Freitag, 13.07.2012

Olympisches Fußballturnier

Der Reißwolf und die nächsten Superstars

Bereits einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Sommerspiele 2012 startet das olympische Fußballturnier im Old Trafford von Manchester. Neben den Gastgebern, bei denen Oldie Ryan Giggs sein erstes Turnier spielt, sind auch bei anderen Mannschaften namhafte Spieler am Start. Allen voran bei den Brasilianern. Die Selecao will unbedingt den Titel und bietet dafür das größte Starensemble auf.

Ryan Giggs, Neymar, Mata, Luis Suarez (v.l.n.r.) - bei Olympia sind zahlreiche Stars am Start
© Getty
Ryan Giggs, Neymar, Mata, Luis Suarez (v.l.n.r.) - bei Olympia sind zahlreiche Stars am Start

Japans Damen vergaßen für ein paar Stunden ihre Höflichkeit und freundliche Zurückhaltung, der lange Flug von Tokyo nach Paris hatte sie zu sehr strapaziert und so manche auch furchtbar genervt.

Sie, die Weltmeisterinnen, mussten in der Economy Class fliegen. Die Herren der Schöpfung aber, die japanische Abordnung für das Herrenturnier, durfte es sich in der Business Class bei Beinfreiheit und leckerem Essen so richtig bequem machen. Die Außenseiter wurden hofiert, die großen Favoritinnen auf Gold beim olympischen Fußballturnier dagegen donnerten in der Holzklasse nach Europa. Selbst die lammfromme Kapitänin Homare Sawa war erbost. "Es hätte genau umgekehrt sein müssen!"

Die kleine Anekdote passt irgendwie ins Bild, das das Fußballturnier bei Olympia eigentlich fast traditionell abgibt. So richtig ist der beliebteste Sport der Welt nicht angekommen im Kontext der anderen Sportarten. Natürlich liegt viel Augenmerk darauf, trotzdem glänzt König Fußball in den knapp drei Wochen der Sommerspiele nicht so funkelnd wie sonst.

Was auch ganz gut so ist, wie die meisten Olympioniken sagen. Schließlich gebühren dem Fußball die restlichen Wochen jeden Jahres, da dürfen jetzt auch mal andere. In London wird es ähnlich sein, darauf deutet bereits im Vorfeld so einiges hin.

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Komplette Oberränge bleiben zu

Für sechs Spielorte über Großbritannien verteilt hat sich das Organisationskomitee LOCOG, allesamt beeindruckende Stadien teilweise großer Klubs. Im Old Trafford wird gespielt und in Newcastles St. James Park. Im City-of-Coventry-Stadion, im Millenium-Stadion in Cardiff und im Hampden Park zu Glasgow. Die Finals finden, natürlich, in London statt. Das Wembley Stadion hat sich rausgeputzt.

Das Problem: Kein einziges dieser Stadien wird ausverkauft sein. Vor wenigen Tagen hat das LOCOG beschlossen, 500.000 Tickets für die Fußballspiele vom Markt zu nehmen. Das alte Spiel von Angebot und Nachfrage, nur diesmal genau umgekehrt. Über eine Million Tickets schlummern noch als Kontingent vor sich hin, wenigstens die Hälfte davon will der Veranstalter noch unters Volk bringen. Der Rest wandert in den Reißwolf.

Um dem unschönen und vor allen Dingen ganz und gar nicht Sponsoren tauglichen Anblick immenser Lücken auf den Rängen vorzukommen, werden ganze Blöcke oder noch besser: Oberränge, in den Stadien komplett geschlossen bleiben.

"Wir haben keine Probleme mit dem Ticketverkauf, aber bei olympischen Fußball-Turnieren ist es immer eine Herausforderung, die Stadien zu füllen. Ich denke, wir kommen gut zurecht", beschwichtigt LOCOG-Chef Sebastian Coe.

Nationale Angelegenheit für Brasilien

Die Auslastung beträgt derzeit rund 60 Prozent, der Rest soll noch kurz vor Turnierbeginn verkauft werden. Oder es bleiben eben große Teile der Stadien einfach verschlossen. Ein Problem sieht Coe darin nicht, eher im Gegenteil: "Wir haben mehr Tickets für Fußballspiele verkauft als für irgendeine andere Sportart", betont er.

Da kann ihm keiner widersprechen. Schaut man sich die Kader der Teilnehmer am Herren-Turnier aber an, wird klar, dass der Fußball bei Olympia vergleichsweise immer noch ein Schattendasein fristet.

Lediglich Spanien und Brasilien rücken mit einer Truppe an Superstars und solchen, die es bald schon werden könnten, an. Besonders die Brasilianer rufen das Turnier schon wieder zu einer nationalen Angelegenheit aus. Derzeit darbt die Selecao, Trainer Mano Menezes sucht seit Jahren vergeblich nach geeignetem Personal und der perfekten Mischung. Dabei steht in 23 Monaten die Weltmeisterschaft im eigenen Land an.

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Spanien mit vielen Stars

Ein Triumph bei Olympia könnte Signalwirkung haben. Deshalb bietet Menezes auch mit das Beste vom Besten auf. Sein Kader hat einen geschätzten Marktwert von rund 300 Millionen Euro, alleine Marcelo, Thiago Silva, Hulk, Pato und Neymar bürgen für Glanz und Glamour. Dazu noch der kommende Superstar Lucas aus Sao Paulo.

Der Auftrag ist klar. "Wir sind hierher gefahren, um uns zu Champions zu machen. Mit dieser Mannschaft muss das möglich sein", sagt Hulk. Möglich war das sicher auch schon in den vielen Olympia-Turnieren davor - nur hat bis heute keine brasilianische Mannschaft Gold geholt. Zuletzt wurde sogar zweimal Erzrivale Argentinien Sieger.

Spanien wartet unter anderem mit David De Gea, Jordi Alba, Javi Martinez, Iker Muniain oder Juan Mata auf und dürfte neben Brasilien der zweite große Favorit auf Gold sein. Mit ziemlich großem Abstand tummeln sich dahinter die restlichen 14 Mannschaften. Aber auch die haben zum Teil sehr interessante Spieler nominiert.

Schaulaufen der Toptalente

Der Senegalese Cheikhou Kouyate ist Stammspieler beim RSC Anderlecht und einer der begehrtesten Spieler Belgiens. Angeblich soll ManCity schon angefragt haben. Sein Nebenmann in der Innenverteidigung ist Modou Kara, der in Tromsö/Norwegen spielt und ebenfalls auf dem Sprung in eine der Topligen Europas ist.

Uruguay wartet mit Gaston Ramirez vom FC Bologna auf, an dem auch die Bayern angeblich schon Interesse hatten. Alexis Rolin wird bei Inter Mailand gehandelt. Sung-Yeung Ki wird in seiner Heimat der "koreanische Steven Gerrard" genannt, war als Teenager schon Spieler in Australien und spielt derzeit bei Celtic Glasgow. Sein Name fiel schon im Zusammenhang mit Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen.

Dazu noch die beiden Marokkaner Zakaria Labyad (PSV Eindhoven), der jetzt bei Sporting Lissabon unterschrieben hat, und Abdel Barrada (FC Getafe). Labyad ist ein beidfüßiger Spielmacher, der in den Niederlanden die U-Mannschaften durchlaufen hat. Barrada ist ein zentraler Mittelfeldspieler, technisch enorm versiert, mit tollen Standards und beim FC Valencia auf dem Zettel.

Mexikos Marco Fabian hat sich in die Notizblöcke einiger Klubs aus der Primera Division und der Premier League gespielt, der Gabuner Pierre Aubameyang (Saint-Etienne) hat bereits beim Afrika-Cup von sich reden gemacht und erinnert, so schließt sich der Kreis, an Brasiliens angebliches Wunderkind Neymar.

Seite 2: Die Kader der Gruppen A und B

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