Freitag, 01.08.2008

Markus Baur exklusiv

"Ist nicht so schlimm"

München - Es spielt die Handball-Nationalmannschaft, und Markus Baur ist nicht auf dem Feld.

Markus Baur, Handball, TBV Lemgo
© Imago

Nicht einmal auf der Bank. Nicht einmal auf dem gleichen Kontinent. Es kommt einem noch sehr seltsam vor, aber Baurs herausragende Karriere als Spieler ist endgültig vorbei.

Lange war man sich sicher, dass er bei den Olympischen Spielen in Peking noch mit von der Partie sein würde, aber es kam anders.

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Keine Angst, das Olympiastadion steht nicht in Flammen. Hier wird die Eröffnungsfeier geprobt
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Herzstück der Spiele: National Stadium (o.l.), National Indoor Stadium (u.) und National Aquatics Center
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Der ganze Stolz der Gastgeber ist das Vogelnest, das erst kurz vor den Spielen fertig wurde
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Über 90.000 Zuschauer finden Platz. Die Architekten entwarfen auch die Münchner Allianz Arena
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36 Kilometer sind die Stahlstreben lang, die das charakteristische Geflecht bilden
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Die Leichtathletik-Wettbewerbe, das Fußball-Finale der Männer sowie die Anfangs- und Schlussfeier finden hier statt
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Nicht minder spektakulär als das Olympiastadion ist die Schwimmhalle
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Das National Aquatics Center wird allenthalben nur Wasserwürfel genannt
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Mit seiner Wabenoptik erinnert der Bau ebenfalls ans Münchner Fußballstadion
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Mit seiner Wabenoptik erinnert der Bau ebenfalls ans Münchner Fußballstadion
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Die 3000 aufblasbaren Kissen können in verschiedenen Farben leuchten
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Nach den Spielen kommt ein Freizeitbad in den Wasserwürfel
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Nach den Spielen kommt ein Freizeitbad in den Wasserwürfel
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Schwimmer, Synchronschwimmer und Wasserspringer sind hier aktiv. 17.000 Zuschauer passen rein
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Schmuck ist auch das National Indoor Stadium mit dem geschwungenen Dach
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Schmuck ist auch das National Indoor Stadium mit dem geschwungenen Dach
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Handballer, Turner und Trampolin-Artisten werden hier vor 18.000 Zuschauern um Medaillen kämpfen
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Im SPOX-Interview spricht der Trainer Baur über die Hintergründe der Entscheidung und sagt, was man vom deutschen Team bei Olympia erwarten kann.

SPOX: Die Nationalmannschaft ist schon in Peking gelandet, und Sie sind nicht dabei. Ist das nicht ein komisches Gefühl?

Markus Baur (lacht): Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich nicht dabei bin. Die Jungs trainieren ja schon seit einigen Wochen ohne mich. Insofern habe ich mich damit abgefunden.

SPOX: Können Sie noch einmal erklären, wie es zu dem Entschluss gekommen ist, dass Sie nicht mitfahren? Eigentlich sind alle davon ausgegangen, dass Sie bei den Olympischen Spielen dabei sind.

Baur: Deswegen ist die Entscheidung auch so spät gefallen. Es war ein langer Prozess. Wir haben bis zuletzt versucht, eine Lösung zu finden, wie man alles unter einen Hut bringen kann. Das haben wir eben nicht geschafft.

SPOX: Was war der Knackpunkt?

Baur: Am Ende war es so, dass die Priorität, so schwer es mir fällt, ganz klar auf meinem Trainerjob in Lemgo liegen muss. Dann war die Entscheidung klar. Es geht nicht, dass ich drei Monate von meiner Mannschaft weg bin, wenn ein Großteil der Spieler da ist und wartet, bis ihr Trainer eine Woche vor Saisonstart zurückkommt. Wenn man einen klaren Gedanken fasst und alles durchspielt, siegt die Vernunft. Und dann ist es auch gar nicht so schlimm, dass es jetzt so ist, wie es ist.

SPOX: Sie hinterlassen ohne Frage eine riesige Lücke. Kann Michael Kraus Ihre Position übernehmen?

Baur: Dass er sich gut entwickelt hat, ist ganz klar. Aber man kann es auf keinen Fall an einem einzelnen Spieler festmachen. Es ist ein Team und es sind jetzt alle gefordert, enger zusammenzurücken und in Peking ein positives Ergebnis herauszuholen. Da muss sich jeder auf seine Aufgaben und Stärken besinnen. Dann klappt das schon. Da ist egal, wer jetzt auf Mitte spielt oder halblinks.

SPOX: Die anderen Alternativen auf der Spielmacher-Position sind Oliver Köhrmann und eventuell noch Michael Haaß. Sind die beiden stark genug, um international zu bestehen?

Baur: Ja, das glaube ich schon. Ansonsten wären sie nicht dabei. Das sind gute Bundesliga-Spieler. Man muss ihnen jetzt die Chance geben, sie mit allem unterstützen, was man hat, und dann werden sie auch positiv in Erscheinung treten. Wenn man sie aber permanent hinterfragt oder sagt, dass sie es nicht schaffen würden oder so einen Blödsinn, dann stellt man das Ganze schon infrage, bevor es überhaupt losgeht. Das hilft keinem.

SPOX: Gibt es auch ohne Sie noch genügend Führungsspieler, oder ist das ein Problem?

Baur: Da sind noch genügend Jungs da, die das Heft in die Hand nehmen können. Jetzt ist Christian Schwarzer wieder dazugekommen. Er wird viele Strömungen spüren und eng mit dem Bundestrainer zusammenarbeiten. Er ist ein ganz wichtiger Bestandteil. 

SPOX: Wie würden Sie im Rückblick die EM einschätzen? Der vierte Rang war ja kein Misserfolg...

Baur:...kein Misserfolg heißt Erfolg. Die EM war ein Erfolg. Fertig. Wir haben die Leistungen der WM bestätigt. Es war zwar nicht der Europameister-Titel, aber wir haben gezeigt, dass wir zu den Top-Teams gehören. Wir sind im Halbfinale mit einem Tor gegen Dänemark ausgeschieden. Da sieht man einfach, wie eng die Weltspitze zusammen ist. Wie die Tagesform in den K.o.-Spielen alles entscheidend ist.

SPOX: Daran wird sich auch in Peking nichts ändern.

Baur: Richtig. Es ändert sich nichts. Wir werden die Vorrunde überstehen, ins Viertelfinale einziehen, und dann kommt es eben drauf an. Da ist alles möglich. Man kann ins Halbfinale kommen, aber genauso gut gleich wieder heimfliegen. Das ist einfach so bei uns im Handball. Bei der Fußball-EM war es im Übrigen nicht anders.

SPOX: Nach Olympia wird es wahrscheinlich wieder einen kleinen Umbruch geben. Christian Schwarzer wird endgültig aufhören. Heiner Brand macht sich seit langem Sorgen um die Zukunft des deutschen Handballs. Berechtigt?

Baur: Es ist immer schwierig, dieses Thema anzusprechen. Ich sehe es wie der Bundestrainer auch als Muss an, dass es eine gewisse Anzahl an deutschen Spielern in jedem Verein geben sollte. Punkt. Die deutsche Jugend hat in den vergangenen Jahren immer zu den Top-Nationen dazugehört. Es sind viele Jugend- und Junioren-Titel herausgesprungen. Nichtsdestotrotz ist die Masse an Spielern zwischen 18 und 23 schon sehr gering, was natürlich am hohen Ausländeranteil in der Bundesliga liegt. Man muss sich Gedanken machen, ob es nicht sinnvoll ist, die guten Talente früher an den Männerhandball heranzuführen.

SPOX: Was sich aber nicht einfach gestalten dürfte.

Baur: Es ist natürlich immer schwierig, wenn man in einer Mannschaft ist, die absolutes Top-Niveau hat oder haben möchte. Da kannst du dich nicht nur auf die Deutschen verlassen. Bei uns ist es nicht so wie beispielsweise in Dänemark. Die haben zwei oder drei Nationalmannschaften, die ein ähnliches Niveau haben. Das haben wir nicht.

SPOX: Woran liegt das?

Baur: Das liegt daran, dass die schon mit 18 oder 19 in den Männer-Mannschaften ihres Landes spielen und Erfahrungen sammeln. Da müssen wir ansetzen und versuchen, eine gewisse Anzahl an Spielern bis 2012 zu fordern und dadurch das Niveau wieder anzuheben. Schon in früheren Jahren. Man muss es nur herauskitzeln. Wir haben ja gute Nachwuchstalente.

SPOX: Dann muss man sie aber auch spielen lassen.

Baur: Genau, wir müssen auf sie setzen, statt Ausländer zu holen, die nicht mehr Klasse haben, vielleicht aber einige Jahre mehr an Erfahrung.

SPOX: Sie sind nun endgültig Trainer. Kein Spielertrainer. Keine Olympia-Gedanken mehr im Kopf. Ist das befreiend?

Baur: Es ist einfach etwas ganz anderes. Zwischendurch war die Situation für mich nicht so angenehm. Bei der EM habe ich mich gleich verletzt, und wenn man dann mal in dem Trainertrott drin ist, dann fehlt einem die Zeit, zu trainieren. In der freien Zeit war das jetzt zum Glück wieder ein bisschen mehr möglich, insofern bin ich wieder näher dran. Aber ich denke, dass es noch bis nach Olympia dauern wird, bis ich sagen kann, dass ich als Trainer richtig angekommen bin.

SPOX: Wie werden Sie denn die Spiele in Peking überhaupt verfolgen?

Baur: Wir haben Glück, dass es gar nicht so viele Nachtspiele gibt. Die Jungs spielen nur einmal nachts, ansonsten passt das. Wir werden schon schauen, dass wir das Training dementsprechend legen.

Interview: Florian Regelmann

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