Samstag, 19.07.2008

Inoffizieller Reck-Weltrekord

Hambüchen on fire

Dessau - Erneut Weltrekord am Reck, aber ein Dämpfer am Seitpferd: Fabian Hambüchen hat im letzten Wettkampf vor der Abreise nach Asien erneut seine Favoritenstellung für die Olympischen Spiele untermauert.

Fabian Hambüchen
© DPA

Mit der Traum-Note von 16,65 Punkten verbesserte er seine Weltbestmarke am "Königsgerät" gleich um drei Zehntel-Punkte. "Nicht die Wertung gibt mir Auftrieb, sondern die Übung selbst, die jetzt sicher sitzt", meinte der Welt- und Europameister nach seiner perfekten Leistung beim Länderkampf in Dessau gegen zwei Riegen mit Olympia-Einzelstartern aus acht Nationen, den die deutsche Auswahl in Dessau souverän mit 365,55 Punkten vor Europa I (352,60) und Europa II (346,40) gewann.

"Jetzt bin ich erst mal froh, dass es zum Trainingslager nach Tokio losgeht. Der Tapetenwechsel ist nötig", sagte Hambüchen angesichts der "Schinderei" im Trainingslager Kienbaum in den vergangenen Wochen.

Fast alles nach Plan

Wie das 32-stündige Intensivtraining anschlägt, konnten die 2600 Zuschauer in der voll besetzten Anhalt-Arena nicht nur an seinem Spezialgerät bewundern, wo Hambüchen zum zweiten Mal in seiner Karriere den Schwierigkeitsgrad 7,3 präsentierte und für die Ausführung exzellent bewertet wurde. Es war nach seinem Absturz beim Weltcup in Cottbus im April die achte hochkarätige Reck-Übung in Serie ohne Fehl und Tadel.

Auch am Barren wird Hambüchen immer stärker und fixierte mit 15,95 Punkten (A-Note 6,9) einen persönlichen Bestwert. Auch Sprung (16,20), Boden (15,70) und Ringe (15,20) liefen nach Plan, doch am Seitpferd musste er erstmals seit Wochen unfreiwillig das Gerät verlassen und stieß danach wütend mit dem Fuß gegen die Magnesia-Schale. "Am Pferd lief es einfach nur Scheiße", schimpfte er.

Kein Fahnenträger

Der abgezogene eine Punkt kostete den Wetzlarer einen neuen Mehrkampf-Bestwert (bisher 93,30), mit 92,85 Zählern war er dennoch mit Abstand der beste Allrounder. "Hätte es geklappt, wäre ich bei fast 94 Punkten. So hatte ich mir das für Peking vorgestellt.

"Wir müssen die Pläne umstellen und das Pferd jetzt in relativ ausgepowertem Zustand trainieren", folgerte Cheftrainer Andreas Hirsch angesichts der Olympia-Auslosung, nach der die Riege am Sprung beginnt und Hambüchen somit nach vier starken Geräten das Zitter-Pferd als fünfte Hürde zu bewältigen hat.

"Wir haben noch drei Wochen Zeit. Die Kondition bekommen wir hin", meinte Vater Wolfgang Hambüchen. Da dem Vorkampf am 9. August alles untergeordnet ist, kommt für Fabian das Tragen der deutschen Fahne bei der Eröffnung nicht infrage. "Es wäre dämlich, sechs Stunden bei der Eröffnung herumzustehen. "Schönen Gruß an Herrn Bach, vielleicht trage ich die Fahne dann bei der Abschlussfeier", sagte er.

Auch Boy in Topform

Obwohl der Cottbuser Philipp Boy mit 90,40 Punkten zum zweiten Mal die Schallmauer durchbrach, wollte ihn Hirsch noch nicht öffentlich zum zweiten deutschen Olympia-Mehrkämpfer deklarieren. "Wir werden uns die Videos anschauen und die Protokolle auswerten. Dann sind wir schlauer." Boys Glanzstück war gleichfalls die Reck-Übung, bei der der 20-Jähre bei 6,9 Ausgang auf 15,85 Zähler kam - in Peking sicher eine finalwürdige Punktzahl.

Alle Turner schwärmten in Dessau von der motivierenden Stimmung in der Mannschaft, die nach WM-Bronze und EM-Silber nun nach den Sternen greifen will. Glänzend aufgelegt turnte Thomas Andergassen (Stuttgart) an den Ringen 15,65 Punkte, Marcel Nguyen (Unterhaching) glänzte an Sprung und Boden ebenso wie am Barren, obwohl er auf seinen Tsukahara-Abgang noch verzichtete. Boy: "Alle sind heiß und wollen endlich weg. Das Training mit den Japanern kann ja nur geil werden."


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