Sonntag, 15.03.2015

Geheime Abstimmung der Verbände

Olympia-Rennen bleibt offen

Das Olympia-Rennen zwischen Hamburg und Berlin bleibt auch nach dem wichtigen Treffen der Städte mit den Gremien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) offen.

Brennt das Olympische Feuer bald in Berlin oder in Hamburg?
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Brennt das Olympische Feuer bald in Berlin oder in Hamburg?

Die einflussreichen DOSB-Spitzensportverbände steigerten die Spannung am Sonntagabend noch: Sie stimmten nach der abschließenden Präsentation der beiden Städte in Frankfurt geheim über ihren Favoriten ab.

Das Ergebnis wird erst am Montag von Ruder-Präsident Siegfried Kaidel, dem Sprecher der Spitzenverbände, dem DOSB-Präsidium überreicht.

"Die Verbände haben sich vom DOSB-Präsidium ernst genommen gefühlt. Wenn es die Entscheidung gefällt hat, werden alle Verbände dem folgen, auch die, die anderer Meinung waren", sagte Kaidel. 32 der 34 Verbände nahmen am Sonntag an der Abstimmung teil, zwei waren nicht anwesend.

"Welt kommt gerne nach Berlin"

Die Abstimung, deren Ergebnis bis Montag nur Kaidel kennt, sei "ein wichtiger Bestandteil unserer Entscheidung", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann: "Olympische Spiele sind 44 Weltmeisterschaften in zweieinhalb Wochen an einem Ort, und natürlich sind die Fachverbände ein entscheidender Teil davon."

Die Ankündigung der Verbände, das Präsidiumsvotum am Montag geschlossen zu akzeptieren, bezeichnete Hörmann als "die bewundernswerteste Form der Bestätigung von Sportdeutschland an diesem Tag".

Zuvor hatten sich die beiden Olympia-Kandidaten nach ihrer letzten Präsentation demonstrativ optimistisch gegeben. "Ich hatte den Eindruck, dass unsere Präsentation ankam", sagte Berlins Innensenator Frank Henkel: "Wir haben auf unsere große internationale Erfahrung verwiesen. Wir hatten 24 Welt- und Europameisterschaften - die Welt kommt gerne nach Berlin."

Abstimmung in Frankfurter Paulskirche

Sein Hamburger Amtskollege Michael Neumann, dessen Delegation am Sonntagnachmittag ihr Konzept zuerst der DOSB-Führung, den Spitzensportverbänden und weiteren Mitgliedervertretern in Frankfurt präsentierte, verließ ebenfalls "sehr zuversichtlich" den "Raum Gold" des Hotel Lindner.

"Ich hatte den Eindruck, dass wir sehr viele Vertreter mit unserer Präsentation überzeugen konnten", sagte Neumann: "Hamburg hat keinen Grund, sich zu verstecken. Der deutsche Sport muss sich entscheiden, wer das beste Aushängeschild ist, und ich glaube, dass Hamburg ein sehr, sehr guter Bewerber ist." Hörmann nannte beide Präsentationen "vorbildlich und olympiareif".

Am Montag tagt das DOSB-Präsidium noch mit 43 Vertretern aus verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft, bevor es eine Empfehlung für Berlin oder Hamburg ausspricht.

Über diese Empfehlung stimmt dann die Außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB am kommenden Samstag in der Frankfurter Paulskirche ab.

Bürgerbefragung im September

Nach den Ankündigungen der Verbände am Sonntag dürfte endgültig feststehen, dass es sich bei der Veranstaltung nur noch um eine Art von Krönungsmesse handeln wird.

Hörmann hatte zuvor noch einmal die herausragende Bedeutung des Olympia-Projekts hervorgehoben. "Wir entscheiden auch über den künftigen Weg des deutschen Spitzensports für die nächsten zehn bis 15 Jahre", sagte Hörmann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Wir stehen vor einer äußerst wichtigen Weichenstellung."

Als Voraussetzung für eine offizielle Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gilt allerdings eine Bürgerbefragung, die im September in der deutschen Gewinnerstadt abgehalten werden soll.

Kommt dort kein 50-Prozent-Votum für Olympia zustande, will der DOSB von einer Bewerbung absehen. Zuletzt stimmten in Berlin 55 Prozent für Olympia vor der eigenen Haustür, in Hamburg 64 Prozent.

"Berlin ist wie New York, London und Paris"

Ein erneutes Scheitern wie vor der Münchner Bewerbung für 2022 wäre für den DOSB und den deutschen Sport der größte anzunehmende Unfall - was Hamburg einen Vorteil bringt. Die Hauptstadt hat hingegen international das größere Renommee. Das könnte entscheidend sein, wenn es dann gegen Konkurrenten wie Boston oder Paris geht.

Dieser Ansicht sind auch Mitglieder des Gremiums, auf das es letztlich ankommt. "Meiner Meinung nach hat Hamburg einen Nachteil: Jeder auf der Welt kennt Berlin", sagte der Ire Patrick Hickey, Mitglied der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), im Interview mit Sport Bild Plus: "Berlin ist wie New York, London und Paris: eine Metropole, die weltberühmt ist. Aber nicht so viele Menschen kennen Hamburg." Über den Gastgeber der Spiele 2024 entscheidet das IOC im Sommer 2017 in Lima.


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