Donnerstag, 01.07.2010

Olympia

IOC testet Blutproben von Olympia 2006

Knapp vier Jahre nach den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) Nachtests auf das Dopingmittel Cera angeordnet.

Das IOC kämpft weiter gegen Doping
© Getty
Das IOC kämpft weiter gegen Doping

Über vier Jahre nach den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin müssen etwaige Dopingsünder ihre Enttarnung fürchten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat nach Informationen der "ARD" Nachtests auf das Dopingmittel Cera angekündigt, die sich zunächst auf die Sportarten Biathlon, Skilanglauf und Eisschnelllauf beschränken sollen.

"Sie werden 20 bis 25 Blutproben umfassen, womöglich werden es mehr", sagte Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des IOC und Vizepräsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), dem "ARD"-Dopingexperten Hajo Seppelt.

"ARD"-Dokumentation Stein des Anstoßes

Zum Umdenken führte die "ARD"-Dokumentation "Geheimsache Doping", in der der wegen Dopingvergehen gesperrte ehemalige österreichische Langlauftrainer Walter Mayer berichtete, dass das Epo-Derivat Cera schon vor 2006 erhältlich war und vermutlich auch benutzt wurde.

Nach einer Prüfung der Aussagen in der im Februar ausgestrahlten Sendung kam das IOC zu dem Schluss, dass Mayers Behauptungen der Wahrheit entsprechen. "Auf dieser Grundlage hat die WADA dem IOC empfohlen, Nachtests der Turiner Proben auf Cera vorzunehmen", so Ljungqvist.

Mayer äußerte in der Dokumentation starke Zweifel an sauberen Spielen: "Wenn man die Turin-Proben nachtestet, dann würden wohl einige Medaillengewinner in einem schlechten Licht erscheinen. Ich bin schon 2003 von Leuten aus der Sportszene kontaktiert worden, ob ich Cera besorgen kann, weil es schon seit 2002 auf dem Schwarzmarkt kursierte und schon damals benutzt worden sein soll."

Der Österreicher empfahl zudem Nachtests auf weitere Dopingmittel wie Dynepo und Biosimilars, die seien damals "auch im Umlauf gewesen".

Auch Proben von Olympia 2004 angedacht

Ljungqvist schloss auch Nachuntersuchungen der Proben von den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen nicht aus: "Dies wird entschieden, sobald wir die Erkenntnisse zu den Nachtests von Turin haben."

Das Präparat Cera (Continuous Erythropoiesis Receptor Activator), das bei Patienten mit Nieren-Insuffizienz eingesetzt wird, war im Juni 2008 als Medikament in Europa zugelassen worden. Die WADA geht allerdings davon aus, dass Profisportler es sich schon vorher beschaffen konnten.

Der Vorteil gegenüber anderen Epo-Präparaten besteht darin, dass die Halbwertzeit von Cera nach intravenöser Verabreichung 80 bis 120 Stunden und nach subkutaner (unter die Haut) etwa 150 Stunden beträgt. Damit kann Cera in größeren zeitlichen Abständen verabreicht werden. Der Nachteil ist allerdings, dass es länger nachweisbar ist.

Bereits bei den Sommerspielen 2008 in Peking hatte das IOC nachträgliche Tests auf Cera durchgeführt. Fünf Sportler, darunter die Medaillengewinner Rashid Ramzi (Bahrain/Gold über 1500 m) und Davide Rebellin (Italien/Silber im Straßenradrennen) wurden dabei positiv auf das Präparat getestet. Auch die ehemaligen Radprofis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl wurden des Dopings mit Cera überführt.

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