Freitag, 08.08.2008

SPOX-Medaillen-Prognose

Kein Sieg-Boot in Sicht

München - In den vergangenen Jahren gehörten die Ruderer bei Olympischen Spielen zu den sichersten Medaillengaranten. Ganz so rosig sieht es in Peking allerdings nicht aus.

boron, rudern, doppelvierer
© Getty

Anders als in den Vorjahren ist kein wirkliches Sieg-Boot in Sicht, der DRV hat ausgerechnet in der Olympia-Saison die schlechteste Weltcup-Bilanz seit Bestehen des Wettbewerbes aufzuweisen.

Doch obwohl die jahrzentelange Dominanz der Vergangenheit angehört, rudern die deutschen Olympioniken noch immer auf hohem Niveau und sollten nach Aussage von Sportdirektor Michael Müller "vier bis sechs Medaillen" mit nach Hause bringen.

Eine Goldene dürfte für die erfolgsverwöhnten DRV-Athleten dann allerdings schon dabei sein, um die Spiele nicht als Desaster verbuchen zu müssen. Schließlich gab es seit Melbourne 1956 immer mindestens einen Olympiasieg zu bejubeln.

Die größten Konkurrenten im Kampf um Edelmetall dürften hauptsächlich alte Bekannte wie die Rudernationen Neuseeland, Großbritannien und Australien sein. Und wie könnte es auch anders sein, Gastgeber China präsentierte sich beim letzten Weltcup der Saison ebenfalls auf Weltklasse-Niveau.

SPOX stellt die deutschen Starterinnen und Starter in den 14 olympischen Bootsklassen vor.

Männer:

Marcel Hacker - Einer: Auch wenn der WM-Fünfte seine erfolgreichste Zeit bereits hinter sich hat, man muss ihn einfach zu den Medaillenkandidaten zählen, obwohl die Konkurrenz aus Neuseeland und Tschechien übermächtig erscheint. Der Weltmeister von 2002 will sich selbst zu keiner kühnen Aussage hinreißen lassen. "Ich habe mir eigene Ziele gesetzt, die ich für mich behalte. Wenn ich sie öffentlich sage, würde man mir daraus wieder einen Strick drehen", sagte er und fügte hinzu: "Ich will jedenfalls nicht Letzter werden." Das Finale sollte auf jeden Fall drin sein, und vielleicht hilft ihm dann die Erfahrung.

Clemens Wenzel/Karsten Brodowski - Doppelzweier: Das Duo geht mit einem kleinen Handicap in den Wettkampf. Wegen einer Erkältung Wenzels konnten die beiden ihr Vorbereitungsprogramm nicht wie geplant abspulen. Für das Finale könnte es dennoch reichen.

Jonathan Koch/Manuel Brehmer - Leichtgewicht-Doppelzweier: In dieser Bootsklasse gibt es für den DRV absolut nichts zu holen. Während für Koch und Brehmer schon das Erreichen des A-Finales ein Erfolg wäre, kämpfen Großbritannien, Frankreich und Italien um Edelmetall.

Tom Lehmann/Felix Drahotta - Zweier ohne St.: Das junge Rostocker Duo zählt zu den Medaillenhoffnungen der Zukunft. Dass es bereits in Peking klappt, ist eher unwahrscheinlich. Die beiden Youngster sollen vor allem Erfahrung bei großen Wettkämpfen sammeln.

Stephan Krüger/Rene Bertram/Hans Gruhne/Christian Schreiber - Doppelvierer: Während der Saison schaffte es das Quartett stets in den Bereich der Podiumsplätze und zählt damit zusammen mit den Amerikanern und Polen zu den Favoriten. Allerdings ist die Leistungsdichte unter den Top-Booten enorm, so dass es auch etwas Glücks bedarf, um den Sprung aufs Treppchen zu schaffen.

Gregor Hauffe/Toni Seifert/Urs Käufer/Filip Adamski - Vierer ohne St.: Bescheidenheit ist eine Zier und deshalb stapeln die Vize-Weltmeister von 2006 im Vorfeld tief. Ziel sei erstmal die Finalteilnahme. Das Quartett hatte sich nach dem WM-Desaster 2007 in München (Finale verpasst) vorläufig getrennt und sitzt erst seit April wieder in einem Boot. Allerdings ließen die Vier bei den Weltcups mit den Plätzen sechs, fünf und vier einen deutlichen Aufwärtstrend erkennen. Beste Ambitionen auf die Podestplätze haben die Boote aus Großbritannien und den Niederlanden.

Bastian Seibt/Jost Schömann-Finck/Jochen Kühner/Martin Kühner - Leichtgewicht-Vierer ohne St.: Diese Bootsklasse gleicht einem Lotteriespiel. Zwar hat das DRB-Quartett die Olympia-Qualifikation überraschend souverän gemeistert, doch die Konkurrenz ist groß. Sollte das Finale erreicht werden, ist alles möglich. Am Ende wird wohl die Tagesform über die Vergabe der Medaillen entscheiden. Neben Deutschland rechnen sich auch Frankreich, China, Dänemark und Großbritannien Chancen aus. 

Florian Eichner/Sebastian-Matthias Schmidt/Matthias Flach/Philipp Naruhn/Jochen Urban/Florian Mennigen/Kristof Wilke/Andreas Penkner - Achter: Das Flagschiff des DRV fährt mit breiter Brust nach Peking und will für die ersten Achter-Medaille seit Atlanta 1996 sorgen. Im einzigen ernsthaften Wettkampf in dieser Saison belegte das deutsche Boot einen guten zweiten Rang hinter Großbritannien. Allerdings fehlten beim Weltcup in Posen die starken Teams aus Übersee. Gold scheint bereits im Vorfeld an Weltmeister Kanada vergeben. Dahinter ist alles möglich. Ein großes Manko ist jedoch: Dem Oktett fehlt die internationale Erfahrung. Im Winter waren sechs Weltmeister von 2006 gegen jüngere Athleten ausgewechselt worden.

Vogelnest und Co.: Das Epizentrum der Sommerspiele
Keine Angst, das Olympiastadion steht nicht in Flammen. Hier wird die Eröffnungsfeier geprobt
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Herzstück der Spiele: National Stadium (o.l.), National Indoor Stadium (u.) und National Aquatics Center
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Der ganze Stolz der Gastgeber ist das Vogelnest, das erst kurz vor den Spielen fertig wurde
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Über 90.000 Zuschauer finden Platz. Die Architekten entwarfen auch die Münchner Allianz Arena
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36 Kilometer sind die Stahlstreben lang, die das charakteristische Geflecht bilden
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Die Leichtathletik-Wettbewerbe, das Fußball-Finale der Männer sowie die Anfangs- und Schlussfeier finden hier statt
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Nicht minder spektakulär als das Olympiastadion ist die Schwimmhalle
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Das National Aquatics Center wird allenthalben nur Wasserwürfel genannt
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Mit seiner Wabenoptik erinnert der Bau ebenfalls ans Münchner Fußballstadion
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Die 3000 aufblasbaren Kissen können in verschiedenen Farben leuchten
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Nach den Spielen kommt ein Freizeitbad in den Wasserwürfel
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Schwimmer, Synchronschwimmer und Wasserspringer sind hier aktiv. 17.000 Zuschauer passen rein
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Schmuck ist auch das National Indoor Stadium mit dem geschwungenen Dach
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Handballer, Turner und Trampolin-Artisten werden hier vor 18.000 Zuschauern um Medaillen kämpfen
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Frauen:

Einer: Die einzige Bootsklasse, in der der DRV keine Athletin nach Peking schickt.

Annekatrin Thiele/Christiane Huth - Doppelzweier: Eine Überraschung ist durchaus denkbar. Allerdings geht der Weg aufs Treppchen nur an Gastgeber China, Neuseeland und Großbritannien vorbei.

Berit Carow/Marie-Louise Dräger - Leichtgewicht-Doppelzweier: Mit dem Gesamtweltcupsieg im Gepäck zählt das Duo in Peking zu einem der wenigen sicheren Medaillentipps. Carow und Dräger waren in dieser Saison noch nie schlechter als Rang drei platziert. Die größte Konkurrenz für den leichten Doppelzweier wird aller Voraussicht nach aus China und Kanada kommen.

Lenka Wech/Maren Derlien - Zweier ohne St.: Auch dieses Duo zählt zu den heißen Medaillenanwärtern. Nur die Chinesinnen You Wu und Yulan Gao waren in dieser Saison stärker und sicherten sich den Gesamtweltcup vor dem deutschen Boot. Demnach wird wohl auch bei Olympia kein Weg an den Lokalmatadoren vorbeiführen. Es sei denn, die Nervosität macht den Chinesinnen einen Strich durch die Rechnung.

Britta Oppelt/Manuela Lutze/Kathrin Boron/Stephanie Schiller - Doppelvierer: Kathrin Boron kann mit ihren drei Teamkolleginnen im Schlepptau Geschichte schreiben. Die siebenmalige Weltmeisterin nimmt in Peking Anlauf zu ihren fünften Olympischen Spielen und kann ihre fünfte Goldmedaille in Folge gewinnen. Auch wenn dem Vierer der große Coup auf jeden Fall zuzutrauen ist, die Weltspitze liegt eng zusammen. Und China, USA und Weltmeister Großbritannien müssen erst einmal überrudert werden.

Christina Hennings/Katrin Reinert/Nina Wengert/Nadine Schmutzler/Kerstin Naumann/Magdalena Schmude/Nicole Zimmermann/Elke Hipler - Achter: Wie bei so vielen Bootsklassen wird auch beim Achter die Tagesform entscheiden. Von Platz eins bis fünf ist für das deutsche Team alles möglich. Trotzdem wäre alles andere als eine Medaille eine herbe Enttäuschung. Für die favorisierten Boote aus Rumänien, den USA und Australien allerdings auch.

SPOX

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