Zwischen Himmel und Hölle

Von Bastian Strobl
Sonntag, 22.07.2012 | 20:40 Uhr
Cathy Freeman konnte ihren Erfolg in Sydney im ersten Moment kaum realisieren
© Imago
Advertisement
International Champions Cup
Do26.07.
Topspiele pur: FCB - Juve, BVB - Benfica & City - Reds
World Matchplay
World Matchplay: Tag 3
MLB
Twins @ Blue Jays
MLB
Yankees @ Rays
MLB
Diamondbacks @ Cubs
MLB
White Sox @ Angels
World Matchplay
World Matchplay: Tag 4
MLB
Red Sox @ Orioles
MLB
Yankees @ Rays
MLB
Diamondbacks @ Cubs
MLB
White Sox @ Angels
Jiangxi Open Women Single
WTA Nanchang: Tag 3
Club Friendlies
Leicester -
Akhisarspor
MLB
Yankees @ Rays
MLB
Dodgers @ Phillies
World Matchplay
World Matchplay: Tag 5
UEFA Champions League
Ajax -
Sturm Graz
Club Friendlies
Huddersfield -
Lyon
Club Friendlies
Marseille -
Real Betis
Matchroom Boxing
Dillian Whyte vs Joseph Parker: Public Workout (DELAYED)
MLB
Red Sox @ Orioles
International Champions Cup
Juventus -
FC Bayern München
International Champions Cup
Borussia Dortmund -
Benfica
International Champions Cup
Man City -
Liverpool
International Champions Cup
AS Rom -
Tottenham
MLB
White Sox @ Angels
International Champions Cup
AC Mailand -
Man United
Moscow Ladies Open Women Single
WTA Moskau: Tag 4
Jiangxi Open Women Single
WTA Nanchang: Tag 4
International Champions Cup
Atletico Madrid -
Arsenal
Matchroom Boxing
Dillian Whyte vs Joseph Parker: Pressekonferenz (DELAYED)
World Matchplay
World Matchplay: Tag 6
Club Friendlies
Blackburn -
Everton
MLB
White Sox @ Angels
MLB
Royals @ Yankees
MLB
Twins @ Red Sox
MLB
Athletics @ Rangers
Copa Sudamericana
San Lorenzo -
Temuco
Jiangxi Open Women Single
WTA Nanchang: Viertelfinale
Moscow Ladies Open Women Single
WTA Moskau: Viertelfinale
Matchroom Boxing
Dillian Whyte vs Joseph Parker: Weigh-In (DELAYED)
BB&T Atlanta Open Men Single
ATP Atlanta: Viertelfinale
Club Friendlies
Arminia Bielefeld -
SV Werder Bremen
World Matchplay
World Matchplay: Tag 7
MLB
Royals @ Yankees
MLB
Twins @ Red Sox
MLB
Blue Jays @ White Sox
MLB
Mariners @ Angels
Jiangxi Open Women Single
WTA Nanchang: Halbfinale
J1 League
Kobe -
Kashiwa
J1 League
Tosu -
Iwata
Moscow Ladies Open Women Single
WTA Moskau: Halbfinale
CSL
Jiangsu -
Shandong Luneng
International Champions Cup
Arsenal -
PSG
Club Friendlies
FC St. Pauli -
Stoke
Matchroom Boxing
Dillian Whyte vs Joseph Parker
MLB
Royals @ Yankees
International Champions Cup
Benfica -
Juventus
World Matchplay
World Matchplay: Halbfinale
International Champions Cup
Chelsea -
Inter Mailand
BB&T Atlanta Open Men Single
ATP Atlanta: Halbfinale
MLB
Cubs @ Cardinals
International Champions Cup
Man United -
Liverpool
International Champions Cup
FC Bayern München -
Man City
MLB
Twins @ Red Sox
MLB
Mariners @ Angels
International Champions Cup
FC Barcelona – Tottenham
Jiangxi Open Women Single
WTA Nanchang: Finale
CSL
Guangzhou Evergrande -
Chongqing
Moscow Ladies Open Women Single
WTA Moskau: Finale
Club Friendlies
Groningen -
SV Werder Bremen
Allsvenskan
AIK -
Kalmar
MLB
Royals @ Yankees
MLB
Twins @ Red Sox
World Matchplay
World Matchplay: Finale
IndyCar Series
Honda Indy 200
MLB
Mariners @ Angels
BB&T Atlanta Open Men Single
ATP Atlanta: Finale
MLB
Cubs @ Cardinals
International Champions Cup
PSG -
Atletico Madrid
MLB
Phillies @ Red Sox
MLB
Indians @ Twins
MLB
Blue Jays @ Athletics
MLB
Brewers @ Dodgers
Bank of the West Classic Women Single
WTA San Jose: Tag 2
Citi Open Women Single
WTA Washington: Tag 2
MLB
Orioles @ Yankees
MLB
Angels @ Rays
MLB
Phillies @ Red Sox
International Champions Cup
Man United -
Real Madrid
MLB
Indians @ Twins
International Champions Cup
Tottenham -
AC Mailand
International Champions Cup
FC Barcelona -
AS Rom
J1 League
Cerezo Osaka -
Kobe
MLB
Orioles @ Yankees
MLB
Indians @ Twins
Bank of the West Classic Women Single
WTA San Jose: Tag 3
UEFA Champions League
Sturm Graz -
Ajax
Citi Open Women Single
WTA Washington, D.C.: Tag 3
Club Friendlies
Southampton -
Celta Vigo
International Champions Cup
Arsenal -
Chelsea
International Champions Cup
Benfica -
Lyon
MLB
Angels @ Rays
MLB
Royals @ White Sox
CSL
Beijing Guoan -
Hebei CFFC
MLB
Angels @ Rays
Bank of the West Classic Women Single
WTA San Jose: Tag 4
Citi Open Women Single
WTA Washington, D.C.: Tag 4
Copa Sudamericana
Sao Paulo -
Colon Santa Fe
MLB
Yankees @ Red Sox
Los Cabos Open Men Single
ATP Los Cabos: Viertelfinale
NFL
Bears @ Ravens
MLB
Padres @ Cubs
MLB
Brewers @ Dodgers
Auckland Darts Masters
Auckland Darts Masters: Tag 1
FIVB Beach Volleyball World Tour
Wien: Tag 4
Club Friendlies
West Ham -
Angers
Citi Open Women Single
WTA Washington, D.C.: Viertelfinale
MLB
Padres @ Cubs
Club Friendlies
Brighton -
Sporting
Bank of the West Classic Women Single
WTA San Jose: Viertelfinale
Championship
Reading -
Derby County
MLB
Angels @ Indians
MLB
Yankees @ Red Sox
Los Cabos Open Men Single
ATP Los Cabos: Halbfinale
MLB
Astros @ Dodgers
Auckland Darts Masters
Auckland Darts Masters: Viertelfinale
FIVB Beach Volleyball World Tour
Wien: Tag 5
League One
Sunderland -
Charlton
Championship
Ipswich -
Blackburn
Club Friendlies
Everton -
Valencia
Club Friendlies
Wolverhampton -
Villarreal
Championship
Sheffield Utd -
Swansea
Club Friendlies
Liverpool -
Napoli
International Champions Cup
Inter Mailand -
Lyon
MLB
Padres @ Cubs
Citi Open Women Single
WTA Washington, D.C.: Halbfinale -
Session 1
Bank of the West Classic Women Single
WTA San Jose: Halbfinale -
Session 1
MLB
Yankees @ Red Sox
International Champions Cup
Real Madrid -
Juventus
MLB
Angels @ Indians
MLB
Royals @ Twins
International Champions Cup
AC Mailand -
FC Barcelona
Citi Open Women Single
WTA Washington, D.C.: Halbfinale- Session 2
World Championship Boxing
Sergey Kovalev -
Eleider Alvarez
Bank of the West Classic Women Single
WTA San Jose: Halbfinale -
Session 2
Los Cabos Open Men Single
ATP Los Cabos: Finale
Auckland Darts Masters
Auckland Darts Masters: Halbfinale & Finale
J1 League
FC Tokyo -
Kobe
FIVB Beach Volleyball World Tour
Wien: Tag 6 -
Session 1
Allsvenskan
Hammarby -
Trelleborg
FIVB Beach Volleyball World Tour
Wien: Tag 6 -
Session 2
Championship
Leeds -
Stoke
MLB
Angels @ Indians
MLB
Reds @ Nationals
MLB
Padres @ Cubs
Bank of the West Classic Women Single
WTA San Jose: Finale
Citi Open Women Single
WTA Washington, D.C.: Finale

Der Countdown zu den Olympischen Spielen in London läuft. Am 27. Juli startet die Jagd auf Goldmedaillen. Zahlreiche Sportler sind auf dieser Jagd zu Legenden geworden, weil ihr Weg zu Gold besonders spektakulär, dramatisch oder kurios war. SPOX blickt in den kommenden Wochen auf die aus sportlicher Sicht zehn größten Momente der Olympia-Geschichte zurück. Teil 8: Cathy Freemans Gold-Lauf in Sydney 2000.

"Der Lauf unseres Lebens!" Als wären die meterhohen Plakate mit ihrem Konterfei am Flughafen und im kompletten Stadtgebiet nicht genug gewesen, setzte der "Sydney Morning Herald" mit seiner Schlagzeile am 25. September 2000 noch eins drauf.

Spätestens damit wurde auch dem letzten Besucher klar: Das 400-Meter-Finale der Frauen war mehr als ein normales Rennen. Es war DAS Rennen. Für die Australier. Für die Aborigines. Für ein ganzes Land. Und natürlich für Cathy Freeman.

Man hatte damals den Eindruck, dass die kompletten Spiele ohne ihr Olympia-Gold nichts wert gewesen wären. Sie musste einfach gewinnen. Wer mag schon ein Märchen ohne Happy End?

Das Politikum Freeman

Doch Freeman war nicht nur das Gesicht der Spiele. Sie wurde auf Grund ihrer Vergangenheit zum Politikum. In ihren Adern fließt syrisches, chinesisches und englisches Blut. Doch es sind ihre Aborigine-Wurzeln, auf die sie vor allem stolz ist.

"Meine Abstammung bedeutet mir alles. Ich fühle die ganze Zeit für mein Volk", sagte Freeman 1990. Um diese Verbindung zu verstehen, muss man sich die Stellung der Ureinwohner vor Augen führen. Jahrzehntelang wurden die Aborigines in Australien diskriminiert, verfolgt und bedroht.

Ihre Großmutter gehörte zur sogenannten "gestohlenen Generation". Zu jener Zeit wurden den Aborigines ihre eigenen Kinder weggenommen, die wiederum bei weißen Familien aufwachsen mussten.

"Ich kenne meinen Großvater nicht. Ich habe nie meine Urgroßmutter kennengelernt. Das werde ich nie vergessen. Dafür ist der Schmerz zu groß. Und ich bin nicht die Einzige, die so fühlt", so Freeman.

Kampf gegen Rassismus

Dass diese Offenheit auch zu Anfeindungen führen kann, erfuhr sie am eigenen Leib. Gerade zu Beginn ihrer Läuferkarriere hatte sie häufig mit rassistischen Beleidigungen zu kämpfen.

Doch Freeman blieb ihrer Überzeugung treu. Auch 1994. Nach ihrem Triumph bei den Commonwealth Games schwenkte sie auf ihrer Ehrenrunde sowohl die australische als auch die Flagge der Aborigines.

"Für mich war das keine große Sache. Ich wollte den Leuten einfach mal die Fahne zeigen, von der jeder gehört hat, die aber die wenigsten gesehen haben", betonte Freeman im Anschluss.

Die Offiziellen sahen das anders und tadelten die damals 21-Jährige. Doch Freeman konnte es sich leisten, denn ihr Talent war unbestritten. Bereits als 16-Jährige konnte sie als erste Aborigine Gold bei den Commonwealth Games gewinnen.

Duell mit Marie-Jose Perec

Über die nächsten Jahre duellierte sich Freeman über die Stadionrunde vor allem mit Marie-Jose Perec. In Atlanta 1996 hatte die Französin die Nase vorne. Bei den Weltmeisterschaften 1997 und 1999 behielt Freeman die Oberhand.

Dementsprechend groß waren die Erwartungen, als die Olympischen Spiele in Sydney unaufhaltsam näher rückten. Doch nicht nur auf der Tartanbahn sollte Freeman Großes leisten.

Sie sollte eine Brücke darstellen zwischen den Ureinwohnern und der weißen Bevölkerung. Woran unzählige Politiker in den Jahrzehnten zuvor gescheitert waren, das sollte nun eine Sportlerin schaffen.

"Sie steht für die Versöhnung zwischen den farbigen und weißen Einwohnern", erklärte David Rowe, Professor an einer australischen Universität, kurz vor den Spielen.

"Es war unglaublich traumatisch"

Wie fühlt es sich wohl an, wenn man die Last eines ganzen Landes auf den Schultern trägt? Eine Frage, die sie zu dieser Zeit nicht beantwortete. Erst nach ihrem Rücktritt 2003 brach Freeman gegenüber dem "Daily Telegraph" ihr Schweigen: "Ich denke, dass niemandem, insbesondere nicht mir selbst, bewusst war, was für ein Opfer ich für Sydney bringen musste. Es war wunderbar, fabelhaft, der Gipfel meiner Karriere. Aber es war auch so unglaublich traumatisch. Traumatischer als ich mir zu dieser Zeit zugestand, zu empfinden."

Dass ihr während der Eröffnungsfeier zudem die Ehre zuteil wurde, das Olympische Feuer zu entzünden, passte ins Bild. Freeman war allgegenwärtig. Die ruhige und entspannte Vorbereitung im britischen Eton schien Lichtjahre entfernt zu sein.

Ob irgendjemand damals ahnte, dass die Euphorie immer noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte? Wohl noch nie in der Geschichte der Olympischen Spiele fieberte ein ganzes Land derart auf ein Event hin wie die Australier. Normalerweise stehen andere Leichtathletik-Wettbewerbe mehr im Vordergrund. Die 100 Meter der Männer. Oder der Marathon-Lauf. Doch nicht in Sydney.

Die Begeisterung in der Bevölkerung führte sogar zur Abreise der härtesten Konkurrentin. Später erklärte Perec ihre Flucht damit, sich bedroht gefühlt zu haben. Diese Nebengeräusche gingen im allgemeinen Freeman-Hype allerdings fast komplett unter. Zu groß war die Vorfreude.

Ein magischer Abend

Am 25. September hatte das Warten ein Ende. Die Atmosphäre im Olympic Stadium an diesem Tag bezeichneten Besucher schlichtweg als magisch.

Besonders die übliche Vorstellung der Läuferinnen blieb in Erinnerung. Olga Kotlyarova, Donna Fraser, Katharine Merry, Lorraine Graham, Ana Guevara. Die ersten fünf Damen wurden mit freundlichem, aber zurückhaltendem Applaus empfangen.

Dann kam die Eruption. Als Freeman auf den Leinwänden im Stadion auftauchte, stieg der Geräuschpegel schlagartig an.

Man konnte den Eindruck gewinnen, ein komplettes Land hatte sich erhoben, um Freeman anzufeuern. Sekunden später ertönte der Startschuss, gefolgt von einem Blitzlichtgewitter, das die Oscar-Verleihung vor Neid erblassen ließ.

Graham und Merry halten dagegen

Doch unter die erwartungsvollen Gesichter mischten sich auch Zweifler: Sollte Freeman dem großen Druck wirklich standhalten? Auf den ersten 200 Metern schienen sich die Befürchtungen zu bestätigen. Die Favoritin wirkte verkrampft. Graham und Merry auf den Innenbahnen hatten nach der Hälfte des Rennens die Nase vorne.

Bevor es in die letzte Kurve ging, sprach Australiens Kommentatoren-Legende Bruce McAvaney das aus, was wohl die Mehrzahl der 112.524 Zuschauer dachten: "Graham is in front of her. Freeman got work to do here!"

Doch so einfach wollte sich das Publikum nicht geschlagen geben. Als die Läuferinnen auf die Zielgerade einbogen, trieben die Zuschauer Freeman mit ekstatischen Anfeuerungsrufen nach vorne.

Und auch Freeman hatte ihr Pulver noch nicht verschossen. Lag sie 100 Meter vor dem Ziel noch auf Platz drei, holte sie - wie im Vorfeld mit ihrem Trainer Peter Fortune besprochen - Meter für Meter auf und schob sich tatsächlich noch an Graham und Merry vorbei. 49,13 Sekunden. Weltjahres-Bestzeit für Freeman. Und das erste Olympische Einzel-Gold für eine Aborigine.

Eine Olympiasiegerin "am Boden"

Sie hätte nun kreischend und jubelnd über die Tartanbahn springen können. Stattdessen entschloss sich Freeman, den Reißverschluss ihres Ganzkörperanzuges zu öffnen, sich die Kapuze vom Kopf zu ziehen und sich am Ort ihres größten Erfolges niederzulassen.

"Ich war überwältigt von der Stimmung. Ich konnte die Leute spüren. Ihre Freude, ihren Spaß. Ich musste mich einfach setzen", so Freeman.

Während auf der Tribüne tausende Fahnen geschwenkt wurden und sich wildfremde Menschen in die Arme fielen, saß die Hauptdarstellerin einfach da, schaute um sich, nahm fassungslos zahlreiche Gratulationen an und schüttelte immer wieder mit dem Kopf.

Eine Hommage an 1994

2003 blickte sie überraschend offen auf diesen Moment zurück: "Alles gipfelte in der Nacht im Olympiastadion in Sydney, als ich die 400 Meter gewann und dann einfach auf der Laufbahn saß und es kaum wagte, das Fenster in meinem Geist zu öffnen, das mich all die Gefühle erfahren lassen sollte, die darum kämpften, in meinen Kopf gelassen zu werden. Ich denke nicht, dass ich das Fenster jemals wirklich ganz aufgemacht habe."

Umso bemerkenswerter, dass sich Freeman nach der kurzen Verschnaufpause doch noch auf ihre verdiente Ehrenrunde machte. In ihren Händen: dieselben zwei Flaggen wie einst 1994. Das war sie weder der weißen Bevölkerung noch den Aborigines schuldig. Sondern einfach nur sich selbst.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung