Freitag, 21.02.2014

Sportausschuss-Vorsitzende kritisiert DOSB

"Zweite deutliche Fehleinschätzung"

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im deutschen Bundestag, fordert angesichts des Abschneidens der deutschen Mannschaft in Sotschi ein Umdenken im deutschen Sport.

Dagmar Freitag ist unzufrieden mit der Zielvorgabe
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Dagmar Freitag ist unzufrieden mit der Zielvorgabe

Die Vorsitzende des Sportausschusses im deutschen Bundestag fordert eine konsequente Aufarbeitung des Abschneidens der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Sotschi. Dagmar Freitag (SPD) wünscht sich in diesem Zusammenhang erneut eine offene Diskussion über die Förderungsstruktur des deutschen Sports. Dabei könne es, betonte sie, auch nicht darum gehen, dass die Wünsche des DOSB einfach vorbehaltlos erfüllt würden.

Freitag hält in einem Gespräch mit dem "SID" auch das Verhalten des DOSB im Umgang mit Zielvorgaben für fragwürdig. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper habe "nach London 2012" bereits seine "zweite deutliche Fehleinschätzung" getroffen, als es darum gegangen sei, die Chancen der deutschen Athleten bei den Spielen in Sotschi zu beurteilen. "Da hieß seine klare Ansage: 30 Medaillen oder mehr." Auch 27 bis 42 Medaillen in einem sogenannten Korridor "hat er noch im Januar als realistisch bezeichnet".

Leistung soll weiter honoriert werden

Die von Vesper und DOSB-Präsident Alfons Hörmann eingeschlagene Linie, auch Finalplatzierungen zu würdigen, hält auch Freitag für richtig. "Hier muss ein Umdenken der Bewertung von Leistung und Erfolg stattfinden", betonte sie. "Allerdings", fügte sie hinzu, dürften Vespers Aussagen "nicht als Feigenblatt genommen werden, sich vor einer offenen Diskussion zu drücken, ob und wie wir das Spitzensportsystem effektiver machen können." Vespers Äußerungen vor Olympia hätten diese Einstellung "nicht erkennen lassen".

Freitag kündigte an, dass sich der Sportausschuss des Bundestages, der mehrheitlich von der Union bestimmt wird, nach den Olympischen Spielen "mit den Erwartungen und tatsächlichen Ergebnissen von Sotschi" beschäftigen wird. Sie wolle dabei auch Stimmen ernst nehmen, "die grundsätzliche Zweifel an der aktuellen Ausgestaltung der Sportförderung hegen". Die SPD-Politikerin plädiert für eine Neustrukturierung der Förderung: "Ich finde, dass es in der Tat Zeit ist, sich Gedanken zu machen."

Freitag stellte zu ihrem Bedauern fest, dass die Diskussionen über eine Neustrukturierung des deutschen Sport nicht in Gang kämen. "Wir stehen", sagte sie, "leider immer noch am Anfang einer wirklichen Debatte um das 'Was' und 'Wie' der Spitzensportförderung." Bereits nach den Olympischen Spielen im Sommer 2012 in London habe sie eine "ergebnisoffene Spitzensportförderung" gefordert - allerdings sei diese Initiative nicht erfolgreich gewesen: "Die Beharrungskräfte sind beachtlich", kritisierte Freitag.

Keine höhere Förderung

Im Zusammenhang damit lehnt es Freitag auch ab, die Förderung des deutschen Spitzensportes durch das Bundesministerium des Inneren zu erhöhen. Sie sei Innenminster Thomas de Maizière dankbar, "dass er deutlich gemacht hat, dass es in den Haushaltsberatungen nicht ausschließlich darum gehen kann, die Wünsche des DOSB nach mehr Geld zu erfüllen." Freitag fordert: "Es muss auch darum gehen, was mit diesen nicht unerheblichen Steuergeldern schlussendlich finanziert wird - und wie effektiv der Mitteleinsatz ist."

Das BMI unterstützt die Spitzensportförderung des DOSB derzeit in einem Volumen von 130 Millionen Euro. Der DOSB verteilt dieses Geld an seine Winter- und Sommersportverbände. Die Grundförderung der Verbände richtet sich derzeit nach der Anzahl der Wettbewerbe im olympischen Wettkampfprogramm (1 Teil), die Anzahl der tatsächlich nominierten Athletinnen bei den jeweils letzten beiden Olympischen Spielen (1 Teil) und der Anzahl der erreichten Medaillen für den jeweiligen Spitzenverband bei den vergangenen beiden Olympischen Spielen (3 Teile).

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