Freitag, 07.02.2014

Erntezeit oder Ernüchterung

Deutsches Team will 30 Medaillen

Genug geredet, jetzt muss geliefert werden: Nach den wochenlangen Diskussionen um die Bedingungen am Schwarzen Meer und der hitzigen Debatte um die Fahnenträgerin steht ab Samstag endlich der Sport im Vordergrund. Das deutsche Olympiateam um Skistar Maria Höfl-Riesch strebt in der Medaillenwertung das Podium an, im Optimalfall winkt sogar die Spitzenposition - doch auch ein Absturz ist möglich.

Michael Vesper (l.) ließ von den deutschen Athleten schon ein wenig in Stimmung bringen
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Michael Vesper (l.) ließ von den deutschen Athleten schon ein wenig in Stimmung bringen

"Es muss schon alles optimal und perfekt laufen, um die 30 angestrebten Medaillen zu gewinnen", sagte die deutsche Fahnenträgerin Höfl-Riesch kurz vor Beginn der Wettbewerbe und sprach von "ehrgeizigen Zielen". Im Vorfeld der Winterspiele von Sotschi hatten sich der Deutsche Olympische Sportbund und die sieben Wintersportverbände in den sogenannten Zielvereinbarungen auf einen Korridor von 27 bis 42 Medaillen verständigt.

"Wir wollen das Ergebnis von Vancouver wiederholen und auf dem Treppchen der besten drei Nationen landen", konkretisierte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper zum Auftakt des russischen Abenteuers die Verbandsvorgaben.

Der Chef de Mission gab 30 Medaillen als Ziel aus. Exakt jenes Ergebnis also, mit dem die deutsche Mannschaft vor vier Jahren in Kanada Rang zwei im Medaillenspiegel erreicht hatte (10 Gold, 13 Silber, 7 Bronze). Erfolgreichste Wintersportnation war die deutsche Mannschaft zuletzt 2006 in Turin. Damals gewann Deutschland 29 Medaillen (11 Gold, 12 Silber, 6 Bronze).

DSV als Hoffnungsträger

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Größter Medaillenlieferant soll in Sotschi der Deutsche Skiverband werden, der in den Disziplinen Alpin, Nordische Kombination und Biathlon 15 Medaillen anvisiert. Als sicherste Bank gelten aber die deutschen Rodler, denen in Sotschi erstmals vier Goldmedaillen zuzutrauen sind. Insgesamt peilt der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) in Sotschi neun bis zwölf Mal Edelmetall an.

"Es gibt Sportarten da sind die Medaillen sowieso so gut wie fix gebucht. Wenn man mal beim Rodeln schaut, wie dominant die deutschen Rodler und auch die Bobpiloten teilweise im Weltcup unterwegs sind - da geht schon einiges", sagte Höfl-Riesch hoffnungsfroh. Rodel-Dominator Felix Loch könnte am Wochenende den deutschen Medaillenregen eröffnen. Im Eiskanal von Krasnaja Poljana macht der 24-Jährige Jagd auf seinen zweiten Olympiatitel nach Vancouver 2010.

Eisschnellauf in der Krise

Abstriche müssen dagegen wohl die Skilangläufer machen. Bei der WM 2013 gab es erstmals seit Jahren keine Medaillen bei einem Großereignis. Gut möglich, dass es auch in Sotschi so kommt. Und auch in den Eisdisziplinen sind die Erwartungen geschmolzen.

Im Eisschnelllauf, über Jahrzehnte hinweg eine sichere Goldbank, ist nicht mehr mit Gold zu rechnen. Die Altmeisterinnen Claudia Pechstein und Jenny Wolf könnten bei optimalem Verlauf allerdings dreimal Edelmetall holen.

"Die Konkurrenz hat aufgeholt. Die internationale Situation ist sehr viel schwieriger geworden", sagte Teamchef Vesper. Und auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière dämpfte vor dem Start der Spiele allzu große Erwartungen. Er wäre auch bei einem knappen Verfehlen des ausgegebenen Medaillenziels zufrieden. "Wenn es zwei, drei Medaillen weniger sind, sollten wir nicht den Stab brechen", sagte der CDU-Politiker dem "SID".


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