Mittwoch, 02.07.2008

Franka Dietzsch im Interview

"Ich glaube an ein kleines Wunder"

Kienbaum - Die dreifache Diskuswurf-Weltmeisterin Franka Dietzsch kämpft um ihre fünfte Olympia-Teilnahme. Doch nach Peking will die Seniorin der deutschen Leichtathletik nur mitfliegen, wenn sie in Medaillenform ist.

Derzeit trainiert die 40-Jährige vom SC Neubrandenburg im Bundesleistungszentrum Kienbaum hart für ihr Comeback: Vom 6. Juni an hatte sie nach der Diagnose Bluthochdruck kürzer treten müssen. Im Interview spricht Franka Dietzsch über ihre Ängste und Hoffnungen und das kleine Wunder, das sie noch nach Peking bringen soll.

Frage: Was macht Ihr Blutdruck, wie läuft das Training, wie geht es Ihnen?

Franka Dietzsch: Der Doktor hat vorige Woche gesagt: Alles im grünen Bereich! Mit meinem Blutdruck kann ich jetzt 100 Jahre alt werden... Er hat mit viele gute Tipps gegeben. Medizinisch bin ich also bestens versorgt; ich nehme Medikamente gegen den Bluthochdruck, und inzwischen sieht es sehr, sehr gut aus. Die Ärzte haben mir bestätigt, dass ich ein genetisch sehr gut ausgebildetes Herz habe. Und das Schönste: Ich kann endlich wieder wunderbar schlafen!

Frage: Also wieder alles bestens? Kann Peking kommen?

Dietzsch: Leider nicht. Beim Training hat der linke Fuß einen Schlag abgekriegt. Der war in den vergangenen Jahren immer schon mein Hauptproblem. Wir können im Training also nicht voll belasten.

Frage: Dabei hatte die Saison so vielversprechend angefangen?

Dietzsch: Und wie! Bis Mitte April hätte ich Stein und Bein schwören können, dass ich dieses Jahr die 70 Meter werfe. Doch dann kam das kleine Teufelchen: Ich war plötzlich wie ausgebrannt. Nichts ging mehr. Da konnte man zugucken, wie es im freien Fall immer weiter abwärts ging.

Frage: Und jetzt geht's wieder aufwärts?

Dietzsch: Ja, schon - aber mit 40 sieht alles anders aus. Jetzt kommt der Kopf ins Spiel. Ich brauche den Biss! Noch ist nichts verloren, ich hab' schon noch was in der Hinterhand. Und ich glaube an ein kleines Wunder.

Frage: Das brauchen Sie doch gar nicht. Sie haben einen "Freifahrtschein" vom DOSB, auch ohne Olympia-Norm.

Dietzsch: Ich fahre nur nach Peking, wenn ich dort eine Medaille gewinnen kann. Der DLV freut sich zwar auch über Platz sieben und Punkte für die Nationenwertung. Aber da wäre ich gefrustet, das ist nicht mein Anspruch. Eigentlich wollte ich nur fahren, wenn ich vorher 65 Meter werfe.

Frage: Am besten am Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg - das wäre doch der Befreiungsschlag?

Dietzsch: Noch haben wir das nicht entschieden, aber ich sage: eher nicht. Mein Start dort ist gefährdet. Und mal ehrlich: Wen interessiert denn am Ende der Saison, ob ich in Nürnberg deutsche Meisterin geworden bin? Ich muss jetzt alles dem großen Ziel Peking unterordnen. Meine fünften Spiele wären definitiv meine letzten. Und da will ich endlich mal eine Olympia-Medaille gewinnen.

Frage: Ihnen fehlt in dieser Saison die Wettkampfpraxis?

Dietzsch: Ja, schon. Aber auch das Startgeld: Durch fehlende Wettkämpfe ist mir sicher eine fünfstellige Summe verloren gegangen. Ich hätte ja überall hinfahren können und ein super Startgeld abfassen können. Aber dann hätten alle geschrien: Dietzsch ist nicht fit! Die ist doch meilenweit von der Olympia-Form entfernt.


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