Olympia

Springreiter-Team erlebt Debakel

SID
Janne-Friederike Meyer und Lambrasco sind mit dem deutschen Springreiter-Team ausgeschieden
© Getty

Debakel für die deutschen Springreiter: Die Mannschaft um Marcus Ehning schied im Teamwettbewerb auf Platz zehn bereits nach dem ersten Umlauf sang- und klanglos aus.

Mit insgesamt zwölf Fehlerpunkten auf dem Parcours im Greenwich Park war die einstige und ersatzgeschwächt angetretene "Grande Nation" chancenlos.

Sydney-Olympiasieger Ehning (Borken) auf Plot Blue, Janne-Friederike Meyer (Schenefeld) auf Lambrasco und Christian Ahlmann (Marl) auf Codex Onehatten leisteten sich jeweils einen Abwurf - dies summierte sich.

Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen), das zweijährige Töchterchen Brianne-Victoria winkte ihr begeistert zu, kassierte mit Bella Donna acht Fehlerpunkte ein. Sie kam als schlechteste der vier Deutschen gar nicht in die Wertung.

"Glück hat uns verlassen"

"Das ist eine Riesenenttäuschung. Aber ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Es ist schon beim CHIO in Aachen nicht mehr gelaufen. Das Glück hat uns verlassen", sagte Otto Becker. Der Bundestrainer war vor zwölf Jahren beim letzten deutschen Olympiasieg im Preis der Nationen dabei. Nach Bronze 2004 gab es nun wie vor vier Jahren in Peking keine Medaille.

Ebenso überraschend wie das Aus für die deutschen Reiter war die Führung des Teams aus Saudi-Arabien mit Prinz Abdullah Al Saud. Keiner der vier Reiter riss eine Stange, lediglich ein Strafpunkt für eine Zeitüberschreitung handelten sich die Saudis ein. "Geld macht doch Medaillen", kommentierte der deutsche Disziplintrainer Heinrich Hermann Engemann.

"Pferd noch im Mittagsschlaf"

Die Mannschaften aus Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, Schweden (alle 4), Kanada (5), Brasilien, den USA (beide 8) übersprangen die Qualifikationshürde. Mexiko (10) als Neunter schied ebenfalls aus. Kein Mitglied des deutschen Teams schaffte eine fehlerfreie Runde auf einem nicht allzu schwierigen Parcours mit 13 Hindernissen, der aber durch seine zu reitende Linie einige Tücken besaß.

"Ich weiß, wie schwer der Sport sein kann. Damit, dass es so schnell geht, haben wir nicht gerechnet", sagte Michaels-Beerbaum, die Vierte der Einzelwertung von 2008. Ein enttäuschter Ehning meinte: "Das war nicht mein Tag. Ich hatte das Gefühl, mein Pferd wäre noch im Mittagsschlaf."

Mit Ludger Beerbaum, Carsten-Otto Nagel, Marco Kutscher und Philipp Weishaupt fehlten vier detusche Topleute in London. Ihre Pferde waren krank oder nicht in Form.

Trio im Einzel noch dabei

Michaels-Beerbaum, Ehning und Meyer dürfen weiter im Einzelwettbwerb teilnehmen. Für Ahlmann, dem eigentlich am höchsten eingeschätzten Reiter, ist hingegen Olympia komplett zu Ende. Denn auch schon der erste Wettkampftag am Samstag war mit einem Rückschlag geendet.

Ahlmann kassierte auf einem Kurs, der als sehr einfach bezeichnet wurde und den 32 Reiter fehlerfrei meisterten, 15 Fehlerpunkte und schied als 69. von 75 Teilnehmern im Einzel aus.

Nachdem Codex One den Sprung über ein Hindernis verweigert hatte, benutzte Ahlmann die Peitsche. Dafür bekam er am Wochenende harsche Kritik in Internetforen. Aber Becker verteidigte den Reiter: "Es gab keine Beanstandung durch die Ground Jury." Ahlmanns Berufung in den Kader war vom Deutschen Tierschutzbund gerügt worden. Vor vier Jahren in Hongkong war bei Ahlmanns Pferd Cöster die verbotene, schmerzmildernde Substanz Capsaicin gefunden worden, was eine Sperre von acht Monaten nach sich zog.

Die internationalen Beobachter reagierten überrascht auf den kollektiven Schwächeanfall des deutschen Teams wie bei Olympia 2008, als sich das Team ebenfalls nicht platzieren konnte. Aber dennoch galt Deutschland noch als Macht im Springsport. 2004 holte das Team Bronze, davor gab es dreimal Gold 1988, 1996 und 2000.

"Wir hatten viele Ausfälle. Das hat uns schon hart getroffen", sagte Becker, als die Mannschaft in London eingetroffen war, und glaubte da noch: "Unser Team ist dennoch stark genug für eine Medaille." Am Sonntag wurde er tief enttäuscht eines Besseren belehrt.

Olympia 2012: Der Medaillenspiegel

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