Olympia

"Viele Leute verwechseln Wunsch und Wille"

SID
So jubelt ein mehrfacher Olympiasieger: Markus Weise führte Frauen und Männer zu Gold
© Getty

Hockey-Bundestrainer Markus Weise hat beim Erfolg der deutschen Männer in London bereits seinen dritten Olympiasieg nacheinander gefeiert. 2004 in Athen führte er die Frauen zum Olympiasieg, vor vier Jahren in Peking die Männer. Im "dapd"-Interview an Bord der "MS Deutschland" berichtet er über den Charakter seiner Mannschaft, außergewöhnliche Vorbereitungsmethoden und seine persönliche Motivation.

Frage: Markus Weise, Sie haben etwas Einmaliges im deutschen Sport geschafft; sie sind als Trainer zum dritten Mal nacheinander Olympiasieger geworden. Was bedeutet Ihnen das?

Markus Weise: Diese Zahl spielt für mich keine Rolle. Wenn wir nicht gewonnen hätten, wäre ich auch nicht von Bord gesprungen. Was mich stolz macht, ist die Leistung der Mannschaft. Die Jungs haben hart gearbeitet und es geschafft, bei den entscheidenden Spielen gegen zwei absolute Topteams zuzulegen. Es war wie in Peking wieder eine Mannschaft, die den unbedingten Willen hatte, das Spiel zu gewinnen. Viele Leute verwechseln Wunsch und Wille.

Frage: Sie trainieren das Team seit sechs Jahren, wie schaffen sie es immer wieder, die Mannschaft optimal einzustellen und in Form zu bringen?

Weise: Man muss immer wieder einen neuen Ansatzpunkt suchen, um die gleichen Dinge zu sagen. Diesmal haben wir zum Beispiel vor dem Finale mit Fingerpuppen gearbeitet. Die Mutter unseres Teampsychologen hat für jeden Spieler eine Puppe gebastelt. Die haben wir am Finaltag eingesetzt. Die Spieler hatten eine kreative Aufgabe, sie sollten sich in Sechser-Gruppen ein Rollenspiel oder Sketch ausdenken, damit haben sie sich gedanklich auf das Endspiel vorbereitet.

Frage: Im Team standen noch zehn Spieler, die schon in Peking Gold gewonnen haben. Ist das nicht eine recht hohe Anzahl?

Weise: Ja. Aber diese Mannschaft ist mehr als eine Interessengemeinschaft. Die liegen auf einer Wellenlänge und haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Auch wenn man sich mal nervt. Grundsätzlich wollen alle hundertprozentig das Gleiche.

Frage: Unmittelbar nach dem Sieg in Peking sprachen Sie davon, die Mannschaft sei bereits Geschichte. Wie ist es jetzt?

Weise: Genauso. Es geht immer wieder neu los. Einige Spieler wie Matthias Witthaus und Timo Wess hören auf. Ich werde demnächst zur U-21-EM fahren, um mir die Spieler der nächsten Generation anzuschauen. Wer von denen ist interessant für die Champions Trophy Ende des Jahres. Ich will schon für die Zukunft sichten. Es geht immer weiter und wieder neu von vorne los.

Frage: Sie sprechen mit dem Hockeybund über eine Vertragsverlängerung, was ist ihr innerer Ansporn nach diesen Erfolgen?

Weise: Es ist richtig, ich schaue Richtung 2016. Mein Ansporn sind nicht die Goldmedaillen, mich motiviert die Gruppe und die Frage, was kann ich aus ihr herausholen. Wenn ich das nicht mehr spannend finde, kann ich den Job nicht mehr machen. Das könnte in vier Jahren so sein. Aber ich weiß es nicht.

Der Medaillenspiegel im Überblick

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