal entscheiden.

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Vier Behandlungen am Sonntag

Allein am Sonntag hat sich Neureuther vier Mal behandeln lassen. Sein Physiotherapeut Martin Auracher war schon vor dem Unfall eigens für den Ski-Star eingeflogen worden. "Wir haben alles da, was er braucht, es ist alles tiptop vorbereitet, wir müssen jetzt nicht in Hektik verfallen", sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier.

Neureuther sollte in Sotschi eine Medaille gewinnen - die erste eines deutschen Ski-Rennläufers seit 20 Jahren. Inzwischen aber geht es einzig und allein darum, ihn überhaupt an den Start zu bringen beim Riesenslalom am Mittwoch und beim Slalom am Samstag. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

"Ich werde alles probieren", versicherte Neureuther unmittelbar nach seiner Ankunft in Russland am Samstagabend. Probieren, hoffen: Zuversicht klingt ein bisschen anders. Es bleibt Neureuther nicht viel anderes übrig, als auf Aurachers magische Hände zu vertrauen.

Die Zerrung des Bandapparates im Nackenbereich, die Prellungen an den Rippen, die Schmerzen an der Wirbelsäule - all das kann Auracher lindern. Aber der Schwindel? "Ich habe schon mit schlimmeren Blessuren Rennen bestritten", sagte Neureuther.

Spritzen gegen die Schmerzen

Aber: Gegen seine mitunter höllischen Schmerzen am Rücken halfen Spritzen, auch gegen Probleme mit den Knien oder am Knöchel. Gegen ein Schleudertrauma gibt es keine Pillen.

Am Montag will Neureuther erstmals wieder frei Ski fahren, nach einem ersten Stangentraining am Dienstag dann entscheiden, ob er es am Mittwoch versucht. "Auf Biegen und Brechen" will er aber nicht antreten. "Es steht ja noch ein Slalom an, und da habe ich wesentlich größere Chancen." Auf eine Medaille, meinte er.

Neureuther scherzte und lachte viel im Pressezentrum von Krasnaja Poljana. Doch er wirkte auch ein wenig mitgenommen. Seine Kollegen Fritz Dopfer und Stefan Luitz, die neben ihm auf dem Podium saßen, nannten die Neuigkeit vom Freitag eine "Schocknachricht". Der Trubel, der sich hernach um Neureuther entspann, habe ihn aber mehr erschreckt als der Unfall selbst, meinte Neureuther. "Hallelujah! Wenn du Doppel-Olympiasieger wirst, ist nicht so viel los."

Olympiasieger. In Sotschi kann er es werden. Kann er? "Der Felix ist ein zäher Bursche, der steckt das schon weg", glaubt Maria Höfl-Riesch. Neureuther meinte in dem ihm eigenen Humor: "Jetzt hat es mir noch mal den Kopf durchgeschüttelt. Von daher bin ich jetzt wieder klar in der Birne." Ist es so einfach? Neureuther findet ja. "Der Traum", sagte er, "ist noch nicht ausgeträumt."

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