Olympia

Hey Dream Team, was war denn da los?

Von Alexander Mey
LeBron James hatte auf dem Feld seinen Spaß. Die Fans auf den Rängen offenbar nur bedingt
© Getty

Erste Begegnung von SPOX-Redakteur Alexander Mey mit dem Dream Team beim Spiel gegen Tunesien (Endstand 110:63). Viele Legenden und Horrorgeschichten rankten sich um deren Auftritte. Die bestätigten sich aber nicht. Im Gegenteil: Es herrschte Ernüchterung.

Was für ein Abend! Endlich Dream Team! Zum ersten Mal! Horrorgeschichten haben sie mir erzählt, wie völlig überfüllt alles sein soll. Ich habe es ansatzweise beim ersten Spiel gegen die Franzosen selbst erlebt, als ich zu spät kam und nicht mehr in die wegen Überfüllung geschlossene Halle gekommen bin.

In der Mixed Zone sollen sich tumultartige Szenen um die zwölf Stars des Teams USA abgespielt haben. Menschentrauben um Kobe, LeBron und Co.

Für die Trainings des Dream Teams muss man sich offiziell anmelden. Dann bekommt man vielleicht einen Besucherpass zugeteilt und darf sich über eine Audienz freuen. Der Zugang der Medien zu den beiden Spielen gegen Litauen und Argentinien wurde auch schon so radikal limitiert, dass deutsche Journalisten de facto keine Chance haben, die Partien in der Halle zu sehen.

Mit dem Schlimmsten gerechnet - und enttäuscht

Das waren meine Vorkenntnisse, als ich zum Spiel gegen Tunesien (Endergebnis: USA siegen 110:63) aufgebrochen bin. Zwei Stunden früher als nötig. Ich habe die Gelegenheit genutzt, mir vorher noch Frankreich gegen Argentinien anzuschauen - ist ja auch nicht ganz so schlecht...

Da saß ich nun und wartete auf den Ansturm an Journalisten, auf das ultimative Chaos, auf Faustkämpfe um die letzten Sitzplätze, auf eine Halle, die aufgrund der Ekstase der 12.000 Fans aus allen Nähten zu platzen droht.

Und dann? Pöff. Rohrkrepierer. Ein laues Lüftchen. Oder anders formuliert: Hey Dream Team, was war denn da los?

US-Boys lassen Tunesier mitspielen

Die Stimmung war schon im Spiel Frankreich vs. Argentinien nicht der ganz große Brüller, aber immerhin haben einige Hardcore-Franzosen-Fans die Halle am Ende ein wenig gerockt.

Beim Dream Team roch es dann aber die meiste Zeit doch sehr verdächtig nach Operetten-Publikum. Der Zirkus war ja schließlich in der Stadt und das Volk wollte unterhalten werden.

Das passierte in der ersten Halbzeit nicht. Die US-Boys spielten fahrig, machten in der Offense viele leichte Fehler und hatten mal so gar keinen Bock auf Defense. Entsprechend eng gestalteten die tapferen Olympia-Debütanten aus Tunesien das Spiel. Ihre Treffer wurden mindestens genauso bejubelt wie die der eigentlich besten Spieler dieses Planeten.

Letzte Minuten vor halbleeren Rängen

An der dürftigen Stimmung konnten noch nicht einmal die Red Foxes etwas ändern. Elf bestens gebaute, mit langen blonden Mähnen ausgestattete ukrainische Tänzerinnen. Da kann doch etwas nicht stimmen!

Und von wegen Journalisten-Wahnsinn. Neben mir auf der Pressetribüne war sogar noch ein Platz frei! Und es wurden sogar noch mehr, je näher das Spielende rückte. Nicht nur die Journalisten gingen in Scharen, auch die normalen Fans, die viel Geld für ihre Karten bezahlt haben.

In den letzten Minuten der zugegebenermaßen höchst einseitigen zweiten Halbzeit spielten LeBron James, Carmelo Anthony, Chris Paul und all die anderen Superstars des Basketballs vor halbleeren Rängen. Nicht gerade ein adäquates Ambiente für ein Dream Team.

Bryant nimmt Briten in Schutz

"Basketball ist hier in Großbritannien nicht ganz so populär", versuchte sich Bryant in der ebenfalls alles andere als überfüllten Mixed Zone an einer Erklärung. Grundsätzlich stellte er aber fest: "Ich hatte das Glück, mit den Lakers einige Preseason-Spiele hier auszutragen. Daher weiß ich, dass eine gewisse Leidenschaft für den Sport existiert."

Vielleicht lag die an diesem Abend offenbar fehlende Leidenschaft auch daran, dass die Partie erst m 22.15 Uhr Ortszeit begann und ziemlich genau um Mitternacht endete. Mitten in einer Arbeitswoche wollen sich das vielleicht nicht viele Leute antun - Dream Team hin oder her.

Zuschauer-Diskussion in England

In England geistert ohnehin eine Diskussion durch die Medien, warum trotz angeblich vergriffener Karten in den Stadien und Hallen so viele Plätze leer bleiben.

Ich konnte diesen Eindruck bisher nicht bestätigen, weil die Events, bei denen ich vor Ort war, immer sehr gut besucht waren. Einzige Einschränkung waren vielleicht die Schwimm-Wettbewerbe.

Vom Journalisten zum Fanboy

Aber meine Dream-Team-Premiere hat mich in Sachen Atmosphäre nicht überzeugt. Wenngleich ich nicht leugne, die Handvoll Alley-Oops von Anthony Davis oder die krachenden Dunks von James und Russell Westbrook genossen zu haben.

Und natürlich das Glück, in der angeblich so überfüllten Mixed Zone ganz nah an LeBron und Kobe herangekommen zu sein.

Das weckt sogar in einem erfahrenen Journalisten noch einmal den kleinen Fanboy.

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