Samstag, 20.02.2010

Olympia 2010

Bob und Rodeln: Trauerspiel im Eiskanal

Die olympischen Wettkämpfe im Eiskanal von Whistler entwickeln sich immer mehr zu einem Trauerspiel. Seit dem Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili geht es in und an der gefährlichsten Bahn der Welt drunter und drüber.

Andre Lange trotzte der Kontroversen und fuhr im 2er-Bob-Training Bestzeit
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Andre Lange trotzte der Kontroversen und fuhr im 2er-Bob-Training Bestzeit

Zu allem Überfluss darf ab Samstag im Frauen-Rennen auch noch eine Mannschaft mitfahren, die in einer Fernseh-Show gecastet wurde. Dabei haben schon Routiniers Schwierigkeiten.

Der Schweizer Daniel Schmid kapitulierte am Freitag nach einer Fortsetzung der Unfallserie und verzichtet auf einen Olympia-Start: "Die Gesundheit ist mir wichtiger, als lebensmüde die Bahn runterzudonnern", sagte er. Zuvor war bei einem Sturz sein Anschieber Jürg Egger verletzt und per Hubschrauber ins Krankenhaus nach Vancouver gebracht worden.

"Er hat eine Verletzung an der Halswirbelsäule. Es ist aber keine schwere Verletzung. Er ist in Ordnung und kann schon wieder selber gehen", sagte der Schweizer Teamarzt Christian Schlegel.

"Das war ein Fahrfehler von mir", räumte Schmid unterdessen ein, "aber die Bahn verzeiht keine Fehler. Das ist das Problem. Einer musste mal hingehen und sagen: halt, stop."

Die besten Bilder von Tag 8 in Vancouver
Fans von der Insel sind immer vorne dabei. Diese Ritter der Kokosnuss feuern die Britin Amy Williams im Skeleton an
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Und das mit Erfolg: Amy Williams rutscht souverän zur Goldmedaille. Die Plätze dahinter belegten die Deutschen Kerstin Szymkowiak und Anja Huber
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Und das mit Erfolg: Amy Williams rutscht souverän zur Goldmedaille. Die Plätze dahinter belegten die Deutschen Kerstin Szymkowiak und Anja Huber
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Wer hat hier wohl die Hosen an? Die Ungarn Nora Hoffmann und Maxim Zavozin beim Eistanz
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Keinen Schwächeanfall, sondern einen Teil ihres Programms führt hier die Britin Penny Coomes vor. Ihr Partner Nicholas Buckland hat alles fest im Griff
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Keinen Schwächeanfall, sondern einen Teil ihres Programms führt hier die Britin Penny Coomes vor. Ihr Partner Nicholas Buckland hat alles fest im Griff
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Hoffen und Bangen pur im Lager von Vanessa Crone und Paul Poirier nach ihrem Auftritt. Auch das Publikum steht hinter dem kanadischen Paar
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Hoffen und Bangen pur im Lager von Vanessa Crone und Paul Poirier nach ihrem Auftritt. Auch das Publikum steht hinter dem kanadischen Paar
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So sieht Marit Bjoergens Dank an die Service-Leute aus. Die Norwegerin siegte in der 15-km-Verfolgung der Damen in souveräner Manier
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Und so sehen alle drei Medaillengewinner aus: In der Mitte Bjoergen, links Anna Haag (Schweden, Silber), rechts Justyna Kowalczyk (Polen, Bronze)
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Und so sehen alle drei Medaillengewinner aus: In der Mitte Bjoergen, links Anna Haag (Schweden, Silber), rechts Justyna Kowalczyk (Polen, Bronze)
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Rumms, da fallen sie wieder. Im Super-G der Herren erwischte es zunächst den Italiener Peter Fill
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Rumms, da fallen sie wieder. Im Super-G der Herren erwischte es zunächst den Italiener Peter Fill
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Fill rutschte etwas unorthodox über die Ziellinie. Ebenfalls schwer gestürzt ist der Schwede Patrik Jaerbyn
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Fill rutschte etwas unorthodox über die Ziellinie. Ebenfalls schwer gestürzt ist der Schwede Patrik Jaerbyn
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Jaerbyn wurde von der Piste erst einmal ins Krankenhaus gebracht. Doch er hat sich offenbar nicht schwer verletzt
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Jaerbyn wurde von der Piste erst einmal ins Krankenhaus gebracht. Doch er hat sich offenbar nicht schwer verletzt
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So muss man über die Ziellinie fahren, wenn man sich Olympiasieger nennen will
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Aksel Lund Svindal feierte nach Silber in der Abfahrt diesmal den ganz großen Triumph. Bode Miller wurde Zweiter
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Curling: Erinnerungen an Oli Kahn werden wach. Deutschlands Skip Andrea Schöpp brüllte umsonst. Gegen Großbritannien gab es eine Pleite
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Eishockey: Die deutsche Gruppe in Aktion. Schweden traf zunächst auf Weißrussland. Deutschland später auf Finnland
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Und es wurde ein harter Fight für die Schweden um Fredrik Modin (M.), die am Ende aber knapp mit 4:2 gewannen
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Skispringen: Postkarten-Wetter in Whistler. Beste Bedingungen für die Qualifikation auf der Großschanze
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Bester war in der Quali der Japaner Noriaki Kasai mit 142,5 Metern. Die Favoriten hatten aber viel weniger Anlauf als er
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Simon Ammann blieb vom Streit um seine angeblich illegale Bindung unbeeindruckt und flog auf 140 Meter
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Verständnis von Angerer

Der deutsche Pilot Karl Angerer äußerte Verständnis für den schockierten Kollegen. "Die Bahn ist irrsinnig schnell. Man darf wirklich keinen Fahrfehler machen. Respekt für die Piloten, die sagen, mir ist die Sicherheit meiner Leute wichtiger als ein Olympiastart."

Auch der Schweizer Europameister Beat Hefti startet am Samstag nicht. Der 32-Jährige hatte bei einem Sturz am Donnerstag Prellungen am ganzen Körper und eine Gehirnerschütterung erlitten und musste für das Training am Freitag passen.

"Wenn man so eine schwierige Bahn hat, dann muss gewährleistet sein, dass man Vorkehrungen trifft, dass alle Athleten die Bahn auch beherrschen", sagte der deutsche Verbandspräsident Andreas Trautvetter - ungeachtet des Maulkorbs, den der Weltverband FIBT verhängt hat, um öffentliche Kritik am Eiskanal und den Geschehnissen im Tal hinter Whistler zu verhindern.

Der zweimalige Olympiasieger und ehemalige Weltklassepilot Christoph Langen sagt unverblümt:"Die FIBT ist schuld."

Gecastete Bobfahrerinnen

Eine große Gefahr könnten auch die am Samstag beginnenden Trainingsläufe im Frauen-Zweierbob werden. Zu viele unerfahrene Athletinnen rasen den gefährlichen Hochgeschwindigkeitskurs runter.

Darunter Ex-Speerwerferin Elfje Willemsen mit Anschieberin Eva Willemack: Die Belgierinnen bewarben sich bei einer TV-Show, in der es um die Gründung eines Bobteams ging. Sie gewannen - und erfüllten sich nach einigen Starts im Europa- und Weltcup ihren olympischen Traum, der vom TV-Sender auf Schritt und Tritt begleitet wird.

Astrid Loch-Wilkinson und Cecilia McIntosh aus Australien klagten sich kurzfristig über den Internationalen Sportgerichtshof CAS als 21. Team ins Starterfeld ein. Aufgrund einer FIBT-Quotenregel darf jeder Kontinent bei Olympia mit einem Männer- und Frauen-Team vertreten sein.

Maulkorb von der FIBT

Die FIBT versuchte zwischenzeitlich, Trainer und Athleten mit einem Maulkorb zum Schweigen bringen, setzte für die Frauenbobs und den Männer-Wettbewerb zusätzliche Trainingsläufe an und spielte die Gefahr herunter. Für den Maulkord-Erlass erntete der Weltverband Hohn und Spott.

"Das ist lächerlich, dass man gestandenen Trainern das Mundwerk verbieten lassen will", sagte der deutsche Sportdirektor Thomas Schwab.

Übrigens: In Whistler soll 2013 die Rodel-WM stattfinden. Doch die Zukunft der für umgerechnet 75 Millionen Euro erbauten Bahn steht nach den Vorfällen bei Olympia in den Sternen.

Bob-Weltverband FIBT sorgt für Eklat


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