Freitag, 07.09.2012

Wirbel um Kniegelenk von Popow

Czyz wirft Teamkollegen Technik-Doping vor

Der viermalige Paralympics-Sieger Wojtek Czyz hat seinem Teamkollegen und Gold-Favoriten Heinrich Popow Technik-Doping vorgeworfen. "Es kann nicht sein, dass ein Athlet Bauteile hat, an die niemand anderes bei den Paralympics herankommt. Das, was Heinrich macht, ist für mich das Paradebeispiel für technisches Doping", wetterte Czyz am Freitag nach dem 100-Meter-Vorlauf in der Mixed-Zone. Der Vorlaufschnellste Popow wiegelt ab: "Das ist alles Humbug. Das sind die alten Psychospielchen von Wojtek".

In Athen 2004 holten Wojtek Czyz (r.) und Heinrich Popow Gold und Bronze über 200m
© Getty
In Athen 2004 holten Wojtek Czyz (r.) und Heinrich Popow Gold und Bronze über 200m

Wojtek Czyz ist immer für eine Schlagzeile gut. Egal, um welches Thema es geht, der oberschenkelamputierte Leichtathlet hat meist etwas zu sagen - selten ist es positiv. Während der laufenden paralympischen Spiele wetterte er bereits gegen eine unfaire Prämienausschüttung und das undifferenzierte Klassifizierungssystem.

Immer ging es dabei gegen das System, persönliche Vorwürfe waren dem 32-Jährigen bislang fremd. Bis zum Freitagmorgen, als Czyz nach dem Vorlauf über die 100 Meter Teamkollege Heinrich Popow technisches Doping vorwarf.

"Das ist alles Humbug"

"Es kann nicht sein, dass ein Athlet Bauteile hat, an die niemand anderes bei den Paralympics herankommt. Das, was Heinrich macht, ist für mich das Paradebeispiel für technisches Doping", sagte Czyz, der mit 12,53 Sekunden nur zehn Hundertstel langsamer war als Popow. Der Kaiserslauterer bezog sich damit auf ein verbessertes Kniegelenk, das angeblich nur dem Silbermedaillengewinner von Peking zur Verfügung gestanden hätte.

"Das ist alles Humbug. Das sind die alten Psychospielchen von Wojtek", sagte der Angegriffene im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd: "Wenn er das braucht, kann er das gerne so machen - alles was mich interessiert, ist der Sport."

Die größten Athleten der olympischen Spiele
18 Mal Gold: Michael Phelps ist der König des Wassers
© Getty
1/22
18 Mal Gold: Michael Phelps ist der König des Wassers
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten.html
Die gesamte Olympia-Ausbeute von Michael Phelps: 18 Mal Gold, zwei Mal Silber, zwei Mal Bronze - absolut unerreicht!
© Getty
2/22
Die gesamte Olympia-Ausbeute von Michael Phelps: 18 Mal Gold, zwei Mal Silber, zwei Mal Bronze - absolut unerreicht!
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=2.html
Der US-Amerikaner Alfred Adolf "Al" Oerter Jr. gewann insgesamt viermal olympisches Gold - zum ersten Mal 1956 in Melbourne
© Getty
3/22
Der US-Amerikaner Alfred Adolf "Al" Oerter Jr. gewann insgesamt viermal olympisches Gold - zum ersten Mal 1956 in Melbourne
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=3.html
"The flying dutchmam" Fanny Blankers-Koen gewann ebenfalls viermal Gold. Damit ist sie eine der erfolgreichsten Olympionikinnen aller Zeiten
© Getty
4/22
"The flying dutchmam" Fanny Blankers-Koen gewann ebenfalls viermal Gold. Damit ist sie eine der erfolgreichsten Olympionikinnen aller Zeiten
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=4.html
Bob Beamon gelang bereits 1968 der "Sprung ins 21. Jahrhundert". Sein Weltrekord von 8,90 Metern hielt 23 Jahre
© Getty
5/22
Bob Beamon gelang bereits 1968 der "Sprung ins 21. Jahrhundert". Sein Weltrekord von 8,90 Metern hielt 23 Jahre
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=5.html
Sie ist die erfolgreichste deutsche Olympionikin: Birgit Fischer. Die Kanutin gewann insgesamt acht Goldmedaillen
© Getty
6/22
Sie ist die erfolgreichste deutsche Olympionikin: Birgit Fischer. Die Kanutin gewann insgesamt acht Goldmedaillen
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=6.html
Carl Lewis ist der Leichtathlet des Jahrhunderts. Insgesamt räumte der Sprinter und Weitspringer neunmal Gold bei Olympia ab
© Getty
7/22
Carl Lewis ist der Leichtathlet des Jahrhunderts. Insgesamt räumte der Sprinter und Weitspringer neunmal Gold bei Olympia ab
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=7.html
Mit zarten 14 Jahren holte Nadia Comaneci die Bestnote und damit Gold am Stufenbarren - ihr Leben ist mittlerweile sogar verfilmt
© Getty
8/22
Mit zarten 14 Jahren holte Nadia Comaneci die Bestnote und damit Gold am Stufenbarren - ihr Leben ist mittlerweile sogar verfilmt
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=8.html
122 Mal in Folge ungeschlagen beim 400-Meter-Hürdenlauf zwischen 1977 und 1987: der US-Amerikaner Edwin Moses.
© Getty
9/22
122 Mal in Folge ungeschlagen beim 400-Meter-Hürdenlauf zwischen 1977 und 1987: der US-Amerikaner Edwin Moses.
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=9.html
Florence Griffith-Joyner sprintete 1988 in Weltrekordzeit zum Olympiasieg über 100 Meter. Die Dominatorin starb 1998 im Alter von 38 Jahren
© Getty
10/22
Florence Griffith-Joyner sprintete 1988 in Weltrekordzeit zum Olympiasieg über 100 Meter. Die Dominatorin starb 1998 im Alter von 38 Jahren
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=10.html
Jenny Thompson konnte nie eine Einzel-Goldmedaille gewinnen. Mit der Staffel holte sie insgesamt acht Goldene
© Getty
11/22
Jenny Thompson konnte nie eine Einzel-Goldmedaille gewinnen. Mit der Staffel holte sie insgesamt acht Goldene
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=11.html
Der vielleicht schnellste Mann der Welt: Michael Johnson lief über 400 Meter Weltklassezeiten wie am Fließband und holte fünfmal olympisches Gold
© Getty
12/22
Der vielleicht schnellste Mann der Welt: Michael Johnson lief über 400 Meter Weltklassezeiten wie am Fließband und holte fünfmal olympisches Gold
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=12.html
Kornelia Ender startete für die DDR und holte viermal olympisches Gold - davon zwei Medaillen innerhalb nur einer halben Stunde
© Getty
13/22
Kornelia Ender startete für die DDR und holte viermal olympisches Gold - davon zwei Medaillen innerhalb nur einer halben Stunde
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=13.html
Larissa Semjonowna Latynina gewann für die ehemalige Sowjetunion 18 Medaillen bei olympischen Spielen
© Imago
14/22
Larissa Semjonowna Latynina gewann für die ehemalige Sowjetunion 18 Medaillen bei olympischen Spielen
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=14.html
Siebenmal Gold 1972 in München, siebenmal mit Weltrekord: Der US-Amerikaner Mark Spitz stellte insgesamt 22 Weltrekorde auf
© Getty
15/22
Siebenmal Gold 1972 in München, siebenmal mit Weltrekord: Der US-Amerikaner Mark Spitz stellte insgesamt 22 Weltrekorde auf
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=15.html
Der finnische Schweiger Nurmi Paavo ist zusammen mit Carl Lewis der erfolgreichste Teilnehmer bei Olympia aller Zeiten
© Getty
16/22
Der finnische Schweiger Nurmi Paavo ist zusammen mit Carl Lewis der erfolgreichste Teilnehmer bei Olympia aller Zeiten
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=16.html
Sechsmal Gold in Seoul: Kristin Otto ist die erfolgreichste deutsche Schwimmerin bei Olympischen Spielen
© Getty
17/22
Sechsmal Gold in Seoul: Kristin Otto ist die erfolgreichste deutsche Schwimmerin bei Olympischen Spielen
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=17.html
James Cleveland "Jesse" Owens gewann als erster Sportler vier Goldmedaillen bei Olympia, nämlich 1936 über 100m, 200m, im Weitsprung und 4x100m
© Getty
18/22
James Cleveland "Jesse" Owens gewann als erster Sportler vier Goldmedaillen bei Olympia, nämlich 1936 über 100m, 200m, im Weitsprung und 4x100m
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=18.html
Mit Ahlerich holte Rechtsanwalt Dr. Reiner Klimke sechs Goldmedaillen im Dressurreiten
© Getty
19/22
Mit Ahlerich holte Rechtsanwalt Dr. Reiner Klimke sechs Goldmedaillen im Dressurreiten
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=19.html
"The human frog" Ray Ewry gewann im Standweitsprung, Standdreisprung und Standhochsprung insgesamt zehnmal Gold
© Getty
20/22
"The human frog" Ray Ewry gewann im Standweitsprung, Standdreisprung und Standhochsprung insgesamt zehnmal Gold
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=20.html
Fünfmal Gold in fünf aufeinander folgenden Olympischen Spielen: Ruderer Sir Steve Redgrave
© Getty
21/22
Fünfmal Gold in fünf aufeinander folgenden Olympischen Spielen: Ruderer Sir Steve Redgrave
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=21.html
Der Volksheld der Tschechoslowakei: Langstreckenläufer Emil Zatopek holte 1952 in Helsinki dreimal Gold. Er zum "Athleten des Jahrhunderts" gewählt
© Getty
22/22
Der Volksheld der Tschechoslowakei: Langstreckenläufer Emil Zatopek holte 1952 in Helsinki dreimal Gold. Er zum "Athleten des Jahrhunderts" gewählt
/de/sport/diashows/0805/Olympia/Groesste-Athleten/groesste-athleten,seite=22.html
 

In der Tat ist schwer nachzuvollziehen, wie das mit dem Kniegelenk denn nun war. Das Unternehmen, welches Popow Priorität bei der Materialausgabe gewährt haben soll, dementierte jedenfalls Czyzs Vorwürfe: "Das ist ein modifiziertes Serienprodukt, dass jedem Athleten zur Verfügung steht", sagte Rüdiger Herzog, Pressesprecher des Prothesenherstellers ottobock.

Inwieweit Popow als charismatischer Werbeträger des Duderstädter Unternehmens Vorzüge vor dem als "Enfant terrible" bekannten Czyz erhält, bleibt somit vorerst reine Spekulation des Geschassten.

Keine Entschärfung der Lage

Der deutsche Chef de Mission versuchte die Gemüter derweil zu beruhigen. "Die Leistungen der beiden Athleten waren heute überragend, beide kämpfen offen um Gold. Da entscheiden andere Dinge als ein Kniegelenk über Sieg oder Niederlage", sagte Karl Quade der dapd.

Allerdings bemängelte er den "denkbar ungünstigen Zeitpunkt" der Kritik - "noch dazu teamintern". Der Teamchef gab außerdem zu bedenken, dass "Oscar Pistorius nach den 200 Metern auch eine Diskussion über zu lange Prothesen vom Zaun gebrochen hat, bei der er nachher wieder zurückstecken musste."

"Es ist eine Grauzone"

Vor den Finals am Freitagabend sah es im deutschen Athletenlager indes nicht nach einer Entschärfung der Lage aus. Czyz betonte, dass er und auch Sprinterin Vanessa Low vor Monaten das Modell angefragt, aber nicht bekommen hätten. "Das verstößt zwar nicht gegen die Regel, aber es ist eine Grauzone und ein unlauterer Vorteil", sagte der 32-Jährige.

So unpassend der Zeitpunkt der Vorwürfe also auch gewesen sein mag, er bringt zusätzliches Feuer in die ohnehin bereits mit Hochspannung erwarteten 100-Meter-Finals um Punkt 22.00 Uhr deutscher Zeit.

"Trotz des Vorteils will ich ihm im Finale schön in den Arsch treten", kündigte Czyz an. Popow, der sich vor dem Start nicht in eine Diskussion verwickeln lassen wollte, konterte die Vorwürfe postwendend: "Meine Antwort gebe ich ihm im Finale."

Eines sollte man bei all dem Wirbel allerdings bedenken: Bereits 2011 holte Popow Sprintgold bei der Weltmeisterschaft in Christchurch - trotz "normalen" Kniegelenks.


Diskutieren Drucken Startseite
Get Adobe Flash player

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.