Donnerstag, 07.08.2008

Olympia

Nach CAS-Urteil: Schalke droht, Blatter klagt

Peking - Nach der Roten Karte für den Fußball-Weltverband im Streit um die Abstellungspflicht von U23-Spielern für Olympia hat FIFA-Boss Joseph Blatter bei einem verbalen Rundumschlag mächtig vom Leder gezogen.

Blatter
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Dennoch signalisierte die FIFA ihren Willen zur Kooperation mit den betroffenen Vereinen.

Diese warteten 24 Stunden nach dem richtungsweisenden Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS zunächst vergeblich auf eine Reaktion der nationalen Verbände, die von den Klubs mit Forderungen nach Abstellgebühren wie bei der EM in diesem Jahr, der Übernahme des Gehalts während der Zeit bei der Olympia-Mannschaft und einem ausreichenden Versicherungsschutz konfrontiert wurden.

Eine Frage des Respekts

Unverhohlen drohte Andreas Müller, Manager des Bundesligisten Schalke 04, mit weiteren rechtlichen Schritten. "Wir wollen das Thema eigentlich nicht juristisch weiter behandeln. Aber ich finde es unmöglich, mit welcher Arroganz die Brasilianer uns behandeln.

Da können sie noch zehnmal Weltmeister werden, das tut man nicht. Das ist auch eine Frage des Respekts", schimpfte Müller über die ausgebliebene Reaktion aus Südamerika.

Schalke hat seinen brasilianischen Abwehrspieler Rafinha nicht nach Hause beordert, obwohl es nach dem CAS-Urteil keine Abstellungspflicht gibt. "Wir hatten noch keinen Kontakt zur CBF. Wir erwarten eine zeitnahe Reaktion der Brasilianer bis spätestens Freitag", übte Müller Druck aus und betonte: "Rafinha spielt im Moment ohne Freigabe des FC Schalke 04."

Vogelnest und Co.: Das Epizentrum der Sommerspiele
Keine Angst, das Olympiastadion steht nicht in Flammen. Hier wird die Eröffnungsfeier geprobt
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Herzstück der Spiele: National Stadium (o.l.), National Indoor Stadium (u.) und National Aquatics Center
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Der ganze Stolz der Gastgeber ist das Vogelnest, das erst kurz vor den Spielen fertig wurde
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Über 90.000 Zuschauer finden Platz. Die Architekten entwarfen auch die Münchner Allianz Arena
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36 Kilometer sind die Stahlstreben lang, die das charakteristische Geflecht bilden
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Die Leichtathletik-Wettbewerbe, das Fußball-Finale der Männer sowie die Anfangs- und Schlussfeier finden hier statt
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Nicht minder spektakulär als das Olympiastadion ist die Schwimmhalle
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Das National Aquatics Center wird allenthalben nur Wasserwürfel genannt
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Mit seiner Wabenoptik erinnert der Bau ebenfalls ans Münchner Fußballstadion
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Die 3000 aufblasbaren Kissen können in verschiedenen Farben leuchten
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Nach den Spielen kommt ein Freizeitbad in den Wasserwürfel
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Schwimmer, Synchronschwimmer und Wasserspringer sind hier aktiv. 17.000 Zuschauer passen rein
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Schmuck ist auch das National Indoor Stadium mit dem geschwungenen Dach
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Handballer, Turner und Trampolin-Artisten werden hier vor 18.000 Zuschauern um Medaillen kämpfen
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Finanzieller Schaden für Bremen

Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs stellte fest: "Es geht uns vor allem darum, dass für den Fall einer Verletzung Diegos ein finanzieller Schaden von Werder Bremen abgewendet wird. Während wir vom brasilianischen Verband noch nichts gehört haben, kamen positive Signale von der FIFA."

Der Weltverband scheint bereit zu sein, die Vereine bei der Umsetzung der Forderungen an die nationalen Verbände zu unterstützen. Zunächst hatte es Blatter angesichts des CAS-Urteils zugunsten der Vereine, wonach sich keine Abstellungspflicht für U23-Spieler aus den FIFA-Statuten ergebe und auch kein entsprechendes Gewohnheitsrecht existiere, jedoch fast die Sprache verschlagen.

"Ich habe geschluckt, als ich die Entscheidung gehört habe. Es ist eine ziemlich dramatische Entscheidung", meinte Blatter.

Blatter ist über das Urteil traurig

Entsprechend schwer tat sich der Schweizer damit, das Urteil zu akzeptieren. "Das ist sehr traurig und die Welt versteht das nicht. Wenn alle Nationalteams ihre Spieler verlieren, wenn die Klubs sie zwingen, Heim zu fliegen, dann haben wir hier schlichtweg kein olympisches Fußballturnier. Dann können wir auch Strand-Fußball oder Fünf gegen Fünf spielen", wetterte der FIFA-Präsident.

Der Schweizer fürchtet nun einen "Schneeballeffekt", wenn einige Klubs ihre Spieler zurückfordern: "Ist das die olympische Solidarität?" Von einer olympischen Rückreisewelle konnte jedoch keine Rede sein.

Lediglich der Bremer Serbe Dusko Tosic will offenbar so schnell wie möglich aus Shenyang abreisen. "Ich habe gehört, dass Dusko nach Bremen zurückkehren möchte. Im Fall, dass er bleibt, sieht er seine Chancen, bei uns in die Mannschaft zu kommen, offenbar geringer", berichtete Allofs.

Zahlungen von 75 Millionen

Ob die nationalen Verbände bereit sind, eine Abstellgebühr zu zahlen, ist fraglich. Bei der EM 2008 hatte der europäische Fußball-Verband UEFA für die Klubs immerhin 43,5 Millionen Euro veranschlagt, etwa 4000 Euro pro Spieler und Tag. Der Weltverband FIFA rechnet für die WM-Turniere 2010 und 2014 mit Zahlungen von 75 Millionen Euro oder 5000 Euro pro Spieler und Tag.

Im Ringen um die Zukunft des olympischen Fußball-Turniers versprach IOC-Präsident Jacques Rogge, dass es nach den Sommerspielen eine Bestandsaufnahme geben werde.

Appell an die Klubs

"Wir werden dann entscheiden, welche Maßnahmen wir treffen. In der Zwischenzeit müssen wir das in kurzer Zeit regeln und an die Klubs appellieren, ihre Spieler nicht abzuziehen und ihren Profis die Chance geben, ihre Träume wahr werden zu lassen", sagte der Belgier.

Gleichzeitig schickte er Blatter eine kleine "Empfehlung" mit auf den Weg. "Wenn die FIFA das olympische Männer-Turnier in ihren Rahmenterminkalender aufnehmen würde, wäre alles klar." Dann müssten die Clubs ihre Profis auch abstellen, aber eben nur dann.

 


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