Kleibrink kaputt, Heidemann im Glück

SID
Mittwoch, 13.08.2008 | 18:08 Uhr
Heidemann, fechten, Olympia
© Getty

Peking - Erst bei der Siegerehrung mit der Goldmedaille um den Hals rang sich Frechdachs Benjamin Kleibrink ein Lachen ab, Golden Girl Britta Heidemann bekam ihr Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht.

Auch im Moment des Triumphs wurden die Unterschiede der beiden deutschen Fecht-Olympiasieger offenkundig. Degendame Heidemann agiert einerseits ihrer Waffe entsprechend taktisch, jubelt aber gern ausgiebig bei entsprechenden Anlässen, Florettspezialist Kleibrink trägt sein Inneres nicht so gern nach außen.

"Das ist die Anspannung", sagt er über sein meist sehr ernstes Gesicht, wenn er die schwarz-rot-goldene Maske herunterzieht.

Britta Heidemann hingegen ist es gewohnt, sich in Szene zu setzen. Ihre Meinung als China-Kennerin war vor den Spielen mehr gefragt denn je, die Studentin der chinesischen Sprachwissenschaften strahlte in jede Kamera, von Kerner bis CNN. Es war ein Ritt auf der Rasierklinge.

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Medienrummel und Druck waren groß

Nicht nur innerhalb des Fechter-Bundes wurden die zahlreichen Medienauftritte der 25-Jährigen, die vor den Spielen 2004 für den Playboy posiert hatte, mit Sorge verfolgt. "Der Medienrummel war schon groß und der Druck auch, umso froher bin ich, was ich hier geschafft habe", sagte Heidemann, die ihr erstes Sieger-Interview dem chinesischen Staatsfernsehen gab - natürlich im fließenden Mandarin.

Ihren Teamkollegen Kleibrink, mit dem sie in Peking ein Appartement teilt, nennt sie neckend-liebevoll Frechdachs. Der mit 1,74 Metern sechs Zentimeter kleinere Bonner parierte prompt mit der Riposte: "Wenn ich größer wäre, würde mich niemand als Frechdachs bezeichnen."

Sagt's, und verzieht dabei keine Miene. Bei der Siegerehrung kreuzte der Student die Finger. "Das war ein privates Zeichen, das will ich für mich behalten."

Auskunftsfreudiger zeigte sich Heidemann vor ihrem Marathon durch die verschiedenen TV-Studios. Ihr Freund Torsten und ihr Vater waren zu aufgeregt, um sich ihr Gold-Gefecht im Fernsehen anzuschauen und zogen einen gemeinsamen Spaziergang durch den Wald vor.

"Da haben die Leute wohl etwas komisch geguckt, als sich plötzlich zwei Männer umarmten und miteinander tanzten", berichtet Britta Heidemann lachend, ehe sie mit sanftem Druck auf der Schulter, aber trotzdem bestimmt an die Doping-Probe erinnert wird.

"Ich bin soweit", antwortet sie - bereit auch für die dringend benötigte Star-Qualität eines deutschen Fechters.

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