Olympia

Obama: "Ich bin stolz auf meine Stadt"

SID
Da half auch die Freiheitsstatue nicht: Chicago verlor in der ersten Runde
© Getty

Für Tokio ist das Ergebnis demütigend, für Chicago enttäuschend, für Spanien war es zumindest die Mühe wert und für Brasiliens Staatspräsidenten Luiz Ignazio Lula da Silva war die Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro "der emotionalste Tag in meinem Leben."

Jacques Rogge (IOC-Präsident): "Die Wahl zu treffen, ist immer eine schwierige und manchmal eine schmerzvolle Übung. Rio hat es für 2012 nicht ins Finale geschafft. Sie wollten zuhören, sie haben auch zugehört und ihre Lehren daraus gezogen. Daraus ist ein schöne Geschichte geworden."

Barack Obama (US-Präsident): "Ich möchte Rio und Brasilien meinen Glückwunsch zur Austragung von Olympia 2016 übermitteln. Das ist ein wirklich historisches Ereignis, da dies die ersten Spiele in Südamerika sein werden. Eines der wertvollsten Dinge im Sport ist die Tatsache, dass man ein großartiges Match spielen und doch nicht gewinnen kann. Und deshalb könnte ich nicht stolzer auf meine Heimatstadt sein, auch wenn ich wünschte, wir wären mit besseren Neuigkeiten aus Kopenhagen zurückgekehrt."

Luiz Inacio Lula da Silva (Präsident Brasilien): "Heute hat Brasilien endgültig die internationale Anerkennung erhalten. Das letzte Vorurteil gegen uns ist gefallen. Wir werden außergewöhnliche Spiele veranstalten. Wer denkt, dass wir nicht die Voraussetzungen haben, wird überrascht werden. In unserer Kampagne waren wir mit Herz und Seele dabei. In unseren Augen konnte jeder heute den Willen sehen, die Spiele nach Rio zu holen. Das hat den Unterschied zu den anderen Kandidaten ausgemacht. Wir sind nicht mehr ein Land zweiter Klasse, sondern eins erster Klasse. Es ist ein Sieg von 190 Millionen Brasilianern, des südamerikanischen Kontinents, ganz Lateinamerikas. Heute ist vielleicht der emotionalste Tag in meinem Leben. Ein Tag, an dem ich mehr als je zuvor den Stolz spürte, Brasilianer zu sein. Wenn ich heute sterben müsste, wüsste ich, dass es sich gelohnt hat, zu leben. Nach 2016 wird Rio bereit sein, selbst die Winterspiele zu organisieren. Das erste Geschenk meines Lebens habe ich mir selber gemacht. Es war ein altes Fahrrad mit einer verrosteten Kette. Heute haben Leute, die ich zuvor nicht kannte, dem Präsidenten das beste Geschenk gegeben, das man erhalten kann."

Jose Luis Zapatero (Spaniens Premierminister): "Rio war ein großartiger Kandidat. Trotzdem war es unsere Mühe wert. So ist der olympische Sport halt manchmal. Wir haben sehr gut abgeschnitten. Jetzt kommen neue Chancen."

Thomas Bach (DOSB-Präsident und IOC-Vize): "Das war eine Entscheidung zu Gunsten der Universalität Olympischer Spiele. Wir sind wirklich universell, was die Teilnehmer angeht, waren es aber noch nicht im Bereich der Organisation. Da war Südamerika ein weißer Fleck und da haben wir heute einen großen Schritt in die richtige Richtung getan."

Claudia Bokel (IOC-Mitglied): "Das Gute an den vier Bewerbern heute war, dass man jeden hätte wählen und zufrieden sein können. Erstmals mit Olympia nach Südamerika zu gehen, ist sicherlich eine gute Entscheidung, die am Ende ja noch ziemlich deutlich ausfiel. Mich hat das Aus von Chicago in der ersten Runde überrascht. Es ist schon beeindruckend, wenn der US-Präsident mit seiner Frau hier einfliegt. Scheinbar hat es auf das Ergebnis aber keinen Einfluss gehabt. Ich weiß nicht, ob man immer so hochkarätige Politiker ins Rennen schicken muss. An meinem Wahlverhalten hat der Auftritt der Obamas nichts geändert. Ich wusste vorher, wen ich wähle. Wir müssen jetzt viel Herzblut in die Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2018 stecken."

Michael Vesper (DOSB-Generaldirektor): "Wir freuen uns über die Entscheidung für Rio. Das ist ein historischer und mutiger Beschluss, der auch geopolitische Bedeutung hat. Ich hatte Rio fest auf der Rechnung, aber so einen Ausgang seriös vorherzusagen, ist nicht einmal Insidern möglich. Das waren vier hervorragende Bewerbungen."

Christian Ude (Oberbürgermeister München): "Mit der Entscheidung des IOC, die Sommerspiele 2016 nach Südamerika zu vergeben, hat die Münchner Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 alle Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss. Ich bin sicher, dass wir mit unserem Konzept, das vor allem in punkto Ökologie und Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setzen wird, mit unserem reichhaltigen Angebot für ein kulturelles Rahmenprogramm, mit den großen Kapazitäten bei Hotellerie und Gastronomie und nicht zuletzt mit unserem äußerst sportbegeisterten Publikum bestens aufgestellt sind, um als erste Stadt weltweit nach Olympischen Sommerspielen auch die Winterspiele ausrichten zu dürfen."

Richard Adam (Geschäftsführer Olympia-Bewerbung München 2018): "Bei Rio ist klar geworden, dass eine Bewerbung nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie eine echte Botschaft hat. Das hatte Rio, und das gilt auch für München. Das ist eine gute Entscheidung für die olympische Bewegung. Ich kann mir vorstellen, wie jetzt an der Copacabana gefeiert wird. Das ist ein Grund, sich mitzufreuen."

Bernhard Schwank (Geschäftsführer Olympia-Bewerbung München 2018): "Das war ein spannendes Finale. Seit den Präsentationen hat man gemerkt, wie die Spannung gestiegen ist. Es war eine große Überraschung, dass Chicago in der ersten Runde ausgeschieden ist. Damit hat keiner gerechnet. Glückwunsch an Rio, da ist heute an der Copacabana bestimmt eine Menge los. Wir nehmen jetzt viel Schwung mit nach München."

Pele (brasilianisches Fußball-Idol und dreimaliger Weltmeister): "Ich bin so glücklich und erregt, dass ich gar nicht aufhören kann zu weinen, seitdem ich das Ergebnis kenne. Das ist ein großer Moment. Nicht nur für Brasilien, sondern für ganz Südamerika. Vergleicht man das mit einer Fußball-WM, ist es so, als hätten wir erneut ein wichtiges Tor erzielt."

Eduardo Paes (Bürgermeister von Rio): "Das ist ein Wendepunkt für unsere Stadt, eine unvergleichliche Chance. Olympia gehört allen Brasilianern."

Gustavo Kuerten (dreimaliger French-Open-Sieger im Tennis): "Wenn man mal alle Medaillen der (brasilianischen) Sportler zusammenzählt, die heute hier in Kopenhagen dabei waren, weiß man ungefähr, was es bedeutet, die Spiele ins Land geholt zu haben. Das Ergebnis war 6:3 und 6:2."

Luis Felipe Scolari (Fußball-Trainer, Weltmeister mit Brasilien 2002): "Als Gott die Welt erschaffen hat, wünschte er sich Rio de Janeiro. Ich bin nicht aus Rio, aber ich habe eine besondere Liebe zu dieser Stadt."

Ricardo (Olympiasieger im Beachvolleyball): "Wir müssen dieses Event nutzen, nicht nur, um die Infrastruktur der Stadt zu verbessern. Vor allem für die Entwicklung, für die Ausweitung des Sports im Lande."

Sir Philip Craven (Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees): "Ich weiß, dass es Rio gelingen wird, in sieben Jahren große Paralympische Spiele auszurichten. Aber jeder der vier Bewerber hätte große Paralympics ausrichten können. Die Qualität aller Bewerbungen war sehr hoch, auch im Bereich der Paralympics."

Michelle Bachelet (Staatspräsidentin Chile): "Wie gut, dass Brasilien gewonnen hat. In unserem Lateinamerika finden nun die Spiele 2016 statt."

Robert Gibbs (Sprecher von US-Präsident Barack Obama): "Der Präsident ist enttäuscht, wie sie sich vorstellen können. Aber er ist stolz auf die Präsentation seiner Frau Michelle. Und der Präsident würde niemals zögern, irgendwo hinzureisen, um mit jedermann über seine Heimat zu sprechen. Er ist extrem stolz auf die Anstrengungen, die unternommen wurden."

David Axelrod (Senior-Berater von Barack Obama): "Das war natürlich enttäuschend. Selbst der Auftritt des Präsidenten vor den IOC-Mitgliedern in Kopenhagen hat nicht ausgereicht, um die Politik in diesem Raum zu überwinden. Es hat nicht geklappt, aber es war die Anstrengungen wert. Ich sehe das nicht als Zurückweisung des Präsidenten und der First Lady."

Gerhard Heiberg (IOC-Mitglied und Chef der Marketing-Kommission): "Das ist ein guter Tag für Rio und die olympische Bewegung. Wir haben viel über Universalität gesprochen, jetzt haben wir unter Beweis gestellt, dass wir sie auch ernst nehmen. Rio hatte eine gute Bewerbung. Es ist zu früh, um über Sponsoren für 2016 zu reden. Aber es gibt schon jetzt Firmen, die Interesse haben. Ich denke, die Vermarktung wird erfolgreich. Olympia kann von der Fußball-WM 2014 profitieren. Da wird es keine Probleme geben. Die Fernsehrechte in den USA sind zwar noch nicht vergeben, aber es gibt Interessenten, die die heutige Entscheidung erst abwarten wollten. Wir haben Zeit."

Richard Daley (Bürgermeister Chicago): "Mit Rio finden die Spiele bereits auf unserer Halbkugel statt. Danach muss Olympia woanders hin. Es würde für eine US-Stadt keinen Sinn haben, es 2020 noch einmal zu versuchen."

Pat Ryan (Bewerberungschef Chicago): "Wir haben einen guten Kampf geliefert und ich bin sehr stolz auf unser Team und die Bewerbung. Ich habe keine Ahnung, warum wir so früh rausgeflogen sind. Das müssen sich die IOC-Mitglieder selbst fragen."

Mercedes Coghen (Bewerbungschefin Madrid): "Ich bin sehr traurig. Aber so sollte es sein. Es war eine sehr gute Bewerbung."

Rafael Nadal (spanischer Tennis-Weltranglistenzweiter): "Wir sollten weiterkämpfen. Ich bin mir sicher, dass wir beim nächsten Mal gewinnen, denn Madrid verdient es."

Shintaro Ishihara (Gouverneur Tokio): "Das ist enttäuschend und demütigend. Ob wir uns wieder bewerben, müssen wir jetzt zusammen mit Tokios Einwohnern, Japan und dem NOK wohlwollend prüfen. Ich habe alle sagen hören, dass wir uns überragend präsentiert haben. Aber Rio hat das Rennen gemacht. Wir müssen mehr über die Dynamik dieser Prozesse lernen. Sonst wird es eine harter Kampf bleiben."

Alexander Popow (IOC-Mitglied und viermaliger Olympiasieger): "Eine sehr große Rolle beim Sieg Rios hat sicher die Tatsache gespielt, dass Südamerika noch nie Spiele ausgerichtet hat. Diese historische Chance hat Rio voll genutzt."

Tränen in Chicago, Freude in Rio

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