Olympia

Kim Andersson und der schwedische Final-Fluch

SID
Andersson (l.) feiert mit seinen Kollegen: Gegen Frankreich soll endlich Gold her
© Getty

Kim Andersson kennt sich aus in der Sportgeschichte. Daher antwortet der 29-jährige Handballprofi auf die Frage, womit ein Olympiasieg für seine Schweden vergleichbar wäre, sofort: "Das wäre wie 1980, als die Amerikaner die Sowjets im Eishockey geschlagen haben."

Der 27:26-Sieg im Halbfinale gegen Ungarn markiert den vorläufigen Endpunkt der sensationellen Wiederauferstehung des Teams vom Trainerduo Staffan Olsson und Ola Lindgren. Im Finale am Sonntag (16.00 Uhr) will die Überraschungsmannschaft gegen Titelverteidiger Frankreich, der Kroatien mit 25:22 bezwungen hatte, ihre Leistung vergolden.

"Wenn wir in einen Lauf kommen, dann können wir jeden schlagen", sagt Andersson, der im Sommer den THW Kiel verlassen hatte. Der Weg, den die Schweden in den letzten zwei Monaten gegangen sind, beschreibt ein kleines sportliches Märchen. Im Juni noch scheiterten sie in den Playoffs für die WM 2013 mit einem Tor an Montenegro, einem Handball-Zwerg. "Danach haben wir mehr miteinander gesprochen als Trainingseinheiten absolviert", erzählt Teammanager Stefan Lövgren, "alle haben sich so richtig ausgekotzt."

Schweden verlor seit 1992 drei Olympia-Endspiele

Am Ende dieses reinigenden Prozesses steht nun das Olympia-Finale. Ein weiterer Sieg, und in der Heimat wären endgültig alle historischen Bezüge zu den "Bengan-Boys" erledigt. Der Vergleich mit dem großen Team von Trainer Bengt Johansson, das 1992, 1996 und 2000 im olympischen Finale stand. Und stets verlor.

Andersson, der gegen Ungarn mit seiner Torgefährlichkeit und spektakulären Assists herausragte, hat oft auch gegen diese Geschichte gespielt. Die schwedischen Medien hatten in ihm den legitimen Nachfolger des ehemaligen Spielers Staffan Olsson gesehen. "Manchmal konnte ich die Erwartungen erfüllen, manchmal nicht", sagt Andersson heute.

Das Problem sei oft gewesen, dass die Mitspieler die Verantwortung allein an Andersson abgegeben hätten, sagt Lövgren. Heute sei das anders. Alle Profis seien mutig und entschlossen, so wie Kim Ekdahl Du Rietz, der gegen Ungarn den entscheidenden Ball ins Netz drosch. "So hat es Andersson viel leichter, seine überragenden Fähigkeiten einzusetzen", sagt Lövgren.

Für Andersson hat der Finaleinzug einen ähnlichen Stellenwert wie die drei Champions-League-Siege mit dem THW Kiel. "Die Voraussetzungen beim THW Kiel sind besser, der Klub ist gedopt mit großen Spielern", sagt Andersson. "Ich habe alles gewonnen mit dem THW, aber in der Nationalmannschaft war es immer sehr schwer."

Wiedersehen mit Narcisse und Omeyer

Erschwerend kommt für Andersson, Fredrik Petersen und Niklas Ekberg nun hinzu, dass die berufliche Existenz nach der Insolvenz ihres Vereins AG Kopenhagen unklar ist. "Wir haben alle gesagt, wir fokussieren uns auf Olympia und danach sehen wir weiter", sagte Andersson, der beim Abschied aus Kiel versprochen hatte, nie bei einem Klub südlich von Kiel zu spielen.

Am Ende dieses olympischen Märchens steht nun eine Begegnung mit zwei Freunden vom THW Kiel. Mit Rückraum-Star Daniel Narcisse. Und mit Torwart Thierry Omeyer, dem überragenden Mann im Halbfinale gegen Kroatien. Wer davon profitiert, sich in- und auswendig zu kennen, zählt zu den spannenden Fragen des Sonntags.

Der Medaillenspiegel im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung