Samstag, 11.08.2012

Hockey-Nationaltorwart Max Weinhold im Interview

"Wir müssen mit dem Rücken zur Wand stehen"

Deutschlands Hockey-Männer kämpfen im Olympia-Finale gegen die Niederlande um Gold. Torwart Max Weinhold war 2008 im Halbfinale zwischen den beiden in Peking der große Held. Im SPOX-Interview vor dem erneuten Clash startet er den Trashtalk, erklärt die Vorrunden-Niederlage, beschreibt den Weckruf des Turniers und die Gala-Vorstellung gegen Australien im Halbfinale.

Der Held im Kasten: Christopher Zeller dankt Torhüter Max Weinhold
© Getty
Der Held im Kasten: Christopher Zeller dankt Torhüter Max Weinhold

SPOX: Glückwunsch zum Finaleinzug! Im Kampf um Gold geht es wieder gegen die Niederlande. Gegen die haben Sie in der Vorrunde 1:3 verloren.

Max Weinhold: In diesem Vorrundenspiel waren wir vom Kopf her nicht hundertprozentig da. Wir haben unseren Plan nicht vollständig umgesetzt und uns die eine oder andere Nachlässigkeit geleistet. Da haben dann eben mal die entscheidenden 30 Zentimeter im Zweikampf gefehlt, um das Schlimmste zu verhindern. Mit dem Sieg gegen die Australier haben wir aber genau den richtigen Schritt gemacht. Da waren wir kämpferisch und spielerisch auf den Punkt voll da. Jetzt wissen wir, dass wir es drauf haben. Wenn wir die gleiche Leistung wieder abrufen, dann können wir die Niederländer schlagen.

SPOX: Wie konnte es denn dazu kommen, dass Sie das Gruppenspiel gegen die Niederlande nicht vollkommen ernst genommen haben?

Weinhold: Nach unseren drei Siegen zu Beginn haben die Ergebnisse der anderen Teams zu der Konstellation geführt, dass wir quasi schon durch waren. Das hatte einen psychologischen Einfluss auf uns. Wir hatten nicht mehr das Bewusstsein, das Spiel gegen die Niederländer mit vollem Einsatz unbedingt gewinnen zu müssen. Wir sind aber ein Team, das den Druck braucht. Wir müssen mit dem Rücken zur Wand stehen. Dann machen wir unsere besten Spiele.

SPOX: Geht das denn so leicht, den Schalter dann wieder umzulegen und ein so überragendes Spiel gegen Weltmeister Australien zu machen?

Weinhold: Ich glaube, die erste Halbzeit im letzten Gruppenspiel gegen Neuseeland war ein Weckruf für uns. Wir haben genauso gespielt wie gegen die Niederlande und lagen 2:5 zurück. Dann haben wir uns aber zusammen gerauft und uns gesagt, dass wir dieses Spiel auf keinen Fall abschenken wollen, auch wenn wir schon sicher im Halbfinale stehen. Und wir haben tatsächlich dank einer überragenden Mannschaftsleistung noch das 5:5 geschafft. Das hat uns noch einmal einen richtigen Schub gegeben.

SPOX: Der hat sich gegen Australien dann ja perfekt ausgezahlt.

Weinhold: Da war der Fokus ganz klar. Wir waren hoch konzentriert und von unseren Trainern perfekt vorbereitet. Einen so starken Gegner, der in der Vorrunde die eine oder andere Mannschaft deklassiert und in den letzten Jahren alles gewonnen hat, so unter Druck zu setzen und zu besiegen - das war die vielleicht beste Leistung, die eine Nationalmannschaft, in der ich dabei war, je gebracht hat.

SPOX: Sind Sie deshalb nun Favorit für das Finale?

Weinhold: Die Niederländer wissen auf jeden Fall jetzt, wie stark wir sind. Wir wissen das umgekehrt von ihnen aber auch. Sie schweben auf einer Erfolgswelle. Das hat man nicht zuletzt bei ihrem 9:2-Kantersieg im Halbfinale gegen Großbritannien gesehen. Vielleicht sehen sie sich deshalb und wegen ihres Sieges gegen uns in der Vorrunde sogar im Vorteil. Aber das ist nur gut für uns, denn Hochmut kommt schließlich vor dem Fall.

SPOX: Da geht der Trashtalk schon los. Ist die Rivalität zwischen Deutschen und Niederländern im Hockey genauso groß wie im Fußball?

Weinhold: Die ist auf jeden Fall da. Das heißt nicht, dass wir uns untereinander anfeinden, aber auf dem Platz sind wir große Rivalen. Umso schöner ist es dann auch, gegen sie zu gewinnen.

SPOX: Gerade Sie wissen ganz genau, wie man wichtige Spiele gegen die Niederlande gewinnt. 2008 waren sie im Sieben-Meter-Schießen im olympischen Halbfinale in Peking der große Held.

Weinhold: Toi, toi, toi, meine Erinnerungen an die Niederlande sind bei großen Turnieren bisher durchweg positiv. Das soll auch so bleiben. Wie jeder Spieler gehe auch ich vor dem Spiel noch einmal positive Momente aus der Vergangenheit durch, um mir die mentale Stärke für die Partie zu holen. Das macht aber jeder individuell, dazu brauchen die Trainer nichts mehr zu sagen.

SPOX: Etwas hat Bundestrainer Markus Weise als Psychospritze aber doch gesagt: "Im Finale gilt es für jeden, die Entscheidung zu treffen, ob man Zweiter sein möchte oder doch lieber Erster werden." Was wählen Sie?

Weinhold: Na ganz klar: Ich will Erster werden!

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Für SPOX in London: Alexander Mey

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