Donnerstag, 20.02.2014

Pussy Riot und Trauerflor-Verbot

Sotschi hält IOC auf Trab

Pussy-Riot-Proteste vor Olympischen Ringen und ein angeblich niemals ausgesprochenes Trauerflor-Verbot hielten am Donnerstag das IOC in Sotschi auf Trab. Bei den ausführlichen Stellungnahmen von Mediendirektor Mark Adams fielen auch Ungereimtheiten auf.

Mark Adams und Thomas Bach sind in Sotschi viel beschäftigt
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Mark Adams und Thomas Bach sind in Sotschi viel beschäftigt

Die Fernsehbilder vom gewaltsamen Vorgehen von Sicherheitskräften gegen die Aktivistinnen der russischen Punkband Pussy Riot in Sotschi hätten das Internationale Olympische Komitee "sehr beunruhigt", sagte Adams. Er betonte, dass man Informationen über den Zwischenfall angefordert habe, die Zuständigkeit aber nicht beim IOC liege. Der Gouverneur der Region Krasnodar habe sich bereits für die Vorgehensweise der Sicherheitskräfte entschuldigt.

Ungewöhnlich deutlich beantwortete Adams die Frage nach einer IOC-Einschätzung der Tatsache, dass die Band Pussy Riot im Video ihres neuesten Protestsongs ("Putin will dir Liebe zum Mutterland beibringen") vor den Olympischen Ringen zu sehen ist. "Es ist eine Schande, wie die Olympischen Spiele als politische Bühne missbraucht wurden", sagte Adams. Er erklärte, dass sich diese Einschätzung auf "beide Seiten" beziehe.

Übergriffe der Sicherheitskräfte

In dem Video, das auf "Youtube" zu sehen ist, dokumentierte die Band auch die Übergriffe der Sicherheitskräfte in Sotschi. Zivilpolizisten und eine Kosaken-Miliz hatten die Aktivistinnen angegriffen und unter anderem auch mit einer peitschenartigen Waffe geschlagen. Die oft in ihre nationale Tracht gekleideten Kosaken unterstützen im Süden Russlands häufig Polizisten in Zivilkleidung.

Gouverneur Alexander Tkatschew sagte: "Die Ideen dieser Gruppe werden von der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung nicht unterstützt. Dennoch sollten alle Schuldigen, die an diesem Vorfall beteiligt waren, bestraft werden." Er kündigte eine "sorgfältige Untersuchung" an. Zumindest eine öffentliche Entschuldigung gab es nicht.

Zutritt zum Park verwehrt

Am Donnerstag stellte die Punkband in Sotschi ihr neuestes Video vor. Anwesend war auch Jaka Bizilj, der Gründer der Stiftung "Cinema for Peace". Der Filmproduzent widersprach der Darstellung des IOC, dass die Pussy-Riot-Mitglieder nicht die Olympischen Spiele in Sotschi besuchen wollten. Mit dieser Aussage hatte das IOC mehrfach begründet, es sei in diesem Fall nicht zuständig.

Bizilj betonte jedoch, dass die Bandmitglieder sehr wohl Wettkämpfe verfolgen wollten, ihnen aber der Zutritt zum Olympia-Park in Sotschi verwehrt worden sei.

Auch in der Diskussion um ein mögliches Trauerflor-Verbot für die ukrainischen Starter in Sotschi tauchten Ungereimtheiten auf. In einer Stellungnahme des NOK der Ukraine, die noch am Donnerstag auf der Website des Verbandes stand, war ausdrücklich von einer Anfrage an das IOC bezüglich einer möglichen Trauerflor-Nutzung die Rede - und von einer negativen Reaktion des IOC.

Schweigeminute für Opfer

Adams interpretierte am Donnerstag die Ereignisse völlig anders. Bei einem "informellen Treffen" von IOC und NOK habe man "gemeinsam entschieden", dass es andere Möglichkeiten gebe, der Opfer der blutigen Auseinandersetzungen in Kiew zu gedenken. Daraufhin habe sich die Mannschaft entschlossen, eine Schweigeminute abzuhalten. Adams betonte: "Ihnen wurde nicht verboten, Armbänder zu tragen."

In der ersten Sotschi-Woche hatte das IOC die norwegische Delegation gerügt. Langläuferinnen hatten während eines Rennens Trauerflor getragen, um des toten Bruders einer Athletin zu gedenken. Die Reaktion des IOC entfachte in der Wintersportnation Norwegen einen Sturm der Entrüstung.

Mazoka zieht aus Protest zurück

Eine ukrainische Skirennläuferin und ihr Trainer haben wegen der Unruhen in ihrer Heimat den Sotschi-Spielen unterdessen den Rücken gekehrt. Bogdana Mazozka und ihr Vater und Trainer Oleg Mazozki wollen damit gegen die Vorgehensweise des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch protestieren.

Viele Menschen sind tot, ich kann in so einer Situation nicht starten", sagte Mazozka im ARD-Interview. Sie hatte in Sotschi am Super-G (Platz 27) und am Riesenslalom (Platz 43) teilgenommen und war noch für einen Start im Slalom am Freitag vorgesehen gewesen. Auf Facebook schrieb Mazozka, Janukowitsch habe "die letzten Hoffnungen der Nation in Blut ertränkt", statt den Konflikt in Verhandlungen zu lösen. Von einer angedachten vorzeitigen Heimreise sahen sie und ihr Vater jedoch ab.

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