Sonntag, 10.11.2013

Bürger entscheiden gegen Olympia 2022

Keine Winterspiele in München

Sieg für "NOlympia": München und seine Partnergemeinden werden 2022 keine Olympischen Winterspiele ausrichten. Die Befürworter einer Bewerbung erlitten am Sonntag bei einem Bürgerentscheid eine Niederlage, nachdem früh am Abend aus Garmisch-Partenkirchen ein Votum gegen eine Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt vorlag.

Alfons Hörmann konnte sich mit seinem Wunsch nach Olympia 2022 in München nicht durchsetzen
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Alfons Hörmann konnte sich mit seinem Wunsch nach Olympia 2022 in München nicht durchsetzen

Es war kurz nach 19.00 Uhr, als die Befürworter Olympischer Winterspiele 2022 in München ihren großen Traum bereits begraben mussten. Aus Garmisch-Partenkirchen wurde ein krachendes "Nein" gemeldet, damit war besiegelt: Es wird keine Bewerbung geben.

Von Beginn an war klar gewesen: Ein Negativ-Votum der Bürger bei nur einem der vier Partner bedeutet das Aus für die Anstrengungen. In Deutschland wird es damit wohl keine zweiten Winterspiele nach 1936 mehr geben, mittelfristig höchstens eine Bewerbung um Olympische Sommerspiele.

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Der Münchner Oberbürger Christian Ude sprach nach den negativen Meldungen von den Bürgerentscheiden in Garmisch-Partenkirchen sowie im Landkreis Traunstein sowie angesichts der Zwischenstände aus dem Berchtesgadener Land und München bereits um 19.30 Uhr Tacheles: "Es ist eine klare Niederlage erlitten worden", sagte er, "damit ist die Bewerbung gescheitert." Und er ergänzte, dies gelte "nicht nur für 2022, sondern nach meiner persönlichen Einschätzung dauerhaft." Die Stimmung in Deutschland sei gegen sportliche Großereignisse.

1,3 Millionen Wahlberechtigte

"Wir sind sehr enttäuscht, das hat uns sehr überrascht", sagte DOSB-Generalsekretär Michael Vesper. Er bedauerte, dass eine Chance vertan wurde, wie man Olympische Spiele nachhaltig veranstalten könne.

Der designierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte, es sei nun wenigstens Klarheit geschaffen, jetzt sei allerdings darüber zu diskutieren, "wie wir diese Schlappe wettmachen und den deutschen Sport in eine erfolgreiche Zukunft führen können." Zunächst werde der deutsche Sport "tendenziell" in der Basisarbeit geschwächt.

Insgesamt waren in München, Garmisch-Partenkirchen sowie in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein knapp 1,3 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, ihre Stimme zu einer zweiten Bewerbung unter Führung der bayerischen Landeshauptstadt nach 2018 zu stimmen.

Früher Trend zu erkennen

Bei der Wahl für 2018 hatte München deutlich gegen Pyeongchang/Südkorea verloren. Ob es nach dem Debakel beim jetzigen Bürgerentscheid in Zukunft eine Bewerbung um Sommerspiele gibt, wollte Vesper zunächst nicht beurteilen. Es sei "nicht die Zeit" für derlei Gedanken.

Schon kurz nach Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr war nach der Auszählung der ersten Münchner Stimmbezirke sowie Gemeinden der Trend für eine Niederlage der Befürworter zu erkennen, je später der Abend wurde, desto mehr wuchs sie sich zum Debakel aus.

Erst meldete Garmisch-Partenkirchen 51,56 Prozent Nein-Stimmen - es war bereits der K.o.-Schlag für eine Bewerbung. Aus dem Landkreis Traunstein kam nur wenig später die Meldung: 59,67 Prozent Nein-Stimmen. Angesichts der wenig erbaulichen Zwischenmeldungen aus München und dem Berchtesgadener Land wirkten Ude, Vesper und Hörmann arg deprimiert.

"Wofür brauchen wir das?"

Ganz anders war wenig überraschend die Laune im Standesamt des Kreisverwaltungsreferats der Stadt München bei den Gegner, die sich im Bündnis "NOlympia" zusammengeschlossen hatten. "Unsere Argumente haben gezogen, die Leute haben sich gefragt: Wieder eine 17-tägige Sause, wofür brauchen wir das?", sagte erkennbar stolz Katharina Schulze, die Vorsitzende der Grünen in München. Sie hat Erfahrung im Kampf "David gegen Goliath", wie sie es nennt und zuvor schon gegen eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen gekämpft.

"NOlympia"-Sprecher Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Grünen im bayerischen Landtag, betonte unterdessen: "Das ist keine Zeichen gegen den Sport, sondern ein deutliches Zeichen gegen die Profitgier und Intransparenz beim IOC." Die Olympiagegner hatten in einem kurzen, aber heftigen Wahlkampf immer wieder die Profitgier und die mangelnde Transparenz beim IOC hervorgehoben, außerdem vor Schulden und Naturzerstörung gewarnt. Eine Mehrheit der Wahlberechtigten konnte ihnen da offensichtlich zustimmen.


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