Olympia

Wasserfilm ab für Schöpp, Kapp & Co.

SID
Freitag, 05.02.2010 | 23:49 Uhr
Wäre das End an diese Stelle abgeschlossen, so gäbe es zwei Punkte für Team Gelb
© Getty

Als eine der ältesten Sportarten der Welt wurde Curling erst 1998 ins olympische Programm aufgenommen. In diesem Winter könnte es mit einer deutschen Medaille klappen. Gerade das Frauen-Team um Skip Andrea Schöpp darf sich berechtigte Hoffnungen auf Edelmetall machen.

Der siebte Europameister-Titel hat Andrea Schöpp hungrig gemacht. Die große alte Dame im deutschen Curling-Sport will zwölf Jahre nach ihrem ersten Auftritt auf olympischem Eis in Vancouver endlich eine richtige Medaille.

Gold hatte sie zwar bereits 1992 in Albertville gewonnen, doch da war das "Schach auf dem Eis" wie 1988 in Calgary nur Demo-Wettbewerb. Schöpp freute sich zwar auch damals über den Sieg, doch so wirklich zählt der nicht.

Das will der Skip vom SC Riessersee an der kanadischen Westküste nun nachholen. Dass sie immer noch siegen kann, hatte Andrea Schöpp Anfang Dezember bei der EM in Aberdeen bewiesen, wo sie im Finale gegen Titelverteidiger Schweiz triumphierte.

Schöpp führt junges Team an

Mutig kündigte sie nach dem Coup an: "Jetzt soll eine olympische Medaille her. In Vancouver kann jeder jeden schlagen."

Schöpp kann in Vancouver wieder auf ihr junges Team bauen. Nesthäkchen ist die dann gerade erst 17-jährige Stella Heiß, Tochter des ehemaligen deutschen Eishockey-Nationaltorhüter Peppi Heiß, für die mit der Teilnahme ein Traum in Erfüllung ging.

Ebenfalls im Team: die 20 Jahre alte Corinna Scholz, die in Aberdeen debütiert hatte. "Ich freue mich unglaublich für meine sehr junge Mannschaft", sagte Andrea Schöpp, die mit ihrer ganzen Erfahrung den Konterpart spielt.

Auch für Ralph Schneider, den Sportdirektor des Deutschen Curling-Verbandes (DCV) ist für Andrea Schöpp in Kanada alles möglich: "Wir fahren absolut selbstbewusst nach Vancouver. Wenn alles super läuft, können wir da eine Medaille holen."

Curling, die Uralt-Sportart

Dies gilt auch für Andy Kapp. Mit seinem Füssener Team will der Skip endlich auch auf olympischer Bühne überzeugen. 1998 in Nagano und auch 2006 in Turin hatte er nur Rang acht belegt, seine eigenen hohen Erwartungen damit bei weitem nicht erfüllt.

Die Generalprobe in Aberdeen missglückte dem Routinier mit dem sechsten Platz ebenfalls, vielleicht ein gutes Zeichen für den zweimaligen Europameister und Vizeweltmeister von 2007.

In Vancouver gehört der uralte Sport mit schottischen Wurzeln zum vierten Mal zum olympischen Programm. Der erste datierte Curlingstein stammt aus dem Jahr 1511, der erste schriftliche Bericht über ein Curlingspiel in Latein aus der Paisley-Abtei nahe Glasgow von 1541.

Der älteste heute noch existierende Curlingclub wurde 1668 in Kinross gegründet, der erste Landesverband 1838, er erhielt vier Jahre später von Queen Victoria das Privileg "Royal".

So funktioniert das Spiel

Jeweils zehn Teams dürfen bei den Winterspielen starten. Zu den Regeln: Auf dem Eis stehen sich zwei Teams mit je vier Spielern gegenüber, die abwechselnd immer in der gleichen Reihenfolge je zwei Steine über die 44,50 m lange Bahn spielen.

Jede Mannschaft verfügt pro Durchgang (End) über insgesamt acht Steine aus Granit mit je 20 Kilo Gewicht. Aufgabe ist es, möglichst viele Steine näher als der Gegner an den Mittelpunkt eines Kreises (House) mit 3,66 m Durchmesser heranzubringen.

Gezählt werden die Steine, welche dem Zentrum näher liegen, als der beste Stein des Gegners. Jedes Team wird durch den Mannschaftsführer (Skip) geleitet. Dieser bestimmt die Taktik und spielt in der Regel die letzten beiden Steine. Durch das Wischen mit einem Besen und der dadurch entstehenden Wärme wird ein dünner Wasserfilm erzeugt.

Damit kann die Laufdauer des Steins verlängert werden. Die Steine werden aus schottischen oder walisischem Granit hergestellt. Das Spielfeld wird Rink genannt.

Alle Entscheidungen der Winterspiele im Überblick

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