Olympia

Tränen in Chicago, Freude in Rio

SID
Die brasilianische Delegation um Luiz Inacio Lula da Silva jubelt nach der Verkündung
© Getty

Brasilien jubelte nach der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro. In Chicago allerdings herrschte Bestürzung. Bürgerrechtler Jesse Jackson gibt George W. Bush die Schuld an der klaren Niederlage. Aber auch Obama muss Kritik einstecken.

"No, we can't." Nach dem überraschenden Erstrunden-K.o. Chicagos bei der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2016 stehen in der Windy City die Zeichen auf Sturm.

Erste Analysen machten weltweiten Anti-Amerikanismus und damit den unbeliebten Ex-Präsidenten George W. Bush für das Scheitern verantwortlich. Doch auch dessen als Geheimwaffe in Kopenhagen eingeflogener Nachfolger Barack Obama musste sich Kritik gefallen lassen.

Obama nur ein Schatten seiner Selbst

US-Medien warfen dem mit einem Siegerimage behafteten mächtigsten Mann der Welt fehlendes Charisma vor. Anders als seine First Lady Michelle konnte er nicht überzeugen. Lag es am Jetlag oder der kurzen Vorbereitungszeit? Glaubt man der Chicagoer Tageszeitung "Sun Times", war Obama am Freitag bei seinem gut fünfstündigem Gastpiel auf dänischem Boden nur ein Schatten seiner selbst.

Obamas Rede wäre niemals richtig in Schwung gekommen, sein Vortrag halbherzig gewesen, so das größte Blatt der Stadt. Obamas republikanische Gegenspieler gingen weiter. "Das Ganze ist einfach nur peinlich", meinte der konservative Partei-Stratege Rich Galen und goß Öl ins Feuer: "Obama wird in den kommenden Wochen die Lachnummer vom Capitol Hill sein."

Obama selbst erfuhr auf seinem Rückflug kurz vor Neufundland durch den Nachrichtensender CNN von der Niederlage. Er zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte dem brasilianischen Präsidenten Luis Inancio Da Silva noch aus der Air Force One zum Sieg.

Jesse Jackson gibt Bush die Schuld

Kritiker, die ihn anstatt in Kopenhagen lieber daheim bei der Diskussion um die Gesundheitsreform gesehen hätten, wies der Präsident in die Schranken.

"Es kann niemals schlecht sein, unser Land nach außen darzustellen. Eines der wertvollsten Dinge im Sport ist die Tatsache, dass man ein großartiges Match spielen und doch nicht gewinnen kann. Und deshalb könnte ich nicht stolzer auf meine Heimatstadt sein, auch wenn ich wünschte, wir wären mit besseren Neuigkeiten aus Kopenhagen zurückgekehrt."

Politiker wie der prominente Schwarzen-Führer Jesse Jackson standen Obama derweil zur Seite und führten die gescheiterte Außenpolitik von Bush als Grund für den K.o. Chicagos an, von der sich Obama in seiner Ansprache vor den IOC-Mitgliedern deutlich distanziert hatte.

"Wir haben die Welt mit dem Irak-Krieg in die Irre geführt, was unserem Land ein schlechtes Image bescherte. Vielleicht war die Zeit nach dem Regierungswechsel im November zu kurz, um die Dinge wieder ins rechte Licht zu rücken."

Brasilien im Freudentaumel

Während Tausende Brasilianer an den Stränden Rio de Janeiros die Nacht zum Tag machten, flossen auf Chicagos Daley Plaza bei der Live-Übertragung der Bekanntgabe des Wahlergebnisses die Tränen. Als kleines Trostpflaster wurde bekannt, dass die Bewerbungskosten von 70 Millionen Dollar komplett aus Spenden der Industrie finanziert werden konnten.

Hoffnungen auf eine Bewerbung für 2020 machte Bürgermeister Richard Dailey schnell zunichte. Seiner Ansicht nach wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) die nächsten Spiele in den Fernen Osten vergeben.

Olympia geht nach Rio

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