Olympia

Deutschland ist die Nummer eins

Von Alexander Mey / Florian Regelmann
Endlich das ersehnte Gold: Magdalena Neuner hatte auf dem Medals Plaza ihren großen Moment
© Getty

Es war der bislang beste Tag für das deutsche Team bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Dank der Goldmedaillen von Magdalena Neuner und Tatjana Hüfner hat sich Deutschland im Medaillenspiegel auf Position eins gesetzt. Hinzu kam weiteres Edelmetall durch Jenny Wolf und Natalie Geisenberger. Es gab aber noch sehr viel mehr Wissenswertes und Kurioses. Tag 5 der Olympischen Winterspiele im Überblick.

Souverän, souveräner, Neuner und Hüfner. Sowohl Magdalena Neuner als auch Tatjana Hüfner ließen auf dem Weg zu ihren Goldmedaillen gar nichts anbrennen. Neuner lief ein bärenstarkes Verfolgungsrennen und könnte in der aktuellen Form zum ganz großen deutschen Star der Spiele werden.

Hüfner dominierte die Rodel-Konkurrenz im dritten und vierten Lauf nach Belieben und siegte deutlich vor der Österreicherin Nina Reithmayer, die einen deutschen Doppelsieg verhinderte und noch vor Natalie Geisenberger blieb.

Eine Enttäuschung erlebte Eisschnellläuferin Jenny Wolf. Im 500-Meter-Rennen war sie eigentlich auf Gold gepolt, aber am Ende war die Südkoreanerin Lee Sang-Hwa einen Hauch schneller. Mickrige fünf Hundertstel fehlten Wolf zum Olympiasieg.

Am Mittwoch ruhen die deutschen Hoffnungen in erster Linie auf den Doppelsitzern und auf Maria Riesch, die sich in der Abfahrt dem ersten Duell mit Lindsey Vonn stellt.

Die Entscheidungen des Tages:

 

WettbewerbMeldung

Biathlon, Verfolgung der DamenNeuner gewinnt historisches Gold

Biathlon, Verfolgung der HerrenGold geht an Schweden

Eisschnelllauf, 500m der DamenNur Silber für Jenny Wolf

Rodeln, Einsitzer der DamenHüfner holt Gold, Geisenberger Bronze

Snowboardcross der DamenZweites Gold für Kanada

Was sonst noch wichtig war:

Curling: Die deutsche Herren-Mannschaft ist mit einem Sieg und einer Niederlage ins Turnier gestartet. Nach einem 7:5-Erfolg gegen die USA verlor das Team um Skip Andy Kapp gegen Kanada mit 4:9. Die deutschen Damen um Andrea Schöpp gewannen ihr Auftaktspiel gegen Russland mit 9:5.

Eishockey: Das größte Spektakel der Olympischen Spiele hat begonnen. Zum Auftakt setzte sich die USA mit 3:1 gegen die Schweiz durch. Die Kanadier schossen Norwegen nach anfänglichen Problemen noch mit 8:0 vom Eis. Die Russen um Alex Owetschkin feierten beim 8:2 gegen Lettland ebenfalls einen Kantersieg. Deutschland eröffnet das Turnier am Mittwoch gegen Schweden.

Eiskunstlauf: Nach dem Kurzprogramm hat Topfavorit Jewgeni Pluschenko wie erwartet die Führung übernommen, sein Vorsprung auf den Amerikaner Evan Lysacek und den Japaner Daisuke Takahashi ist aber nur minimal. Deutschlands Teilnehmer Stefan Lindemann liegt auf Rang 17.

Mann des Tages: John Daly

Dass John Daly auf dem Golfplatz nichts mehr zustande bringt, ist allseits bekannt. Aber was niemand wusste, ist, dass er jetzt bei den Olympischen Spielen in Vancouver für Norwegen im Curling antritt. Diesen Eindruck könnte man jedenfalls bekommen, wenn man sieht, was das Team vom norwegischen Skip Thomas Ulsrud für Beinkleider trägt. Richtig schöne Clownhosen mit rot-blau-weißen Karos - im John-Daly-Style! "Die Hosen der Norweger sind eher eine Vergewaltigung des guten Geschmacks als eine Medaille wert", schrieb die kanadische Presse entrüstet. Wir finden: Clowns an die Macht. So ein Farbtupfer hat noch keiner Veranstaltung geschadet. Sportlich haben sich die Hosen allerdings nicht als Glücksbringer erwiesen. Norwegen hat die ersten beiden Spiele verloren.

Frau des Tages: Callan Chythlook-Sifsof

Es war ein bedauernswertes Bild, das die junge Amerikanerin mit dem schönen Namen in der Snowboardcross-Qualifikation abgab. Sie jumpte nicht elegant über die Piste, sie fiel an so blöden Stellen hin, dass sie auf dem Board die Rampe raufkraxeln musste. Ach herrje. Die 21-Jährige versuchte sich irgendwie hoch zu schleppen, bis sie dann doch irgendwann die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens erkannte und aufgab. Die Medaillen waren für die junge Dame aus Alaska unendlich weit weg, aber wie sie ihre "Niederlage" wegsteckte, war bewundernswert. "Klar bin ich enttäuscht, aber ich habe so eine tolle Zeit hier. Es ist eine unglaubliche Erfahrung überhaupt dabei zu sein. Ich habe großen Spaß", sagte Chythlook-Sifsof. Überhaupt gehören die Snowboard-Bewerbe und ihre Teilnehmer bislang zu den großen Highlights der Spiele. Mehr Fun geht nicht.

Sprüche des Tages:

"Das ist einfach nur Wahnsinn! Den letzten Schuss habe ich zwar noch daneben gesetzt, aber dann habe ich mir gesagt: 'Du schaffst das jetzt, und wenn du auf der letzten Runde stirbst!'" (Magdalena Neuner nach ihrem Olympiasieg)

"Sie hat nicht Silber gewonnen, sondern Gold verloren, so einfach ist das. Seit geraumer Zeit besteht der 500-m-Sprint aus zwei Läufen. Ein guter reicht halt nicht aus." (Jenny Wolfs Trainer Thomas Schubert konnte sich nicht über die Silbermedaille freuen)

"Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Aber die Realität ist, dass das nicht passieren wird." (Bundestrainer Uwe Krupp vor dem Auftakt des olympischen Eishockey-Turniers)

"Es wird keinen Start von ihr geben, schon allein aus formaljuristischen Gründen nicht. Der Weltverband ISU hat 180 Startplätze bei Olympia, und das Kontingent ist ausgeschöpft, auch das der deutschen Mannschaft für die Teamrennen," (Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, über einen möglichen Start von Claudia Pechstein)

"Ich bin mir sicher, dass einige Jungs nervös waren. Das ist die große Bühne. Das ist Broadway." (Brian Burke, General Manager des US-Eishockey-Teams, nach dem 3:1-Auftaktsieg gegen die Schweiz)

Zahlen des Tages:

22 Minuten und 30 Sekunden dauerte es in der Begegnung zwischen Kanada und Norwegen, ehe der Canada Hockey Place zum ersten Mal so richtig kochte. Auf Pass von Sidney Crosby hämmerte Jarome Iginla den Puck ins Netz. Der Gastgeber siegte am Ende standesgemäß mit 8:0, jetzt haben die Olympischen Spiele "wirklich" begonnen.

15 Sekunden zu langewurde die Schwedin Anna-Carin Olofsson vor dem Jagdrennen in der Startbox festgehalten. Der Kanadier Jean Philippe Leguellec wurde dagegen 30 Sekunden zu früh auf die Strecke geschickt. Der Grund für das Chaos: Völlig ahnungslose Kampfrichter.

122 Goldmedaillen hat Deutschland nun in der Geschichte der Olympischen Winterspiele gewonnen - und damit Russland überholt und Platz eins im ewigen Medaillenspiegel übernommen.

800 Doping-Analysen wurden bislang ausgewertet, aber es herrscht weiter Ruhe an der Dopingfront. Bisher wurden insgesamt 1072 Proben genommen, davon 864 außerhalb und 208 innerhalb der Wettkämpfe. In diesen Zahlen sind 280 Bluttests enthalten. Insgesamt sind bei Olympia rund 2000 Tests geplant

28.000 Fans müssen draußen bleiben. Die Organisatoren haben erneut viele Eintrittskarten wegen Sicherheitsbedenken für ungültig erklärt. Bei den Snowboard- und Freestyle-Events werden die unbefestigten Stehplatzbereiche nicht geöffnet. Dem OK entsteht ein Schaden in Höhe von 1,4 Millionen kanadischen Dollar (979.000 Euro).

Vorschau auf Tag 6

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