Rogge: Krisentreffen nach Sturz-Festival

SID
Sonntag, 21.02.2010 | 08:45 Uhr
Jacques Rogge (r.) mit dem Onkel und Trainer von Nodar Kumaritaschwili, Felix Kumaritaschwili
© Getty

Jacques Rogge hat genug von dem Trauerspiel im Eiskanal. Der IOC-Präsident schaltet sich nach dem Sturz-Festival jetzt höchstpersönlich ein und wird das Gespräch mit dem Bob- und Rodel-Weltverband suchen, "damit so etwas in Zukunft nicht noch einmal passiert".

Der tödliche Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili und zahlreiche Horror-Stürze der Bob-Piloten im Whistler Sliding Centre haben einen Schatten auf die Olympischen Winterspiele geworfen. "Wir werden alle Schritte veranlassen, die notwendig sind", sagte Rogge. Ein Krisentreffen ist für April angedacht.

Auch Thomas Bach will die schlimmen Bilder von der Eisrinne in Zukunft nicht mehr sehen. "Im Rennsport kann man zwar nie eine hundertprozentige Sicherheit garantieren, aber es gilt das Risiko zu minimieren", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Reihenweise stürzende Bobs haben erneut die Kritiker auf den Plan gerufen und zu skurrilen Szenen geführt. Als im Training der Frauen die als stark sturzgefährdet geltende Japanerin Manami Hino unbeschadet das Ziel erreichte, jubelten Helfer und Sanitäter ihr zu.

Langen übt Kritik

Angesichts der erschreckenden Bilder erneuerte der frühere Weltklassepilot Christoph Langen seine Kritik. "Es muss Bahnen geben, die auch von schwächeren Piloten gut zu beherrschen sind. Jeder Sturz, der passiert, ist nicht kontrollierbar. Bei jedem Sturz besteht die Gefahr einer Verletzung, das ist es nicht wert", sagte der Doppel-Olympiasieger.

Beim Männer-Wettbewerb gerieten in den ersten beiden Läufen gleich vier Schlitten aus der Spur, darunter der Bob der kanadischen Gold-Hoffnung Lyndon Rush. Auch Michael Klingler (Liechtenstein), John Jackson (Großbritannien) und Jeremy Rolleston (Australien) erreichten das Ziel mit ihrem Schlitten auf der Seite liegend.

"Da zieht es einem die Schuhe aus"

Die Unfälle gingen meist glimpflich aus, außer Hautabschürfungen blieben alle Piloten und Anschieber unverletzt. Besonders Kurve 13, von den Fahrern nur Fifty-Fifty genannt, bereitet große Probleme. "Da zieht es einem die Schuhe aus. Das ist echt irre", sagte Olympiasiegerin Sandra Kiriasis von der RSG Hochsauerland.

Nach 14 teils gefährlich aussehenden Stürzen im Training der Männer hatte der Schweizer Daniel Schmid als erster Pilot kapituliert und auf den ersten Olympiastart seiner Karriere verzichtet. Die Gesundheit sei ihm wichtiger, als lebensmüde die Bahn runterzudonnern, sagte Schmid.

Sein Anschieber Jürg Egger hatte bei einem Sturz leichte Verletzungen an der Halswirbelsäule erlitten. Der Schweizer Europameister Beat Hefti konnte wegen einer leichten Gehirnerschütterung und Prellungen nach einem Trainingsunfall nicht starten.

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