Freitag, 04.07.2008

Olympia

Lobinger bangt um Olympia

Karlsruhe - Das Selbstvertrauen von Tim Lobinger wuchs in den vergangenen Jahren meist in ähnliche Höhen wie seine Sprünge. Vor den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg lassen die Selbstzweifel den 1,93 Meter großen Stabartisten jedoch förmlich schrumpfen.

Leichtathletik, DM, Tim Lobinger
© Getty

Wenn der 35-Jährige zum 100. Mal in seiner Karriere die 5,80 Meter überspringen würde, dann hätte er das Ticket für Peking sicher. Doch davon ist Lobinger derzeit weit entfernt.

"Statt in den Kraftraum sollte ich in die Kirche gehen, um zu beten", beklagte der deutsche Rekordhalter diese Woche seine schwache Form. Gleich sechs Konkurrenten sitzen ihm im Nacken, nur drei dürfen zu den Olympischen Spielen.

Das Schlüsselerlebnis

Fast schon überschwänglich freute sich Lobinger über seinen fünften Platz in Bydgoszcz/Polen mit der persönlichen Saisonbesthöhe von 5,71 Metern: "Endlich ein Schlüsselerlebnis. Diese 5,71 Meter bedeuten mir mehr als jede andere Leistung in diesem Jahr." Nur ein Zentimeter mehr hatte ihn wieder aufgerichtet.

Drei Tage zuvor war der Hallen-Weltmeister von 2003 noch völlig frustriert neben der Matte gestanden. Nach seinen 5,50 Metern von Biberach schien Lobinger Peking schon fast abgeschrieben zu haben.

Er verlor sich in Sätzen wie: "Mit dem Glück des Tüchtigen kann ich nicht rechnen" und "Es gibt selten Wunder, wenn man sie erzwingt". Er sprach von einem "echt beschissenen Jahr", als ob es schon vorbei sei und sagte: "Mit 5,70 Meter habe ich nichts in Peking zu suchen."

Kaum Medallienhoffnungen für Peking

Zu allem Übel musste der Wahl-Münchner, der 15 Jahre lang den deutschen Stabhochsprung weitgehend dominiert hat, in Biberach mit ansehen, wie sich ein 18-Jähriger an ihm vorbei zur Nummer eins aufschwang: Raphael Holzdeppe. Der erst 18-Jährige aus Zweibrücken führt die Bestenliste mit 5,80 an.

"Jetzt bin ich auf einmal der Favorit", meinte Holzdeppe, und nach Lobingers Meinung ist der Gymnasiast derzeit auch der einzige, "der in Peking die Chance hat, unter die ersten Zwölf zu kommen. Für Medaillen ist unser Niveau dieses Jahr zu schlecht".

Titelverteidiger Danny Ecker, der WM-Dritte von Osaka 2007, plagt sich derzeit mit ganz anderen Sorgen herum. "Ich dachte, ich gehöre nicht zum Klub der Achillessehnen-Geschädigten, aber scheinbar habe ich mich geirrt", erklärte der Leverkusener sein Dilemma.

Drei entscheidende Tage 

Die Olympia-Norm von 5,70 Meter geknackt haben neben Ecker, Lobinger und Holzdeppe auch Malte Mohr, Richard Spiegelburg (beide Leverkusen), Björn Otto (Uerdingen/Dormagen) und Alexander Straub (LG Filstal).

Falls Lobinger in Nürnberg patzt, wäre er erstmals seit 2001 nicht bei einer internationalen Freiluft-Meisterschaft dabei. Im vergangenen Jahr in Erfurt legte er einen "Salto nullo" hin, durfte aber dennoch mit zur WM nach Japan.

Sein südafrikanischer Trainer Chauncey Johnson ist ohnehin der Meinung: "Tim muss in diesem Sommer nur an drei Tagen hoch springen." In Nürnberg, bei der Qualifikation und im Endkampf in Peking - wenn er soweit kommt.


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