Olympia

Schummel-Vorwürfe gegen Ammann

SID
Errang Simon Ammann seine insgesamt dritte olympische Goldmedaille mit einer unerlaubten Bindung?
© Getty

Die Österreicher haben indirekt Schummel-Vorwürfe gegen Skisprung-Olympiasieger Simon Ammann erhoben. Gegen den Olympiasieg soll aber kein Protest eingelegt werden.

Cheftrainer Alexander Pointner kündigte vor der olympischen Großschanzen-Entscheidung am Samstag an, dass man eine raffinierte Weiterentwicklung an der Skibindung des Schweizers von der Jury prüfen lassen wolle.

"Die Österreicher haben uns wegen dieser Angelegenheit kontaktiert. Sie haben gesagt, dass sie mit der Sache in Kürze auch schriftlich an die Jury und die Öffentlichkeit gehen wollen", sagte Skisprung-Chef Walter Hofer vom Internationalen Skiverband FIS: "Die Entscheidung über den Sachverhalt liegt dann bei der Jury. Bis zum heutigen Tag gab es am Material keine Beanstandungen."

Das Streitobjekt ist ein gebogener Bindungszapfen, der dem Harry Potter des Skispringens nach Meinung der Österreicher Vorteile beim Flug verschafft. Auch Bundestrainer Werner Schuster unterstützt diese Auffassung.

"Ammann hat eine Veränderung an der Bindung vorgenommen, die ihm definitiv hilft", sagte der Österreicher und spricht von einer sehr geschickten Sache, die nur ein Topspringer wie Ammann umsetzen könne: "Es interessiert mich auch, ob das legal ist."

Pointner: "Keine Kleinigkeit"

Der dreimalige Olympiasieger Ammann springt mit dem kleinen Teil seit dem Weltcup in Klingenthal, den er überlegen gewonnen hatte. Auch bei der Normalschanzen-Entscheidung bei Olympia deklassierte er die sieggewohnten Österreicher. Die Austria-Adler sind wegen Ammans Überlegenheit sichtlich nervös geworden.

Am Dienstag fotografierte ein Pressemann des Österreichischen Verbandes das Streitobjekt. Cheftrainer Pointner will den Fall nun geklärt haben. "Natürlich ist es keine Kleinigkeit", sagte Pointner österreichischen Medien. Man habe selbst ein ähnliches Modell in der Schublade und es müsse geklärt werden, ob es eine Zulassung für die Neuentwicklung gebe.

Allerdings wolle man die Leistung von Ammann nicht schmälern, es gehe um die Zukunft und nicht die Vergangenheit. Ein Protest gegen den Olympiasieg von Ammann wird es also demnach nicht geben. Der Schweizer wollte auf die Vorwürfe am Mittwoch gar nicht näher eingehen.

Revanche für Ammanns Vorwürfe?

Sein Teamkollege und Weltmeister Andreas Küttel hatte den Bindungszapfen schon zu Saisonbeginn gesprungen, ist aber inzwischen wieder von dem Modell abgekommen.

Die Schummel-Vorwürfe könnten auch eine Retourkutsche auf Ammans Vorwürfe gegen die Österreicher sein.

Ammann hatte vor Olympia vermutet, dass seine Erzrivalen zu weite Sprunganzüge tragen und deshalb mehr Tragfläche zur Verfügung haben. Daraufhin maßen FIS-Experten kurz vor Olympia alle Springer noch einmal neu aus. Seitdem sind Austria-Adler nicht mehr so überlegen.

Martin Schmitt fliegt zur Bestweite

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