Olympia

Deutschland droht kleines Olympiateam

SID
Nowitzki und Kaman gehören zu den Hoffnungsträgern für den olympischen Mannschaftssport
© Getty

Mit der Teamstärke "400 plus" kalkuliert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bei den in einem Jahr (27. Juli) in London beginnenden Olympischen Sommerspielen. Scheitern viele Mannschaftssportarten an der Qualifikation, könnten es deutlich weniger werden als zuletzt in Peking (440).

Dem deutschen Sport droht bei Olympia 2012 in London das kleinste Team seit der Vereinigung. Schuld daran ist die Schwäche in den sechs Mannschaftssportarten (jeweils Männer und Frauen). Waren 2008 in Peking noch acht von zwölf möglichen Teams dabei, könnten es im kommenden Jahr nur drei oder vier sein.

Beste Chancen haben die Hockeyteams und die Basketballer mit Leitfigur Dirk Nowitzki. "Für die anderen wird es schwer oder sehr schwer werden", sagt Ulf Tippelt, Leistungssportdirektor im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Möglichweise nur drei Mannschaften dabei

Qualifizieren sich nur drei oder vier Mannschaften für London, dann wird die vom DOSB kalkulierte Zahl von "400 plus" nicht wesentlich überschritten und die von der Kopfzahl her kleinste deutsche Olympiamannschaft der letzten 20 Jahre von Sydney 2000 (428) kaum erreicht.

Sonst waren es stets mehr Athleten: 1992 in Barcelona 463, 1996 in Atlanta 469, 2004 in Athen 452 und zuletzt 2008 in Peking 440. "Aber ein kleineres Team muss nicht bedeuten, dass es weniger Medaillen gibt", sagt Tippelt, der Mann an der Seite von Michael Vesper, der wie schon 2008 in Peking Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft sein wird.

Die Fußball-Frauen, die vor drei Jahren noch Bronze geholt hatten, sind ebenso wie die Männer (U21) nicht dabei. "Das schmerzt besonders", sagt DOSB-Präsident Thomas Bach. Gescheitert sind auch die Basketballerinnen.

Selbst für die Hockeymannschaften wird es schwerer

Tippelt: "Selbst für unsere Hockeymannschaften, die in Peking noch Medaillen holten, wird es nicht leicht." Vor besonders schweren Aufgaben stehen angesichts der erneut stärker gewordenen internationalen Konkurrenz die Volleyballer/innen und Handballer/innen. Auch die Wasserballer müssen nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM in Shanghai noch in die Qualifikation.

Doch die Zahl der Medaillen sank, fast parallel zum abnehmenden Niveau früherer DDR-Leistungsträger und zur zunehmenden Zahl von Nationen mit Medaillen: 1992 gab es 33 Mal Gold und 82 Medaillen für Deutschland, 1996 erneut Platz drei mit 20 Siegen (65 Medaillen), 2000 bei Rang fünf noch 13 (56), 2004 an Position sechs erneut 13 (49) und 2008 teilten sich bei Rang fünf mit 16 Siegen und 41 Medaillen schon 87 Nationalen das Edelmetall.

"Wir verfolgen das Ziel, unseren Platz in der Weltspitze der besten Nationen erfolgreich zu verteidigen", sagt DOSB-Präsident Thomas Bach, 1976 in Montreal Olympiasieger im Fechten. Vor drei Jahren in Peking hatten China (51), die USA (36), Russland (23) und Großbritannien (19) mehr Gold geholt, hinter Deutschland folgten Australien (14) und Südkorea (13).

Weniger Medaillen erwartet

Bach warnt vor, es könnten 2012 weniger Siege und Medaillen werden und auch Platz 6 oder 7 ein gutes Abschneiden bedeuten.

Bereits in Planung ist das Deutsche Haus. Der Treffpunkt für Sportler, Funktionäre, Trainer, Wirtschaftspartner, Politik, Medien wird einen Tag vor den Spielen am 26. Juli eröffnet. Nationale und internationale Gäste werden auf der als "Traumschiff" bekannten MS Deutschland wenige Minuten entfernt in den West India Docks beherbergt.

"Mit dem Museum of London Docklands haben wir eine einzigartige Location gefunden, die während des sportlichen Großereignisses auch kulturellen Genuss verspricht. Ich freue mich darauf, in diesem geschichtsträchtigen Haus unsere Gäste willkommen zu heißen", sagt Thomas Bach. Dort wird erstmals auch ein German Fan Fest stattfinden.

Die deutsche Mannschaft für den Kampf der rund 10.500 Athleten aus über 200 Nationen um Siege, Medaillen und Platzierungen in 302 Wettbewerben wird 2012 erneut in drei Runden nominiert: am 31. Mai, 21. Juni und 4. Juli, jeweils in Frankfurt/Main.

Delegationsleiter sind Thomas Bach und die DOSB-Vizepräsidentin Leistungssport, Christa Thiel. Leitender Mannschaftsarzt ist Dr. Bernd Wolfarth (München), leitender Physiotherapeut Klaus Eder (Donaustauf).

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